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Segeberg Cannabis-Unternehmer darf Hochsicherheitslager bauen
Lokales Segeberg Cannabis-Unternehmer darf Hochsicherheitslager bauen
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19:44 17.10.2018
Medizinisches Cannabis Quelle: Heike Hiltrop
Bad Bramstedt

Was für ein Zufall! Als erster Industriestaat weltweit legalisiert Kanada seit Mittwoch Cannabis und entzieht damit das Geschäft mit der Droge der organisierten Kriminalität. Und nun ist auch für Norddeutschland ein weiterer Schritt der Verbreitung von Cannabis zumindest für die medizinische Verwendung getan. Der Kreis Segeberg erteilte kürzlich dem Unternehmen Nuuvera Deutschland eine Baugenehmigung für Lagerung von Medizinalhanf in einer Halle im Bad Bramstedter Gewerbegebiet Nord, die früher von einer Klima- und Kältetechnikfirma genutzt wurde. Die Behörde habe am 6. September die Genehmigung erteilt, die Bundesopiumstelle sei beteiligt worden und habe keine Bedenken geäußert, so die Auskunft von der Kreisverwaltung. In dem künftigen Hochsicherheitstrakt für Betäubungsmittel soll das medizinische Cannabis tonnenweise aufbewahrt und von dort aus deutschlandweit zu Apotheken transportiert werden.

 Die Bauarbeiten dafür haben bereits begonnen, erklärt Hendrik Knopp, Geschäftsführer der Hamburger Niederlassung der kanadischen Firma Nuuvera auf LN-Nachfrage. In dem Lager können danach mehrere Tonnen Cannabis-Blüten und -Öle bei optimalen Klimabedingungen lagern. Die Menge reiche aus, „um ganz Deutschland zu versorgen“. Die Fertigstellung der Anlage erwartet Knopp im Januar 2019. Dann müsse die Anlage mit Stahlbetonbehälter und Tresortür noch von der zuständigen Behörde abgenommen werden. „Wir hoffen, dass wir spätestens ab April medizinisches Cannabis aus Kanada und Dänemark importieren können. In Dänemark errichten wir gerade mit unserem Partner Schroll eine Anlage zum Anbau von medizinischem Cannabis.“ Dort verfüge das Unternehmen bereits über eine Anbau-Erlaubnis. Deutschland sei da „nicht so innovativ“, hier dauere es wegen eines „sehr starren Verfahrens“ länger. Trotzdem versuche er weiter, in Deutschland eine Plantage genehmigt zu bekommen. In Neumünster habe seine Firma bereits einen Bauantrag für eine große Plantage mit mehreren tausend Quadratmetern eingereicht. „Wir warten jetzt auf eine Reaktion der Stadt.“ Geplant sei hier eine Forschungseinrichtung auch in Kooperation mit der Uni Kiel.

Das importierte Cannabis werde man dann an Großhändler und Apotheken zur Weitergabe an die Patienten vertreiben. Die Nachfrage nach medizinischem Cannabis steige konstant. Um die Patienten Versorgung sicher zu stellen, sei das Unternehmen in Deutschland auf Importe angewiesen.

Eine Cannabis-Pflanze blüht. Blüten und Öle sollen ab 2019 in Bad Bramstedt gelagert werden. Quelle: DPA

Die Stadt Bramstedt hat indes keine Probleme damit, künftig als „Cannabis-Hauptstadt des Nordens“ zu gelten. Es habe in Bad Bramstedt keinerlei Vorbehalte wegen das Vorhaben gegeben, berichtete Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach auf LN-Nachfrage. „Im Kreise der Bürgermeisterkollegen gab es schon das eine oder andere süffisante Grinsen, aber damit kann ich leben.“ Bei dem Unternehmen handele es sich um eine seriöse Firma, eine von den Aufsichtsbehörden genehmigte therapeutische medizinische Einrichtung. Und Bad Bramstedt verstehe sich ja als Gesundheitsstandort. „Wenn sich hier bei uns Unternehmen aus der der Medizinbranche ansiedeln, ist das doch erfreulich.“ Dass eines Tages auch der Anbau von Cannabis im Bad Bramstedter Gewerbegebiet legalisiert wird, glaubt Kütbach nicht. Für Cannabisplantagen würden wesentlich größere Flächen benötigt.

Cannabis auf Kassenrezept

Seit Anfang 2017 ist es gesetzlich erlaubt: Schwerkranke Patienten können in bestimmten Fällen Cannabis auf Kassenrezept erhalten, wenn sie zum Beispiel an chronischen Schmerzen, Nervenschmerzen, spastischen Schmerzen bei Multipler Sklerose oder an Rheuma leiden. Patienten ohne Therapie-Alternative erhalten auf ärztliche Verordnung hin getrocknete Cannabisblüten und Cannabisextrakte in kontrollierter Qualität in Apotheken auf Kosten der gesetzlichen Krankenkasse. Geplant ist auch staatlich kontrollierter Anbau in Deutschland. Bis dies gewährleistet ist, soll die Versorgung mit Medizinalhanf durch Importe erfolgen.

Vom Import aus Kanada bis zur Weitergabe an den Patienten sollte die Kühlkette möglichst konstant sein, so Knopp. Die Cannabis-Pflanze ist bei der Lagerung sehr empfindlich und braucht bestimmte Temperaturen und Luftfeuchtigkeit, um nicht zu verderben.

Die Sicherheitsanforderungen an Lager für derartige Betäubungsmittel sind hoch. Sicherheitsstufe 3. „Ähnlich wie bei einer Bank“, sagt Knopp. Mit Stahlbetonwänden, Erschütterungs- und Bewegungsmeldern, 24-Stunden-Überwachung und einem direkten Draht zur Polizei. Alle größeren Arzneimittelhändler benötigten solche Lager zur Sicherung ihrer Betäubungsmittel, so Knopp.

Fünf Tonnen Hanfpflanzen könnten in Bad Bramstedt gelagert werden. Derzeit plant Nuuvera mit dem Import und Vertrieb von „mindestens einer Tonne“ pro Jahr, sagt Knopp. Das hänge von der Entwicklung der Patientenzahlen ab. Vor 2016 habe es 1000 registrierte Patienten gegeben, die mit Sondergenehmigung Cannabis erhielten, doch Ende 2017 seien bei den großen Krankenkassen 13 000 Anträge eingegangen.

Anwendung findet Cannabis vor allem in der Schmerztherapie. 30 Millionen Euro will Nuuvera in den kommenden Jahren in Deutschland investieren. In Lager, Forschung, Kommunikationskanäle zur Anwendung, sagt Knopp. Anzunehmen ist, dass Nuuvera sich auch an der Ausschreibung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte für legalen Hanf-Anbau in Deutschland beteiligt. Knopp selbst sei kein Freund davon, nun Cannabis grundsätzlich in Deutschland zu legalisieren. „Wir sollten auf jeden Fall vorher die Erfahrungen in Kanada ansehen.“

Wolfgang Glombik

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