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Segeberg Frank Bonkowski: „Ich wollte kein Pastor mehr sein“
Lokales Segeberg Frank Bonkowski: „Ich wollte kein Pastor mehr sein“
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08:16 23.12.2018
Frank Bonkowski (53) ist Autor, Erlebnispädagoge, Buchautor und Pastor bei der Evangelischen Freikirche. Quelle: Irene Burow
Bad Segeberg

„Das macht gar keinen Sinn, die kennen euch doch gar nicht!“ Es sind Sätze wie diese, die Pastor Frank Bonkowski noch einmal davon abgehalten haben, seinen Job hinzuwerfen. Gefallen ist der Satz in einer Familie, die Kirchenasyl in der Freikirche Bad Segeberg bekam. Warum sollten sich fremde Menschen um fremde Menschen kümmern? Das macht doch gar keinen Sinn. „Weil es das ist, was Christen tun“, lautete damals die Antwort. Und sie brachte ein bisschen Frieden in diese Familie.

„Ich wollte kein Pastor mehr sein“, sagt Frank Bonkowski ohne Umschweife. Doch heute ist er es immer noch. Dazu Erlebnispädagoge, Referent und Buchautor. Und einer, der in seiner Gemeinde immer wieder aneckt, weil er Kirche hinterfragt. „Was meinen Glauben gerettet hat, war der Glauben an Soziales“, sagt er.

Mit Burnout zurück nach Bad Segeberg

Nach 17 Jahren in Kanada hatte er die Nase voll vom Pastorendasein. Seine Frau Loretta hatte er beim Theologie-Studium in Marburg kennengelernt, beide flogen von der Schule. Beziehungen waren in der Ausbildung unerwünscht. In den Flitterwochen orientierten sich beide neu, gingen in ihre kanadische Heimat und bekamen drei Kinder. Wie Pastoren in Nordamerika auf ein Podest gehoben werden, war ihm schließlich zu viel. Denn für ihn ist Kirche Teamarbeit. Mit Burnout ging es zurück nach Bad Segeberg. Das war 2005. In der folgenden Auszeit hat er angefangen, den sozialen Aspekt der Bibel richtig zu verstehen. Als er weniger Geld verdiente, aber nicht minder glücklich war. „Und dann kamen 2015 die Flüchtlinge“, sagt er nachdenklich. „Ich sage den Flüchtlingen immer, dass sie der Grund sind, warum ich noch dabei bin.“

Freikirchen

Freikirchen wollen das Christentum reformieren. Mitglieder entscheiden persönlich und freiwillig, ob sie dazugehören wollen. Statt einer Taufe im Kindesalter erwarten Freikirchen eine bewusste Entscheidung von Jugendlichen, die Glaubenstaufe. Die Kirche erhebt keine Steuer, sie lebt von freiwilligen Beiträgen der Mitglieder. In Deutschland gibt es rund 100 Freikirchen. Mehr über die evangelische Freikirche Bad Segeberg gibt es unter www.gegose.de.

In Bad Segeberg bot sich ihm 2007 die Chance, bei der Evangelischen Freikirche neu anzufangen. Sein Freund und Pastor Werner Klein holte ihn dazu. Es war die Gelegenheit, die Form des Miteinanders zu erleben, die ihm vorschwebte. „Ich predige gern, aber nur Leute unterhalten – das kann’s auch nicht sein“, sagt der 53-Jährige. Ab da erlebte er, wie die Grenzen von Kleinkunst und Gottesdienst verschwammen. Wie Erwachsene von Kindern lernten oder ein autistisches Kind als bester Schauspieler auf der Bühne gefeiert wurde. Wie syrische Musik erklang oder allen ein russischer Film gezeigt wurde. Kirche als Teamarbeit.

Aus Andachten und Vorträgen wurden ganze Bücher

Heute füllt er eine Dreiviertelstelle aus. Gut dosiert, wie er findet, weil er drei Monate im Jahr Zeit hat, Gedanken zu sammeln und auf Papier zu bringen. Erst waren es Andachten und Vorträge über Werte, dann wurden es Texte über Teambuilding, schließlich Gleichnisse, Kurzgeschichten und ganze Bücher. Mittlerweile sind es 25 Werke, die seine Erfahrungen ausdrücken. Sein aktuellstes Werk heißt „Ikigai. Dein Grund, morgens aufzustehen – Wie du rausfindest, warum du da bist“. Inspiriert worden ist der Pastor durch Berichte über 100-Jährige auf der ganzen Welt, die ihr Prinzip eines langen Lebens erklären. „Das Thema hat mich fasziniert. Weil die Gründe immer ähnlich sind. Neben Ernährung und Bewegung die sozialen Bindungen. Für diese Menschen gibt es immer einen bestimmten Grund, morgens aufzustehen“, sagt er. Also hat er selbst Menschen interviewt und die eigene Lebensgeschichte erzählen lassen – um anderen dabei zu helfen, die eigene Berufung zu finden.

Cover von "Weihnachtswundernacht" mit zwölf Kurzgeschichten. Quelle: hfr

Zudem ist jetzt seine Kurzgeschichte „Bob (die Sandkatze) entdeckt Weihnachten“ erschienen; im siebten Band der „Weihnachtswundernacht“-Reihe. Das sind zwölf Geschichten passend zur Jahreszeit, die vom in Großhansdorf (Stormarn) aufgewachsenen Autoren und Theologen Thomas Klappstein im Brendow Verlag herausgegeben wurden. „Bob“ ist eine Außenseiterkatze, die an ihrer Wertigkeit und Würde zweifelt. Als sie Weihnachten erlebt, realisiert sie bei der Hirtenszene und dem Kind in der Krippe, wie wertvoll jedes Lebewesen ist.

„In Kanada habe ich noch Pläne gemacht, heute kommt es mir mehr auf Werte an“, sagt Frank Bonkowski. Das Schreiben hilft ihm dabei, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und es festzuhalten. „Außerdem muss ich ja jede Woche etwas anderes erzählen können“, schmunzelt er. Aus einer kurzen Auszeit von Kanada sind mittlerweile viele Jahren geworden. Seine älteste Tochter ist zurückgegangen, doch er und seine Frau wollen bleiben.

Ein Grund sei auch, dass man in Deutschland offener infrage stellen kann, was passiert. Auch in der Kirche. „Ich überlege ständig, ob das noch richtig ist, wie wir Kirche heute machen. Was in der Bibel steht, ist tausende Jahre am Lagerfeuer erzählt worden. Irgendeinen Grund muss es geben, dass diese Geschichten auch heute noch Hoffnung spenden. Was das wohl ist? Was genau glauben wir heute eigentlich? Das möchte ich herausfinden“, sagt er. „Denn Kirche ist irre schön, wenn sie funktioniert.“

Irene Burow

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