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Segeberg Erstes gemeinnütziges Carsharing im Kreis Segeberg?
Lokales Segeberg Erstes gemeinnütziges Carsharing im Kreis Segeberg?
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19:10 20.08.2019
Dörpsmobil für Kayhude und Tangstedt: Projektleiter Timo Wiemann (l.) stellte es vor. Quelle: Burkhard Fuchs
Kayhude/Tangstedt

Dies könnte das erste öffentliche und gemeinnützige Carsharing-Modell im Kreis Segeberg werden: Das Elektro-„Dörpsmobil“ für Kayhude und Tangstedt, das von jedermann ausgeliehen werden könnte. Das Interesse und der Bedarf in der Bevölkerung ist jedenfalls in beiden Gemeinden vorhanden.

Bei einer Informationsveranstaltung, zu der beide Ortsverbände der Grünen ins Gemeindezentrum nach Kayhude eingeladen hatten, sprachen sich etwa zwei Dutzend Bürger beider Orte für das Modell aus.

„Ich bin ganz scharf dahinter her, dass wir das jetzt in Angriff nehmen“, sagt Eberhard Krauß, stellvertretender Bürgermeister von Kayhude. Auch Mitveranstalter Ralf Stuchlik aus Tangstedt plädiert für ein solches Carsharing-Angebot, das insbesondere für die Ortsteile Wulksfelde, Rade, Wiemerskamp und Ehlersberg infrage käme. Sie liegen östlich der Bundesstraße 432 und hätten keine gute Busanbindung.

Nordfriesen machen es vor

Die 22 Aktivregionen in Schleswig-Holstein haben sich zusammengeschlossen, um die Idee des „Dörpsmobils“ aus der Gemeinde Klixbüll (Kreis Nordfriesland) zu vervielfältigen. Der Ort war im Mai 2016 mit einem E-Auto gestartet. Das Fahrzeug ist in den ersten 18 Monaten rund 18 000 Kilometer gelaufen. Die Gemeinde hat inzwischen ein zweites angeschafft. In der Buchungssoftware ist eine Mitfahrerfunktion hinterlegt. Viele der Vereinsmitglieder haben sich in Klixbüll als ehrenamtliche Fahrer eintragen lassen. Der Bürgermeister Werner Schweizer hat sein fossil betriebenes Auto verkauft und erledigt seine Dienstfahrten nun mit dem E-Dörpsmobil, wie er im Leitfaden für Einsteiger erklärt.

20 Gemeinden im Norden machen mit

So funktioniert’s: Rund 20 Gemeinden in Schleswig-Holstein seien seit 2016 dem Beispiel des Dorfes Klixbüll in Nordfriesland gefolgt. Sie hätten jeweils ein bis zwei Elektrofahrzeuge angeschafft oder geleast, um sie für drei bis vier Euro je Stunde an ihre Mitbürger auszuleihen, erklärte Projektleiter Timo Wiemann. Betreiber sei jeweils ein Verein, der sich dort dafür gegründet habe. Gebucht und abgerechnet werde die Nutzung über ein einheitliches Programm, das über eine App oder online im Internet abgerufen werden kann, so Wiemann.

Das Fahrzeug und die E-Ladestation würden zudem über das Netzwerk der Aktivregionen mit EU-Mitteln gefördert. Die Abrechnungssoftware sei für zwei Jahre kostenlos. Das Budget der Fördermittel reiche zurzeit für etwa 65 Gemeinden. „Die Begeisterung im ländlichen Raum für diese Dörpsmobil-Angebote ist überall groß“, sagt Wiemann.

Nachbarkommunen machen es vor

Ein gemeinsames Projekt zweier Kommunen, wie es jetzt die Grünen und ihre Mitstreiter für Tangstedt und Kayhude anstreben, gebe es bislang in Schafflund/Nordhackstedt sowie in Medelby/Wallsbüll bei Flensburg.

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Vor allem für ältere Menschen, die – wie sie selbst – bald nicht mehr allein Auto fahren könnten, wäre ein solches Dörpsmobil-Angebot die kostengünstigere und bequemere Alternative zum Taxi- oder Busfahren, argumentiert Ingrid Schulz aus Kayhude. Sie wohne in der sogenannten Finn-Siedlung aus den 1960er Jahren, sagt die über 80 Jahre alte Witwe. Dort lebten viele alleinstehende ältere Damen, die gern mal zum Arzt oder ins Konzert gefahren werden möchten. Ihr Enkel habe sich schon als Chauffeur bereiterklärt, erzählte sie. Nur fehle noch das Fahrzeug dafür.

Kayhudes Vizebürgermeister Krauß kennt sich mit Fahrdiensten eines geleasten öffentlichen Fahrzeuges aus. Drei Jahre lang habe er diese Fahrten in der Gemeinde Nahe, die einen Elektrobus für die Bevölkerung angemietet habe, für die Auferstehungs-Kirchengemeinde organisiert. Diese nutze das Fahrzeug, um Lebensmittel für die Tafel in Nahe aus Kaltenkirchen abzuholen. „Acht Fahrer wechselten sich dabei immer ab“, berichtet Krauß.

Vereinsgründung geplant

Auch als eine Art „Disco-Bus“ für jugendliche Pistengänger im Ort käme ein solches Carsharing-Modell gut infrage. Oder für Seniorenvereine – um ältere Menschen zu Veranstaltungen abzuholen oder wieder nach Hause zu bringen, riet Projektleiter Wiemann den Bürgern von Tangstedt und Kayhude.

Dass die Gemeinde selbst ein solches Fahrzeug anschaffe, sei eher die Ausnahme und für Kayhude wohl auch politisch nicht durchsetzbar, sagte Krauß. „Der Gemeinderat hat sogar unseren Antrag der Grünen abgelehnt, nur eine Umfrage in Auftrag zu geben, die den Bedarf für ein Dörpsmobil abklären sollte.“ Nun machten sie es eben gemeinsam mit Tangstedt und gründeten einen Verein. Der Termin dafür soll demnächst gefunden werden.

Mehr Infos:
www.doerps-mobil-sh.de

Von Burkhard Fuchs

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