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Segeberg „Burgfelde“: Ein historischer Fehler
Lokales Segeberg „Burgfelde“: Ein historischer Fehler
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20:10 26.03.2018
Überall „Burgfelde“ statt „Burfelde“: Ein historischer Fehler verbreitet sich in der Bad Segeberger Südstadt wie ein Virus.
Überall „Burgfelde“ statt „Burfelde“: Ein historischer Fehler verbreitet sich in der Bad Segeberger Südstadt wie ein Virus. Quelle: Fotos: Glombik
Bad Segeberg

Wahrscheinlich werde man bald die ganze Südstadt auf den Fake-Namen „Burgfelde“ taufen, wird schon geunkt. Wer seit Jahrzehnten an der Burgfeldstraße wohnt, den wird es überraschen, dass er seine namentlich schöne Adresse wahrscheinlich einem tüdeligen preußischen Beamten zu verdanken hat, der Anfang des vorigen Jahrhunderts die niederdeutsche Bezeichnung ins Hochdeutsche übertrug. Und zwar fehlerhaft. Dabei rutschte dem Staatsdiener, so vermutet es Hoffmann, in die niederdeutsche Bezeichnung „Bur-felde“ ein „g“ hinein. Denn „Bauernfeldt“ ist der ursprüngliche Flurname für die Gegend.

„Burgfeldstraße“, „Schule am Burgfeld“, „Wohngebiet Burgfelde“, „Gewerbegebiet Burgfelde“. Alles umbenennen? Bernd Hoffmann kam schon vor Jahren dem Fehler bei der Straßenbenennung auf die Spur. Doch der Segeberger „Burg“-Murks ist immer schlimmer geworden.

Im Umfeld des früheren Hof Meins seien sicher drei Jahrhunderte oder länger Kulturland gewesen. Eine Burg gab’s dort nie, auch wenn die Obrigkeit es so vorschrieb. Sicher sei auch, dass die Siegesburg am Kalkberg nichts mit dem Namen zu tun habe, so Hoffmann. Der 81-jährige frühere Abteilungsleiter im Katasteramt hatte schon 2004 die Stadt gewarnt, den Namen „Burgfelde“ für das Baugebiet zu verwenden. Doch vergebens. Warum hat man es nicht „Burfelde“ genannt? Bei der Stadtverwaltung stieß Hoffmann auch als damaliger Bauausschussvorsitzender auf taube Ohren. „Es sind zu viel Zugereiste in Bad Segeberg“, seufzt er. „Burgfelde hört sich doch schöner an“, hieß es aus dem Bauamt. Besser als „Burfelde“.

Inzwischen hat der „Burg-Virus“ die ganze Südstadt erfasst. Es gibt nicht mehr nur die Burgfeldstraße, sondern ein Wohngebiet, ein Gewerbegebiet und nicht zuletzt die Gemeinschaftsschule mit Oberstufe, die diesen edlen Namen tragen. „Schule am Burgfeld“, lästert Hoffmann, „weder stand dort eine Burg, noch ist der Blick auf eine solche möglich.“ Ist das der richtige Name für eine Schule, in der Wissen, Wahrheit und vielleicht auch Geschichtsverständnis gelehrt werden sollen?

Schulleiter Rüdiger Nelson steht zum Burg-Namen, kann sich aber vorstellen, das Thema im Projektunterricht zu untersuchen. Wenn der Name der Schule auf falschen historischen Grundlagen beruhe, müsse das natürlich im Unterricht aufgearbeitet werden, sagte er auf Nachfrage der Lübecker Nachrichten. Vor wenigen Jahren war der Schulname aus mehreren Vorschlägen ausgewählt worden. Inhaltlich habe man sich mit dem Namen der Schule noch nicht auseinandergesetzt. „Wir werden das kritisch prüfen, aber den Namen der Schule werden wir nicht mehr ändern“, stellt Nelson klar.

„Verwunderlich“ ist für Hoffmann, dass weder Stadtplaner noch Verwaltung sich über die geschichtlichen Zusammenhänge Gedanken gemacht haben. „Das war früher anders.“ Da bezog man sich, schon um die alten Bezeichnungen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, auf die Flurnamen und deren Bedeutung. „Glindenberg“ zum Beispiel bezieht sich auf „Glin“, eine Umzäunung, in der das Vieh eingepfercht wurde. Die Tegelkoppel bot extrem lehmigen Boden für die Ziegelherstellung, und Bornwischen verweist auf feuchten Boden, denn „Born“ heißt Quelle. Der Häuslebauer, der hier baute, wusste, worauf er sich einließ.

Am Havkamp-Ost soll bald ein neues Wohnbaugebiet entstehen. Nahe am Kuckucksbarg gab es nach den alten Flurkarten die sogenannte „Schinderkuhle“. „Das war die Abdeckerei, dahin kamen die toten Pferde“, weiß Hoffmann. Sicher werde die neue Wohnstraße dort nicht „An der Schinderkuhle“ benannt. Auch werde der Wege-Zweckverband sicher ungern seine Adresse Am Wasserwerk 4 ändern wollen – auch wenn es historisch absolut korrekt wäre. Denn auf der WZV-Anhöhe stand früher Segebergs Galgen. . .

Von Wolfgang Glombik