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Segeberg Circus Krone: Weltgrößte Manege kommt nach Bad Segeberg
Lokales Segeberg Circus Krone: Weltgrößte Manege kommt nach Bad Segeberg
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21:00 30.07.2019
Krone gastiert vom 22. bis 26. August in Bad Segeberg. Quelle: www.balinthirling.com
Bad Segeberg

Theater, Märchen, Zauberwelt? Circus Krone kommt nach Bad Segeberg. Das größte Zirkuszelt der Welt wird am 21. August auf dem Landesturnierplatz aufgebaut. Und mit ihm wird eine rollende Stadt aus dem Boden gestampft: Mit 100 Tieren, 260 Fahrzeugen und 200 Menschen, die hier leben und arbeiten.

Europas größter Zirkus kommt nach Bad Segeberg

Fünf Gastspieltage sind vorgesehen. Premiere in Bad Segeberg ist am 22. August. Die Plakate sind gerade gehängt. Sie zeugen vom neuen Programm „Mandana“, das die Besucher ins goldene Zeitalter des Zirkus, die 1920er Jahre, versetzen soll. Erzählt wird die Geschichte von der Pferdeprinzessin Mandana und ihrer Liebe zum Löwen-Prinz.

Trotz Magie und Glanz: Tierschützer sind gegen eine Show „auf Kosten der Tiere“. So fordert die Tierschutzorganisation Peta pünktlich zur Nord-Tournee eine endgültige Abgabe der Elefanten und ein Ende sämtlicher Tierdressuren. „Im März gab der Zirkus zwar die fünf Elefanten an einen spanischen Tierpark. Doch sie sollen laut Zirkus wieder in die Manege zurückkehren“, sagt Peta-Sprecherin Lisa Kienzle.

Peta: „Unnatürliche Tricks“

Deutschlands größtes Zirkusunternehmen zwingt noch immer sensible Tiere – darunter auch Löwen und Tiger – zu unnatürlichen Tricks, während europaweit zunehmend Verbote für bestimmte Tierarten in Zirkusbetrieben verhängt werden.“ Aus Protest hatten die „Street-Teams“ von Peta jüngst in Lüneburg und Flensburg eine Reihe von Aktionen vor dem Zirkuszelt durchgeführt.

In Zahlen

100 Tiere reisen beim Circus Krone mit. Darunter fünf Elefanten, 30 Löwen und Tiger, ein Flusspferd, vier Kamele und 37 Pferde. 200 Mitarbeiter reisen und arbeiten in 260 Fahrzeugen. Es gibt unter anderem eine Sattlerei, Schuhmacherei, mehrere Schneider und Tierärzte, ein Live-Orchester und eine staatlich anerkannte Schule.

Das Zirkuszelt ist 16 Meter hoch, wird von vier 22 Meter hohen Stahlmasten gestützt und mit 250 Eisenankern befestigt. Die Sonderanfertigung ist 3000 Quadratmeter groß und beherbergt Plätze für 3000 Zuschauer. Es wird stets am Tag vor der Premiere aufgebaut – von 60 Helfern in sechs Stunden. Der Abbau geht schneller – in drei Stunden ist das Zelt verstaut. In der Wintersaison sahen eine halbe Million Menschen das Spektakel der Jubiläumsshow.

Seit 2017 führt Jana Mandana Lacey-Krone den größten reisenden Circus weltweit. Im Alter von drei Jahren gab sie ihr Manegendebüt. Heute teilt sie die Liebe zum Circus und den Tieren mit Ehemann Martin Lacey jr., der mit Löwen und Tigern aufgewachsen ist. Für seine Arbeit ist er mehrfach beim Zirkusfestival in Monte Carlo ausgezeichnet worden – zuletzt 2019.

Choreograph Bence Vági und viele der Akrobaten sind ebenfalls preisgekrönt. Zu den Weltklasse-Akrobaten zählen Los Robles, Aleksandr Batuev, das Duo Stipka, Steve Eleky, das Duo Stauberti, das Team Non Stop oder das Clown Trio Without Socks. Bence Vágis Produktionen werden am Broadway in Ney York gezeigt, zudem hat er die beiden vergangenen Eröffnungsveranstaltungen von Olympia choreographiert. Mit dem Zirkus betrat er Neuland.

Die Kritik reist immer mit bei Circus Krone. Gewöhnen können sich die Artisten nicht daran, wie die „Welt“ aus einer Manege berichtete, die dem Zeitgeist trotzt. Der Wanderzirkus wird nicht müde beim Versuch, die Vorurteile zu beseitigen. Die Frontseite der Homepage führt sofort zur Tierschutz-Broschüre. „Mit Kritik gehen wir ganz offen um“, sagt Zirkussprecher Andreas Kielbassa. Jeder könne sich vor den Shows kostenlos selbst ein Bild machen. „Man sollte alten Videos aus den 80ern keinen Glauben schenken“, sagt er. „Diese Zeiten sind lange vorbei. Wir sind nicht irgendein dahergelaufener Zirkus. Wir sind der größte Zirkus der Welt.“

Gesetzliche Bestimmungen würden übererfüllt; als einziger deutscher Zirkus baue der Familienbetrieb doppelt Ställe auf – am alten sowie neuen Spielort gleichzeitig. Behörden prüften das Gelände an jedem Standort. So verwundert es kaum, dass der Zirkus zu den „am besten kontrollierten tierhaltenden Betrieben in Deutschland zählt“.

Diskussion zwischen Königsklasse und Tierquälerei

Die Masse ist gespalten. Moniert werden lange Fahrten in winzigen Käfigen. Peitschen wirkten angsteinflößend. Ein Zirkus mit Tieren sei nicht mehr zeitgemäß. Roncalli, der ab 1. August wieder in Lübeck gastiert, und andere Zirkus-Größen machten es vor mit tierfreien Vorführungen. Demgegenüber lässt sich nicht leugnen, dass immerhin 136 000 Menschen dem Unternehmen auf der Facebook-Seite ein „Gefällt-mir“ geschenkt haben. So sieht es auch Kielbassa: „Wenn man zehn Menschen vor dem Zelt sieht und 3000 sitzen drin, zeigt das die Tendenz ganz deutlich.“ Das Thema Tier sei immer emotional und werde gern für politische Zwecke genutzt.

Vorstellungen und Tickets

In Bad Segeberg findet die festliche Abendpremiere am 22. August um 20 Uhr statt. Weitere Vorstellungen gibt es werktags um 16 und 20 Uhr, an Sonn- und Feiertagen um 14 und 18 Uhr. Am Montag, 26. August findet nur die Show um 16 Uhr statt. Familien zahlen am 23. August um 16 Uhr den halben Preis. Tickets kosten zwischen 16 und 55 Euro.

Circus Krone weist aktuell auf Unstimmigkeiten bei Ticketreservierungen hin. Es wird empfohlen nur offizielle Vorverkaufsstellen, wie CTS Eventim, Reservix, Ticket Regional und die Zirkuskasse, zu nutzen. Ticket-Zwischenhändler ViaGoGo arbeite mit falschen Angaben, so Krone. Karten gibt es auch in der Geschäftsstelle von Lübecker Nachrichten und Basses Blatt in der Kurhausstraße Bad Segeberg. Telefon: 045 51/9 90 00. Nächster Gastspielort ist Neumünster – ab 28. August.

Elefant spazierte durch die Stadt

Zuschauer kommentieren Shows „zu Tränen gerührt“, Tiere seien „die Seele des Zirkus“, die Show „wahre Zirkuskunst“. „Man kann die Liebe zwischen Mensch und Tier richtig spüren“, schreibt eine Nutzerin. Es ist eine Debatte zwischen Faszination und Tierquälerei, Vorfreude und unerwünschten Plakatierungen am Veranstaltungsort. Über Königsklasse auf ihrem Gebiet einerseits, aber auch Unfällen, wie jüngst mit einem Artisten in Bielefeld sowie ausgebrochenen Elefanten andererseits – wie 2018 in Osnabrück, als ein Elefant in den Zuschauerraum krachte oder kurz zuvor in Neuwied, als ein Elefant durch die Stadt spazierte.

Peta prangert die Zwischenfälle regelmäßig an, spricht von Ausbeutung und Gewalt. Ganz kritiklos bleibt aber auch der Verein nicht. So hatte der Zirkus Flic Flac, der ohne Tiere auskommt, vor Jahren einen Tierschutzpreis abgelehnt. Begründung: „Eine Auszeichnung für verantwortungsbewussten Umgang mit Tieren gebühre stattdessen dem Schweizer Nationalzirkus Knie oder Circus Krone.“

Fragen und Antworten

Was ist neu am Programm? Mit „Mandana – Circuskunst neu geträumt“ schafft das Team eine Hommage an den Zirkus in seiner ursprünglichen Form. Zwei Jahre haben sich die Mitarbeiter vorbereitet. Das Motto von Regisseur Bence Vági: „Eine moderne Form von Zirkus zu erschaffen gelingt nur, wenn man Traditionen respektiert.“ Mehrere Millionen wurden in neue Technik investiert. Kostüme, Aussehen und Requisiten zeigen den Stil der 20er Jahre. „Das ist Zirkus 2019, aber es bleibt Circus Crone“, sagt Sprecher Andreas Kielbassa.

Wie ist die rechtliche Grundlage für Wildtiere in Zirkussen? Die Haltung ist in Deutschland nicht verboten. Bindend ist das Tierschutzgesetz sowie Leitlinien des Bundesverbraucherministeriums. Zuständige Behörden prüfen Kenntnisse und Erlaubnisse der Tierlehrer.

Wer hat sich gegen Wildtiere in Zirkussen ausgesprochen? „In 27 europäischen Ländern, beispielsweise Belgien, Österreich und den Niederlanden, sind bereits bestimmte oder alle Tierarten im Zirkus verboten“, sagt Peta-Sprecherin Lisa Kienzle. Der Bundesrat hat mehrfach Forderungen nach einem Verbot formuliert, jedoch ohne Erfolg. Einige Bundesländer wollen erneut die Haltung beenden. England hat in der vergangenen Woche ein Wildtierverbot beschlossen. Städte und Gemeinden diskutieren über Möglichkeiten, Auftritte von Zirkussen mit Wildtieren zu untersagen. 2011 gab es in Lübeck einen solchen Vorstoß. Eine Prüfung von Seiten der Stadt und der Veterinäraufsicht hatte keine Mängel ergeben. Kiel hat hingegen Anfang 2019 bekräftigt, dass Wildtiere in Zirkussen unerwünscht sind. Gleiches gilt laut Peta in Norderstedt und in Bad Bramstedt.

Wie können sich Segeberger informieren? Täglich ist von 10 bis 13 Uhr vor jeder Vorführung der „Krone-Zoo“ für Besucher geöffnet. Es gibt geführte Rundgänge für Organisationen, Schulklassen und Kindergärten. Tiertrainer Martin Lacey jr. beantwortet dabei alle Fragen. Es finden auch kommentierte öffentliche Dressurproben statt: Zum Beispiel am 11. August um 10.30 Uhr in Kiel, Wilhelmsplatz.

Sind das Wildtiere im Zirkus? Laut Krone werden fast alle Tiere im Zirkus oder Zoo geboren und könnten in freier Wildbahn kaum überleben. Drei Elefanten seien Wildfänge. Auch wenn die Tiere an Menschen gewöhnt sind: Laut Peta ist eine artgerechte Haltung nicht möglich. Als domestiziert könne man nur Arten bezeichnen, die sich über tausende Jahre an den Menschen angepasst hätten, sagt Yvonne Würz, Biologin und Fachreferentin bei Peta.

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Irene Burow

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