Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Dritte Amtszeit in Bad Segeberg nicht ausgeschlossen
Lokales Segeberg Dritte Amtszeit in Bad Segeberg nicht ausgeschlossen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:48 04.06.2019
Angelika und Dieter Schönfeld schätzen an der Kreisstadt besonders die langen Spaziergänge um den Großen Segeberger See. Quelle: Wolfgang Glombik
Bad Segeberg

Heute vor zehn Jahren trat Dieter Schönfeld (SPD) sein Amt als Bürgermeister in Bad Segeberg an. Mit viel Erfahrung. Denn der gebürtige Niedersachse war schon ab 1990 18 Jahre Bürgermeister der Stadt Gettorf gewesen, bis sein Amt durch eine Ämterfusion eingespart wurde. Seine Ehefrau Angelika war dabei, als die LN mit ihm über seine Zukunftspläne sprachen. Denn Dieter Schönfeld hat offenbar noch viel vor in Bad Segeberg.

Ihre Wahl zum Bürgermeister von Bad Segeberg am 2. November 2008 war denkbar knapp ausgegangen. Sie lagen nur 45 Stimmen vor ihrer Mitbewerberin Monika Oestreich, die von der CDU nominiert worden war.

Stimmt nicht, (schmunzelnd) es waren 46. Auf Wunsch gab es eine Nachzählung in einem Wahlbezirk. Eine Stimme für mich war zu Unrecht als ungültig gewertet worden.

 

Trotzdem, es war denkbar knapp. Was hätten Sie gemacht, wenn es schiefgegangen wäre?

Es hätte keinen Karriere-Knick gegeben, ich war gut mit Arbeit versorgt und war außerdem Pensionär, quasi Aktiver im Ruhestand. Wenn das in Bad Segeberg nicht geklappt hätte, wäre mir kein Schaden entstanden. Ich habe mir im Wahlkampf erlaubt, die schwierige wirtschaftliche Situation und den mangelnden Mut, Dinge zu verändern anzusprechen. Ich finde es großartig, dass die Mehrheit der Bad Segeberger Bürger diese ehrliche und klare Haltung akzeptiert hat. Ich war und bin mit Leib und Seele hier Bürgermeister.

Sie sind damals von den Fraktionen von SPD und BBS gemeinsam vorgeschlagen worden.

Ich war eigentlich nach Bad Segeberg gekommen, um die SPD bei der Kandidaten-Suche zu beraten. Da hatte sich die Frage ergeben, ob ich es nicht selber machen könne. Ich hatte mir eine Woche Bedenkzeit erbeten. Doch bevor die Woche ’rum war, hatten Sie schon berichtet, dass es da einen Kandidaten gibt mit Merkmalen, die zwar anonym waren, aber klare Rückschlüsse auf meine Person zuließen. Da hatte ich mir überlegt, wenn du schon mal enttarnt bist, trittst du auch an.

Als Sie antraten, wussten Sie um die schlimme finanzielle Situation der Stadt.

Die war schlechter, als ich aus den amtlichen Statistiken herauslesen konnte. Denn die Stadt war ja verzweigt in Gesellschaften wie Mittelzentrums-Holding (MZH), Fledermauszentrum, Stadtmarkting GmbH, Kalkberg GmbH. Ich hatte erst einmal die Verlustbringer der Stadt mit insgesamt über zwei Millionen Dauerverlust jährlich aufgelöst. Was in der MZH passiert war, habe ich vorher nicht herauslesen können. Vor allem die Panne mit dem Spaßbad Fehmare, das der Stadt fünf Millionen Euro gekostet hat. Ich kenne sonst keine Institution in Deutschland, die auf eigene Kosten und Risiken ein städtisches Spaßbad gemietet hätte. Viele Dinge mussten neu geordnet werden, es gab viel zu viele Führungskräfte in der Verwaltung. Jetzt sind die Hälfte der städtischen Führungspositionen übrigens mit Frauen besetzt, da sind wir vorbildlich.

Als Sie vor zehn Jahren antraten, hatte die Stadt 60 Millionen Euro Schulden, klingt nach einem Himmelfahrtskommando.

Es sind über 30 Millionen Euro Schulden abgebaut worden. Dauerverlustbringer wie das Pflegeheim und die Stadtmarketing GmbH sind reduziert worden. Durch die Neuordnung des Öffentlichen Nahverkehrs im Kreis müssen wir jetzt rund 550 000 Euro für den Stadtbus nicht mehr bezahlen.

Im August werden Sie 67. Ihre Amtsperiode dauert bis zum 3. Juni 2021. Wie geht es danach weiter?

Ich werde spätestens neun Monate vorher bekanntgeben, ob ich noch einmal antrete. Ich bin noch fit, motiviert, meine Frau Angelika ist sehr tolerant. Es gab Bundeskanzler und Bundespräsidenten, die wurden erst jenseits der 70 gewählt. Am 3. Juni 2021 bin ich samt meiner Amtszeit in Gettorf 30 Jahre lang Bürgermeister. Schon jetzt bin ich unter den hauptamtlichen aktiven Bürgermeistern in Schleswig-Holstein derjenige mit der längsten Amtszeit.

Und das bringt immer noch Spaß?

Ja klar, das ist aber keine Vergnügungsreise, es wird immer Rückschläge geben, die man gar nicht selbst beeinflussen kann. Kommunalverwaltung ist die direkte Nähe zum Bürger, ich genieße das. Aber es ist nur ein Teil meiner Arbeitszeit. Die Schriftstücke in der digitalen Welt werden auch nicht kürzer, im Gegenteil.

Szenen aus zehn Jahren Amtszeit

Sie waren drei Wahlperioden in Gettorf Bürgermeister, haben dort noch ihr Haus. Was haben Sie und Ihre Frau in zehn Jahren an Bad Segeberg liebgewonnen?

(Angelika Schönfeld antwortet hier) Den See. Nach den Sitzungen sind wir oft bei schönem Wetter noch um den Großen Segeberger See gegangen. Das war wie ein Traum, der See lag da wie ein Spiegel.

Dieter Schönfeld: Die Stadt hat viel zu bieten, ist sehr lebens- und liebenswert. Leider bekomme ich gerade jetzt aus weiten Teilen Deutschlands besorgte Mails von Urlaubern, die sich Sorgen machen, ob sie kommen können, weil hier der Klimanotstand ausgerufen wurde. Wir schicken ihnen die guten Luft-Werte unserer Stadt, damit niemand wegbleiben muss. Es ist schön hier – auch wenn es noch einiges zu optimieren ist.

Optimieren. . . Was haben sie sich noch für die Wahlperiode vorgenommen?

Ziel bleibt die Schaffung von bezahlbaren Wohnraum, auch von hochwertigem Wohnraum für Besserverdienende. Da bin ich frei von Neid. Wer in eine hochwertige Wohnung zieht, macht dafür eine andere frei. Wir sind dabei, in Partnerschaft mit der Wankendorfer Baugenossenschaft neben dem Pflegeheim in Christiansfelde neuen Wohnraum zu schaffen. Das klassische Einfamilienhaus können die meisten nicht mehr bauen oder wollen es nicht mehr. Ich wünsche mir, dass es in der folgenden Wahlperiode stufenweise gelingt, die ERP-Häuser ab 2023 zu entmieten, abzureißen und durch neue normgerechte Wohnungen zu ersetzen.

Ist Ihr Ziel von 20 000 Einwohnern noch zu erreichen?

Wir haben jetzt 17 300 Einwohner, ich bin nach wie vor der Meinung, dass Bad Segeberg als Kreisstadt alles daran setzen muss, 20 000 Einwohner zu erreichen. Das wird aber leider auch bis zum Ende der nächsten Wahlperiode kaum zu erreichen sein. Entweder müssen die städtische Angebote reduziert werden, oder wir müssen diese Einwohnerzahl erreichen. Ein Wachstum von 200 bis 300 Einwohner pro Jahr ist möglich. Dazu müssen wir bezahlbaren Wohnraum anbieten, erstklassige Betreuung und Beschulung von Kindern ist ja schon vorhanden.

Ergibt es da nicht Sinn, den einen oder anderen Nachbarort einzugemeinden? Davon würden doch alle profitieren.

Dazu ist die Zeit nicht reif. Ich habe mit Klein Rönnau einen Vertrag gemacht, dass diese aus dem Wohnraum-Kontingent von Bad Segeberg eine wunderbare neue Siedlung bauen können. Die Bürger aus Klein Rönnau kaufen hier in Bad Segeberg ein, geben ihre Kinder auf Bad Segeberger Schulen.

 

Seit Jahrzehnten wird an der A 20 geplant. Wird die Südumgehung jemals kommen?

Die neue Zielmarke mit einer Fertigstellung 2029 ist enttäuschend. Aber ich warne davor, jetzt mit einer ganz neuen Linienführung der A 20 anzufangen. Dann hat man dieses Projekt endgültig kaputt gemacht.

Was war der absolute Tiefpunkt ihrer Amtszeit, was der Höhepunkt?

Einen Tiefpunkt kann ich gar nicht nennen, Highlights sind für mich immer wieder die erfolgreichen Karl-May-Spiele. Auch die viermalige Beratung und die gute Entscheidung für die neue Seepromenade ist so ein Höhepunkt meiner bisherigen Amtszeit. Ich freue mich sehr, dass das gelungen ist. Sonst waren die zehn Jahre in Bad Segeberg von Sanierung und wirtschaftlicher Neustrukturierung begleitet. Wer beim Geld ausgeben Nein sagen muss, und beim Bürger hohe Abgaben fordert, dessen Popularität wird nicht zunehmen. Trotzdem spüre ich Akzeptanz bei den Bad Segebergern. Für jeden der gute Onkel zu sein, der Geschenke verteilt, das darf man sich als Verwaltungschef nicht erlauben.

Bewertungsunterschiede beim Angiften

Dieter Schönfeld (SPD), geboren am 7. August 1952 in Salzhemmendorf, ist „ein Arbeitstier“. Urlaub kennt er kaum, ist immer erreichbar. Nur wenige Monate verlebte Dieter Schönfeld nach seiner Bürgermeisterzeit in Gettorf als Ruheständler. Dann zog es ihn nach Bad Segeberg, wo er das Stadt-Motto „Wenn Du glaubst, alles zu kennen!“ auch gerne bei grotesken Situationen zitiert. Der Mann, der gerne von „Bewertungsunterschieden“ spricht, wenn sich Politiker angiften, ist seit 1978 verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter.

Wolfgang Glombik

Mehrere Tausend Menschen waren unterwegs, als Trappenkamp am Sonnabend bei bestem Sommerwetter zum Straßenfest mit Jahrmarkt, Seifenkistenrennen und Live-Musik eingeladen hatte.

03.06.2019

Nur ein Jahr nach Umleitung der Trave in ihr altes Flussbett östlich von Bad Oldesloe präsentieren der Gewässerverband und der Nabu erste Erfolge.

03.06.2019

„Hospiz und Schule“: Drei Tage lang setzten sich Jungen und Mädchen der Schule am Seminarweg in Bad Segeberg mit Werden und Vergehen, Sterben und Trauer auseinander. Ein Projekt des Hospizvereins.

03.06.2019