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Segeberg Bunte Bushäuschen gegen Ausgrenzung
Lokales Segeberg Bunte Bushäuschen gegen Ausgrenzung
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20:10 06.07.2018
Schule gegen Rassismus an der Schule am Burgfeld: Farbenfroh gestaltete die Gruppe um Lina Blunck (r.) und Louisa Wacker das Buswartehäuschen.
Schule gegen Rassismus an der Schule am Burgfeld: Farbenfroh gestaltete die Gruppe um Lina Blunck (r.) und Louisa Wacker das Buswartehäuschen.
Bad Segeberg

Um den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ tragen zu dürfen, müssen Schulen immer wieder unter Beweis stellen, dass er ihnen zu Recht verliehen worden ist. Denn er ist so etwas wie ein „Gütesiegel“ geworden, ein Zeichen dafür, dass sich die Schule gegen jede Art von Ausgrenzung stark macht, für ein gemeinsames Miteinander steht und dass Schüler, Lehrer, Schulsekretärinnen, Hausmeister und Reinigungskräfte gleichermaßen den Mut haben, Missstände anzuprangern und Abhilfe zu schaffen.

Ein sichtbares Zeichen gegen Rassismus haben in dieser Woche die Schüler der Klasse 9d der Schule am Burgfeld gesetzt: Mit Farbe und kreativen Ideen haben sie die dunklen Buswartehäuschen am Schul-Zob in freundliche Wartezonen für Schüler aller Nationen verwandelt.

Seit der Verleihung des Titels haben die Mädchen und Jungen der Schule am Burgfeld schon mehrere Aktionen gestartet. Besonders hervorgetan haben sich in diesem Jahr die Schüler der Klasse 9d, die zuerst mit Armbändern, die den Aufdruck „United Tolerance“ tragen, ihre Kreativität unter Beweis gestellt haben. In der Projektwoche vor den Sommerferien haben sie noch einmal eine Schippe draufgelegt und den bislang ziemlich düster aussehenden Buswartehäuschen ein neues und wesentlich freundlicheres „Outfit“ verpasst.

Gemeinsam mit ihrer Lehrerin Kerstin Brosien, die das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ an der Schule am Burgfeld koordiniert, haben die 27 Neuntklässler Entwürfe gemacht und sind losgezogen, um eimerweise Farbe zu kaufen. Die Kosten dafür will die Stadt als Schulträger übernehmen, schließlich tragen die Schüler mit ihrer Aktion nicht nur zur Verschönerung, sondern auch zum Erhalt der Buswartehäuschen bei.

„Wir wollten Sinn und Zweck des Projektes sichtbar machen und mehr in den Vordergrund rücken“, erzählt Lina Blunck, die inzwischen stolz vor „ihrem“ Buswartehäuschen steht, für das sie und Louisa Wacker die Verantwortung trugen. Wie auch die anderen Holzhäuschen wurde ihres innen und außen zuerst weiß gestrichen. Dann begannen die individuellen Feinheiten. Der Unterstand, für den Lina, Louisa und weitere Mitschüler zuständig waren, wurde auf der Außenseite mit bunten Strichmännchen verziert, innen sind es kunterbunte Farbspritzer, die die Vielfalt der Menschen symbolisieren.

In dicken Lettern hat Lisa Wrobel ein Zitat des 1994 gestorbenen Nirvana-Sängers Kurt Cobain an die Seitenwand gemalt. „Ihr lacht über mich, weil ich anders bin. Ich lache über euch, weil ihr alle gleich seid“, lautet das Zitat, mit dem die Schüler unter anderem verdeutlichen möchten, wie schmal der Grat der Ausgrenzung sein kann. Das dritte Buswartehäuschen trägt bereits von Weitem sichtbar das Logo des Projektes „Schule ohne Rassismus“. Innen haben sich viele Schüler, darunter auch Kevin (13), Ayhan und Marijo (beide 11) aus der DaZ-Klasse (Deutsch als Zweitsprache), mit bunten Handabdrücken verewigt.

Vier Tage dauerten die Arbeiten an dem Werk, das viel Farbe in den Schulalltag bringt. Im Gegensatz zu vorherigen Düsternis laden die hellen Holzunterstände jetzt geradezu zum Platznehmen ein. Louisa Wacker: „Darüber hinaus hat es auch noch richtig viel Spaß gemacht.“

Armbänder für Toleranz

Ein weiteres Projekt der Klasse 9d sind Festival-Armbänder, die die Schüler selbst gestaltet haben. „United Tolerance“ steht in Regenbogenfarben auf den schwarzen Armbändern geschrieben. 500 Stück haben sie davon anfertigen lassen, die nach den Sommerferien für 1,50 Euro pro Stück zu haben sein werden. Nach Abzug der Kosten wollen die künftigen Zehntklässler den Überschuss dem Projekt „Schule ohne Rassismus“ spenden. FOTO: DREU

2400 Schulen sind inzwischen dabei

Die Idee für eine „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" wurde 1988 von Schülern und Jugendarbeitern in Belgien entwickelt. Ihre Intention: Sie wollten praktisch etwas für eine offene Auseinandersetzung mit Diskriminierung aller Art tun. Das Projekt kam gut an. Inzwischen beteiligen sich hunderttausende Schüler in Belgien, den Niederlanden, Österreich, Spanien und Deutschland an dem Projekt. Bundesweit wurden bereits mehr als 2400 Schulen mit dem Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ausgezeichnet. Unterstützt wird das Projekt mittlerweile von vielen Prominenten und Politikern, zu denen unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gehört. Die Schule am Burgfeld bekam den Titel während einer Schulveranstaltung am 16. Juli 2015.

Prominenter Gast war dabei der Sänger und Liedermacher Pohlmann, dessen größter Hit „Wenn jetzt Sommer wär‘“ immer noch in den Radiosendern rauf und runter gespielt wird, sobald eine Wolke den Himmel verdüstert.pd

Petra Dreu