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Segeberg Die mysteriösen Löcher auf der Autobahn 21
Lokales Segeberg Die mysteriösen Löcher auf der Autobahn 21
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18:22 30.04.2019
Die geheimnisvollen Löcher an der Autobahn A 21 zwischen Bornhöved und Wankendorf beschäftigen Deutschlands Autobahnexperten Quelle: Glombik
Bornhöved

Autofahrer sind sauer über „Pfusch“. Wo kommen nur die vielen Löcher im Asphalt der gantz frisch sanierten A 21 her? Autobahnexperten stehen vor einem Rätsel. „Der Hintergrund für das Auftreten der Schäden zwischen der Anschlussstelle Trappenkamp und Anschlussstelle Stolpe/Wankendorf ist weiter offen und bereitet deutschen Straßenbauexperten branchenweit Kopfzerbrechen“, teilt der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV.SH) mit. Dieser hat deutschlandweit Experten um Hilfe gebeten. Ein „multifaktorielles Analyseverfahren“ wurde in Gang gesetzt, 40 sogenannte Bohrkerne verteilt über die gesamte Strecke gezogen.

„Kein gravierendes strukturelles Problem im Material“

Auch das erste Laborergebnis des spezialisierten Asphaltlabors, das die Bohrkerne aus der A 21 eingehend untersucht hat, kommt lediglich zu dem Ergebnis, dass der Anteil der Hohlräume in der untersuchten Gussasphaltdeckschicht zwar höher sei als „regulär“ üblich. „Aber insgesamt liegt damit kein gravierendes strukturelles Problem im untersuchten Material vor, welches das massive Auftreten der Löcher erklären könnte“, so der Spezialist, Diplom-Ingenieur Ulrich Lüthje, vom Asphalt-Labor Wahlstedt. Die Löcher bleiben damit höchst mysteriös.

Mitte Dezember 2018 noch hatte Torsten Conradt, Direktor des Landesbetriebs, zusammen mit Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) das für 46 Millionen Euro sanierte Teilstück gut gelaunt freigegeben. Doch schon vier Wochen später hatten Streckenkontrolleure Schäden auf den Fahrbahnen in beiden Richtungen entdeckt. Es zeigten sich größere Löcher bis zu 15 Zentimeter Größe, die bereits mit Kaltmischgut von der Straßenmeisterei versiegelt wurden. Die zweite Kategorie umfasst Löcher bis gut zwei Zentimeter Umfang und Tiefe. Dazu bildeten sich Löcher im Millimeter-Umfang. Sie sind im gesamten Bereich der Autobahn stark vorzufinden. Daher ist die Geschwindigkeit auf 80 Stundenkilometer reduziert.

Autobahn Güteklasse A

Von wegen Billig-Autobahn: Die A 21 ist mit ihrer Gussasphalt-Deckschicht als besonders langlebig und dauerhaft konzipiert, sagte Experte Ulrich Lüthje vom asphalt-labor Wahlstedt den LN. Der Landesbetrieb habe hier eine besonders nachhaltige Bauweise verwendet. Diese Autobahn habe deshalb eine Lebensdauer-Prognose von 25 bis 30 Jahren. „Deshalb ist es so schade, dass gerade hier derartige Schäden auftreten“, sagt Lüthje. Das Ziel sei gewesen, eine langlebige Autobahn zu bauen, die deutlich länger halte als andere Straßen.

Tempolimit wird vielleicht angehoben

Doch wer die Strecke fährt, wird schnell merken, dass sich kaum ein Autofahrer an die Beschränkung hält. Ob das Tempolimit weiter aufrecht erhalten werden müsse, werde „im Sinne der Verkehrsteilnehmer überprüft“, so Torsten Conradt. Denn die Schadensbildung habe „sich deutlich verlangsamt“. Ob eine Anhebung letztlich auf Tempo 100 oder bis zu 120 Stundenkilometer möglich wäre, könne noch nicht beurteilt werden, hieß es auf Nachfrage der LN.

Es bleibt das Löcher-Rätsel: Alle vertraglichen Anforderungen, die für einen Asphalt in Deutschland vorgeschrieben sind, seien eingehalten worden. Das Wahlstedter Speziallabor hat keine Anhaltspunkte für eine „gravierende Gefügestörung“ gefunden, die Schadensbildung sei nahezu abgeschlossen. „Autobahn-Doc“ Lüthje teilte den LN auf Anfrage mit, dass er noch weiterforschen werde. „Wir gehen aber davon aus, dass es sich nicht dramatisch verschlechtert hat.“ Die Struktur der Deckschicht werde sich nach seiner Prognose „nicht noch weiter zerlegen“. Lüthje sagt aber: „In der Größenordnung und Ausprägung ist das auch für mich wirklich ein Rätsel.“

Spezialisten finden keine konkrete Ursache

Auch andere Autobahn-Ärzte fanden nichts: Die nationale Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) untersuchte Schadaufbrüche. Das Fazit der ihrer speziellen Analyse: keine konkrete Ursache. Auch mit speziellen Georadar-Untersuchungen wurde die A 21 auf Herz und Nieren untersucht. Auch hier: kein Ergebnis. Der Tüv Rheinland fuhr mit einem Spezial-Fahrzeug und teurer Bildaufnahmetechnik die Fahrbahnen der A 21 im März ab. So wird das Schadensbild genau festgehalten. Nach weiteren Folgemessungen wird entschieden, ob man doch schneller fahren darf. Die Ergebnisse werden Ende Mai erwartet. Auch Asphaltproben mit Streusalz im Labor waren unauffällig. Zusätzlich fährt die Straßenmeisterei Stolpe tägliche Inspektion auf ihrer „kranken“ Autobahn.

  Wer ist schuld? Rechtlich sei das Land mit einer der beteiligten Baufirmen im Dialog über eine einvernehmliche Gutachterlösung. Bei der anderen Firma kam dies nicht zustande, so dass der Schadensfall vor Gericht geklärt werden muss. So ist man auf Landesseite vorsichtig. Die Schuldfrage sei „vollkommen offen“, hieß es vom LBV mehrfach zu Detailfragen.

Wolfgang Glombik

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