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Segeberg Bürgervorsteherin fordert Politiker zur mehr Respekt auf
Lokales Segeberg Bürgervorsteherin fordert Politiker zur mehr Respekt auf
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21:00 27.03.2019
Bürgervorsteherin Monika Saggau (CDU) musste in der Stadtvertretung eine Standpauke halten. Quelle: Petra Dreu
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Bad Segeberg

Fasten und Büßen ist jetzt das christliche Motto. So war es denn am Dienstag wie ein Großreinemachen bei der letzten Bad Segeberger Stadtvertretersitzung vor Ostern. Bürgervorsteherin Monika Saggau forderte die Stadtpolitiker auf, mehr Respekt zu zeigen. Es gab eine Entschuldigung des kritisierten Bauausschussvorsitzenden Wolfgang Tödt (BBS). Aber auch die Außenansicht Bad Segebergs war Thema im Bürgersaal. Einige Politiker und auch Bürger zeigten sich erschüttert, wie sich die Stadt in diesem Frühjahr ihren Gästen mit kaputten Laternen, Bauzäunen am brüchigen Seeufer und herumfliegenden gelben Säcken an Wochenenden präsentiere.

Aber zuerst ging es um das menschliche Miteinander. In der jüngsten Bauausschusssitzung war Wolfgang Tödt gegen Bauamtsleiterin Antje Langethal mit seinem „inquisitorischen Fragestil“ über das Ziel hinausgeschossen. Es gab einen heftigen Disput. „Ich lasse mir nicht unterstellen, dass ich wider besseren Wissens arbeite. Ist das der richtige Umgang mit der Verwaltung?“, hatte sich Langethal, sichtlich erschüttert, in der Sitzung (wir berichteten) gewehrt.

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Blitzaktion für Fördergelder

Das gibt es nur im Ausnahmefall! Während die Stadtvertretersitzung noch am Laufen war, rotierten im Bauamt die Druckmaschinen. So schnell hat man Amtsleiterin Antje Langethal noch nicht aus dem Bürgersaal rennen sehen, um kurz vor Ende der Sitzung in letzter Sekunde den Politikern das druckfrische Konzept zur Abstimmung vorzulegen. Es ging um das erweiterte energetische Quartierskonzept Südstadt. Hier musste noch das Bad Segeberger Hallenbad von Experten eingearbeitet werden. Grund: Kurzfristig hatte sich herausgestellt, dass nun doch weitere Fördermittel für die anstehende millionenteure Sanierung der Schwimmhalle in Aussicht stehen. Es geht hier um massive Förderung von Energieeinsparungen, die ja auch bei der Sanierung der Halle eine Rolle spielen. „Die Grundlage, um einen Antrag stellen zu dürfen, ist die Darstellung der Maßnahmen aus einem Energiesparkonzept. Wir versuchen hier noch einen erfolgreichen Antrag zu stellen“, erklärte Langethal. Dämmungsmaßnahmen an Dach, Fassade und Becken könnten zu erheblichen Energieeinsparungen führen. Auch bei der neuen Lüftungstechnik. Trotz der Blitzaktion stimmten die Stadtvertreter dem Antrag zu. wgl  

Das Ganze war auch Thema im Ältestenrat gewesen. Bürgervorsteherin Monika Saggau las dazu eine Entschuldigung von Wolfgang Tödt vor. „Der Heftigkeit der geführten Diskussion schuldend, muss ich einräumen, dass ich mich in Wortwahl und Tonfall gegenüber Frau Langethal vergriffen habe. Dies bitte ich zu entschuldigen. Dies war in diesem Fall nicht angemessen, und ich hoffe, Sie können die Entschuldigung annehmen.“

Mahnung an die Stadtvertreter

Vorangegangen war eine „Gardinenpredigt“ von Bürgervorsteherin Monika Saggau (CDU), an die Politikerrunde, gemäßigt im Ton, klar in der Sache: „Mittlerweile gehört es in unserer Gesellschaft ja fast zum guten Ton, sich gegenseitig zu beleidigen, aber wollen wir das für uns hier übernehmen?“ fragte Saggau in die Runde. „Wir haben doch eine Verantwortung und eine Vorbildstellung als Politiker.“ Schon in der vorangegangenen Stadtvertretersitzung hatte sie Toleranz angemahnt. Sie bezweifle, dass „Schlammschlachten“ auszutragen, zielführend sei. Saggau: „Ich finde, wir sollten sprachlich die richtige Balance finden und uns nicht auf das Niveau von Populisten begeben.“ Sie wisse, dass alle Fraktionen Bad Segeberg nach vorne bringen möchten, nur auf unterschiedliche Weise.

Bad Segebergs Aushängeschild im desolaten Zustand

Jochim Hollmann (Grüne) beschwerte sich über das Bild, dass Bad Segeberg bei Auswärtigen hinterlasse. Auf dem Seeweg nahe der Bootsvermietung würden schon seit Monaten umgetretene Lampen und mit Plastiktüten notdürftig abgedeckte Stromkabel herumliegen. Er frage sich auch, warum das südliche Ufer am Schärengarten mit Bauzäunen gesichert werden müsse. „Da gehen Kurgäste und Touristen lang.“ Auch im Kurpark sehe er nur „umgetretene Lampen“. Hollmann: „Wenn ich mir vorstelle, was wir hier bei Auswärtigen für einen Eindruck hinterlassen.“ Antje Langethal verwies darauf, dass man den Uferbereich sichern müsse, weil hier Gefahren lauerten, solange nicht die Gewährleistung zwischen den betroffenen Firmen wegen der abbrechenden Uferkante geklärt sie. Wolfgang Tödt empfahl, den Weg dort ähnlich wie auf Nordseeinseln „aufzustelzen“. „Wir stellen an dieser Stelle immer wieder fest, dass der See sich seinen Raum sucht.“ Warum gebe man ihm dafür an dieser exponierten Stelle nicht den Platz?

Wolfgang Glombik