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Segeberg Bunt, laut und friedlich: Großdemo gegen Rechts in Bad Segeberg
Lokales Segeberg Bunt, laut und friedlich: Großdemo gegen Rechts in Bad Segeberg
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21:50 09.11.2019
Der Demonstrationszug erreicht die Bahnhofstraße, vorne mit dabei: Edda Lessing (SPD), Kreispräsident Claus Peter Dieck, Arne Hansen (Grüne), Ismek Bin Sumait Wardah, Monika Saggau (v. r.) und andere. Quelle: Heike Hiltrop
Bad Segeberg

Das war ein deutliches Zeichen gegen Ausgrenzung, Hass und Fremdenfeindlichkeit: Mit bunten Fahnen, Musik und markigen Sprüchen auf Pappschildern: Hunderte waren am Sonnabend dem Aufruf der Initiative „Segeberg bleibt bunt“ zur Demonstration für Demokratie, Toleranz und Menschenrechte gefolgt.

Ein Rechter in Gewahrsam genommen

Rund 1500 Menschen, so die nach oben korrigierte offizielle Schätzung der Polizei, die mit 500 Kräften im Einsatz war, seien „in der Spitze“ friedlich durch die Stadt gezogen. Die Initiatoren sprechen dagegen von knapp 3000 Demonstrationsteilnehmern. Elf Platzverweise gegen Personen aus dem rechten Spektrum sprachen die Ordnungskräfte aus. Ein Mann wurde in Gewahrsam genommen, weil er sich nicht an den Platzverweis gehalten hatte.

12 Uhr: Die Beschicker vom Wochenmarkt machen auf Anraten der Ordnungsbehörde früher Feierabend. Am Volksbank-Brunnen wird eine mobile Bühne in Position geschoben. Musik begrüßt die ersten Demonstrationsteilnehmer. In den Geschäften ist man gelassen: „Aber manche Kunden sorgen sich, wollen schnell wieder aus der Innenstadt“, sagt Verkäuferin Sazimet Engin.

12.30 Uhr:In welche Richtung man in die Hamburger- und die Kirchstraße auch blickt, überall drängten sich die Menschen. Friedens- und Klima-Aktivisten, Migranten, Politiker, Moslems, Christen, Juden, Konfessionslose. Die älteste Teilnehmerin ist die 102-jährige Lisa Schirmer, der jüngste wird im Kinderwagen geschoben.

13.09 Uhr: Mit einer Performance der Organisation „Extinction Rebellion“ aus dem Wendland startet die Kundgebung. Liedermacher Konstantin Wecker sendet solidarische Grüße. Walter Blender von der jüdischen Gemeinde dankt den Leuten dafür, dass sie „von ihrem Grundrecht Gebrauch machen, auf die Straße zu gehen“ und „Gesicht zeigen“.

Für Demokratie und Toleranz in Bad Segeberg

Ismek Bin Suimait Wardah, eine junge Frau aus dem Jemen spricht auf Arabisch vom Frieden. Propst Daniel Havemann berichtet von seiner DDR-Vergangenheit und wie er nach der Wende mit offenen Armen empfangen worden sei. „Braun haben wir gehabt. Wer Angst schürt, steuert unser Land in eine Diktatur. Wir sind heute hier, weil wir das nie wieder haben wollen.“

13.43 Uhr:Der Demonstrationszug setzt sich Richtung Möbel Kraft in Bewegung. Er ist so lang, dass die ersten dort ankommen, während die letzten noch am Ausgangspunkt stehen. Ein paar Männer, die der Polizei aus der rechten Szene bekannt sind, werden von den Ordnungskräften friedlich aber bestimmt abgeschirmt.

14.26 Uhr: Die Polizei sichert einige Häuserblocks an der Theodor-Storm-Straße ab, dort, wo ein stadtbekannter Rechter wohnen soll. Es kommt zur Zwischenkundgebung in der Südstadt, wo Pastorin Elke Hoffmann über die Solidarität zu denjenigen spricht, die von Neonazis eingeschüchtert werden.

15.25 Uhr:Über die Bahnhofs- und die Oldesloer Straße zieht der Menschentross Richtung Marktplatz. Die Abschlusskundgebung dort fällt kurz aus. Alles ist ruhig und friedlich geblieben. Um etwa 16.20 Uhr ist alles vorbei. „Das war großartig. Ein gelungenes, breites Signal an Zivilcourage“, fasst eine der Initiatorinnen, die aus Sicherheitsgründen nicht genannt werden will, zusammen.

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Von Petra Dreu und Heike Hiltrop

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