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Segeberg Buntes Dorfleben — einst in Schwarz-Weiß
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23:19 21.07.2014
Die ehemalige Meierei war seinerzeit die größte in Schleswig-Holstein. Als sie 1975 schloss, war es ein harter Schlag für Wakendorf I. 50 Männer und Frauen verloren damals ihren Arbeitsplatz. Quelle: Fotos: privat/hfr (5)/Kronlage (1)
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Wakendorf I

Es ist ein kleines Dorf, rund 450 Einwohner, 120 Häuser, eine Feuerwehr und einige Vereinen. Und doch blickt Wakendorf I auf eine über 800-jährige Geschichte zurück, genau gesagt, auf 864 Jahre. „Es wurde 1249 erstmals urkundlich erwähnt“, sagt Günther Meynerts. Entstanden sei der Ort vermutlich schon um 1150. Der 82-Jährige hat die Geschichte seines Heimatortes im Kopf. Ebenso wie Bürgermeister Kurt Böttger (67). Haben sie doch in den zurückliegenden fünf Jahren gemeinsam an einer Chronik über Wakendorf I gearbeitet, unterstützt von Ingrid Colberg, Jürgen Meynerts und Dr. Dieter Bohn (Fotos), ebenso vom Arbeitskreis Geschichte des Amtes Trave-Land. Für das Layout war Hans Rahlf zuständig.

„Die Arbeit an der Chronik war sehr schwierig, denn wir haben mitunter keine Rückmeldungen bekommen“, sagt Böttger. Damit meint er die Angaben von Landwirten zur Höfeentwicklung. Allgemeines war zwar bekannt, doch jeder Hof hat ein Eigenleben, eine Familie, die ihn trägt und bewirtschaftet. Diese speziellen Details lassen eine Chronik leben. „Bis auf einen haben wir alle Höfe erfasst“, sagt Meynerts. Nur ein Landwirt bestand darauf, nicht mit Namen und Foto zu erscheinen. „Ein anderer wollte nicht, dass seine Frau erwähnt wird“, schiebt Böttger ein und schmunzelt.

„Am Anfang haben wir erst einmal alles mögliche gesammelt“, erinnert sich Meynerts. Dabei konnte sich die Arbeitsgruppe auf die erste Chronik für Wakendorf I stützen. Das 138 Seiten umfassende Buch — etwas kleiner als der Nachfolger und mit Schwarz-Weiß-Fotos illustriert — wurde 1982 von Christian Meynerts, dem Vater von Günther, in der konstituierenden Sitzung der Gemeindevertretung vorgelegt.

Die jetzt überarbeitete und erweiterte Chronik reicht bis 2013, hat ein etwas größeres Format und viele farbige und schwarz-weiße Fotos. „Das Foto auf dem Titel zeigt die Hauptstraße“, sagt Meynerts.

Erste Bürgermeisterin

in Wakendorf

Ob Dorf- oder Siedlungsgeschichte, Handel, Gewerbe und Dienstleistungen, Kommunales, Dorfgemeinschaft: Es gibt nichts, was die Chronik nicht enthält. Zu den besonderen Ereignissen der letzten Jahrzehnte gehört zweifellos die 750-Jahr-Feier in 1999. Davon sprechen heute noch viele.

Und Bürgermeister Kurt Böttger gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er von jenen denkwürdigen vier Tagen spricht. Die große Überraschung der Jubiläumsfeier aber war, dass Günther Meynerts zum Ehrenbürger ernannt wurde. Der zweite der Gemeinde; der erste ist sein Vater.

Natürlich wird auch festgehalten, dass Wakendorf I den ersten weiblichen Bürgermeister Schleswig-Holsteins stellte: Else Burmeister (SPD) wurde am 6. Januar 1949 als Nachfolger des wegen Verfehlungen seines Amtes enthobenen Bürgermeisters W. Harder gewählt. Doch bereits am 3. Februar stellte die CDU-Fraktion einen Misstrauensantrag gegen Else Burmeister. Die Fraktion meinte, dass eine ländliche Gemeinde auch einen Bauern an der Spitze brauchte. Am 4. Februar legte die Bürgermeisterin ihr Amt nieder, gefolgt von August Möller, der es bis 1982 (!) inne hatte.

Eine Polizeistation gab es ebenfalls, sie wurde 1919 eingerichtet und 1975 wieder aufgelöst, beziehungsweise mit Geschendorf zusammengelegt. Erster Beamter (bis 1934) war Obermeister Eduard Jeschewski.

Es gibt einen Bahnhof, einen Sport- und einen Landfrauenverein, die Wakendorfer Spaasmakers, das DRK, Jäger, Fischer und vor allem die Freiwillige Feuerwehr. Doch es gibt keine Schule mehr — die letzten Schüler wurden 1974 verabschiedet— und auch keinen Edeka-Laden.

Der wurde, wie berichtet, 2013 geschlossen, weil sich der Pächter beruflich neu orientierte. Hauseigentümer Günther Meynerts sucht seitdem einen Nachfolger.

Die Chronik soll am 22. August vorgestellt werden. Das nächste Ziel ist ein kleines Museum. „Im ehemaligen Spritzenhaus“, sagt Kurt Böttger, Bürgermeister seit 1994. Es steht etwa 30 Meter von seinem Hof entfernt. Tritt er aus der hinteren Tür, blickt er auf einen zugemauerten Eingang am Spritzenhaus. „Der führte in das Gefängnis“, sagt er und lacht. Besser: in die Ausnüchterungszelle. Die will er auch wieder zugänglich machen. Und ein paar Stücke für das Museum hat er auch schon, unter anderem einen Tragkraftspritzenanhänger. Dafür sammelt Böttger Spenden; rund 400 Euro hat er schon zusammen, 1000 hat der Anhänger gekostet. Kurt Böttgers Wunsch: das Museum kostenneutral für die Gemeinde her- und einzurichten.

„Das nächste Ziel ist ein kleines Museum.“
Kurt Böttger, Bürgermeister
Die Chronik wird am Freitag, 22. August, von 19.30 Uhr an, im Gasthof „Utspann“ vorgestellt. Die Veranstaltung ist nicht öffentlich, sondern als Dank für die Beteiligten gedacht.

Wer aber eine Chronik kaufen will (30 Euro), kann sich bei Günther Meynerts, Telefon 0 45 50/10 77, oder Kurt Böttger, Telefon 0 45 50/342, anmelden und bei der Präsentation und dem Essen dabei sein.

Ursula Kronlage

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