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Segeberg Bürgermeisterwahl gescheitert
Lokales Segeberg Bürgermeisterwahl gescheitert
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20:10 19.06.2013
Von Nadine Materne
„Ich hatte Magenschmerzen bei der Belegschaft der ABR.“ Uwe Helm, parteilos, ist aus der SPD ausgetreten
Rickling

Einen denkbar schlechten Start hat die neue Gemeindevertretung in Rickling — die faktisch noch keine ist — hingelegt. Die konstituierende Sitzung am Dienstagabend musste abgebrochen werden, da die Bürgermeisterwahl in einem kuriosen Patt endete: Der einzige vorgeschlagene Kandidat, der amtierende Bürgermeister Carl-Heinz Jantzen von der CDU-Fraktion, konnte in zwei Wahlgängen nicht die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinen. „In diesem Fall wird die Sitzung abgebrochen und später wiederholt“, erklärte der Leitende Verwaltungsbeamte des Amtes Boostedt-Rickling, Sven Plucas, den gut 100 Zuhörern im Saal. Das Szenario wurde von SPD und der Wählergemeinschaft ABR (Aktive Bürger Rickling) herbeigeführt, die ihren Kandidaten bewusst zurückgehalten hatten.

Was ist los in Rickling? Eigentlich war man sich einig. ABR und SPD hatten bei der Kommunalwahl insgesamt zehn der 18 Mandate erworben und wollten zusammenarbeiten. Sie hatten quasi eine historische Chance, in Rickling die Dominanz der CDU zu durchbrechen. In einer Fraktionssitzung vergangene Woche hätten die vier SPD-Vertreter geschlossen für die Unterstützung des ABR-Bürgermeisterkandidaten Christian Thomann gestimmt, berichtete Fraktionsvorsitzende Andrea Wagner-Schöttke. Doch am Freitag kam ihr eine Stimme abhanden: Uwe Helm trat aus der Partei aus, erklärte seine Unterstützung für den CDU-Kandidaten und löste damit eine Pattsituation aus.

„Wir bekommen wohl einen Bürgermeister aus dem Hut“, sagte Andrea Wagner-Schöttke noch vor der Sitzung. Eine Finte, wie sie später zugab: In aller Heimlichkeit hatten ABR und SPD einen Plan ausgeheckt, der alle in Erstaunen versetzte. Als es darum ging, einen Gegenkandidaten für Jantzen vorzuschlagen, schwiegen die Beteiligten und ließen die CDU auflaufen. In jeweils zwei geheimen Wahlgängen erhielt Jantzen neun der 18 Stimmen — nicht genug. Die Sitzung war damit vorzeitig beendet.

Demonstrativ verließ die CDU den Saal, als ABR-Sprecher Manfred Czub das Wort an die Zuhörer ergriff, um das Manöver zu erklären, das einen zu erwartenden Losentscheid zu diesem Zeitpunkt verhindern sollte. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass CDU-Mitglieder im Vorfeld versucht hätten, SPD-Mandatsträger abzuwerben, „erscheint uns heute eine Losentscheidung als schlechter politischer Stil“.

Durch die Vertagung der Sitzung hätten nun alle Verantwortlichen Zeit, ihre Positionen zu überdenken, so Czub. Von Abwerbeversuchen bei der SPD will der amtierende Bürgermeister Carl-Heinz Jantzen, der den schwarzen Peter zurückgab, nichts gewusst haben: „Eine Bürgermeisterwahl zu boykottieren, das ist schlechter Stil.“

Besonders einer soll wohl Zeit zum Nachdenken bekommen: Uwe Helm, der „Abtrünnige“, wie man ihn bei der SPD nennt. „Moralisch richtig wäre es, wenn er sein Mandat abgeben würde“, sagte Andrea Wagner-Schöttke. Nur über die Liste war Helm in den Gemeinderat gekommen. Er begründete seinen Austritt mit internen Reibereien. Abweichende Meinungen würden nicht akzeptiert. Und: „Ich habe Magenschmerzen bei der Belegschaft der ABR bekommen“, sagte Helm. Was am Wahlabend geschehen ist, habe er jedoch nicht gewollt. „Ich muss darüber schlafen, ob ich mein Mandat doch abgeben werde.“

Hans-Günter Piechotta geht nach 28 Jahren
Die neuen Gemeindevertreter in Rickling konnten am Dienstag wegen des Abbruchs der Sitzung nicht mehr verpflichtet werden. Aber die ausgeschiedenen wurden verabschiedet: Hans-Günter Piechotta verlässt die Gemeindevertretung nach 28 Jahren, außerdem Evelyn Kakkuri, Ute Steinau, Roland Skrebbas, Lothar Scheschonka und Lutz Schiering.
Der lokale Internet-Sender Rickel-TV von Rainer Korn war mit einem Kamerateam bei der Sitzung am Dienstag in Rickling dabei und hat eine Sondersendung zur „versuchten Bürgermeisterwahl“ ins Netz gestellt: www.rickel-tv.com

Nadine Materne

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