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Segeberg Damit der Tod seinen Schrecken verliert
Lokales Segeberg Damit der Tod seinen Schrecken verliert
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21:10 06.04.2017
Drei Tage beschäftigten sich die Schüler der 5d an der Burgfeldschule mit dem Thema Tod und Trauerarbeit – und doch war es nicht nur traurig.
Drei Tage beschäftigten sich die Schüler der 5d an der Burgfeldschule mit dem Thema Tod und Trauerarbeit – und doch war es nicht nur traurig. Quelle: Foto: Materne
Bad Segeberg

Mit Angst vor Friedhöfen oder einfach einem unguten Gefühl starteten die Jugendlichen der 5d der Burgfeldschule in das Hospizprojekt diese Woche. „Über Tod redet man ja nicht gern“, begründet Max. Nach Ende des dreitägigen Projekts aber ist er ganz froh, daran teilgenommen zu haben: „Mir fällt es jetzt viel leichter, darüber zu reden.“ Und obwohl das Reden über Tod und Verlust traurig war, hatten die Jugendlichen auch Spaß.

Narzissen stehen in der Mitte, brennende Kerzen schwimmen in einer mit Wasser gefüllten Schale. Drumherum stehen Trostlichter, die die 26 Schüler zum Abschluss gebastelt haben. Außerdem bunte Steine.

„Die sollen uns an schöne Momente erinnern, wenn es uns mal schlecht geht“, erklärt Mirco. Ein Element aus der Trauerarbeit mit Kindern, wie es beim Kinderhospizdienst „Die Muschel“ verwendet wird.

Ehrenamtliche von Hospizverein und Muschel haben für die Fünftklässler ein Konzept zum Thema ausgearbeitet. Daran beteiligt waren auch drei Pädagoginnen, darunter Carolin Schwarz, die Klassenlehrerin der 5d und ausgebildete Ehrenamtliche sowohl beim Hospizverein als auch bei der Muschel. „Der Tod gehört zum Leben dazu“, sagt sie. Natürlich schmerze jeder Verlust eines Angehörigen. Trotzdem sei ein normaler Umgang mit dem Thema wichtig für Kinder.

Um Verlust und die Gefühle dazu ging es am ersten Projekttag. „Wir sollten unsere Lieblingssachen mitbringen und in die Mitte legen“, berichtet Max. „Plüschtiere, Kissen, einer hatte ein Tablet dabei“, erzählt Henry. „Manche haben wirklich gezögert, die Lieblingssachen abzugeben.“ Cheyenne drückt ihr rosafarbenes Rüschenkissen in Herzform an sich. „Danach sollten wir einen schwarzen Luftballon aufblasen, um zu zeigen, wie wir uns fühlen.“ Je größer der Ballon, umso größer das schlechte Gefühl im Bauch – auch ein Element der Kindertrauerarbeit. „Alle Ballons, außer zwei, waren ganz groß“, sagt Cheyenne.

Mit dem Ballon können sich Kinder ausdrücken, aber er hilft auch, ihnen deutlich zu machen, dass das Gefühl langsam nachlässt. „Wie ein Geburtstagsballon, der mit der Zeit kleiner wird“, verdeutlicht Renate Miera vom Hospizverein. Am zweiten Tag besuchten die Schüler den Hospizverein und den Friedhof. In einer Rallye suchten sie das älteste Grab, guckten sich Kindergräber an und andere Grabformen. Ein Junge konnte die Grabstelle seines Opas besuchen. Ein wichtiger Moment auch für die Klasse, findet Leo. Überhaupt sei durch das Thema das Vertrauen in der Klasse gewachsen, meint Cheyenne. Für Mirco hat der Friedhof an Schrecken verloren, auch konnten die Schüler hier Schönes finden, etwa den Blumenschmuck. „Ich finde gut, dass ich Tipps bekommen habe, wie ich verkrafte, dass mein Opa gestorben ist“, sagt ein Junge zum Abschluss. Und inzwischen hätten bereits Kollegen gefragt, ob auch bei ihnen das Hospizprojekt möglich sei, berichtet Lehrerin Schwarz. Gern wolle man dies öfter anbieten, sagt Meira. Das sei aber vor allem eine Personalfrage.

Nadine Materne

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