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Segeberg Der Neue von der Schule am Seminarweg
Lokales Segeberg Der Neue von der Schule am Seminarweg
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20:10 07.06.2018
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Bad Segeberg

Philipp leitet derzeit noch die Schule an den Auewiesen in Malente. Da ist er seit vier Jahren. Warum der Wechsel? An einer Stadtschule habe man noch ganz andere Möglichkeiten, mit Schülern zu arbeiten, erklärt Philipp. Schon weil das Gymnasium Dahlmannschule direkt neben der Gemeinschaftsschule stehe, könnte hier die Kooperation ausgebaut werden, ist er überzeugt. Durchlässigkeit sei für Schüler wünschenswert, schon um sie besser zu unterstützen. „Schüler sollen ihren bestmöglichen Weg gehen.“ Erst möchte er sehen, was an der Schule am Seminarweg gut laufe, dann werde er Verbesserungen angehen – ausdrücklich im Team mit dem Kollegium. Er habe große Erfahrungen mit der Entwicklung von Schulen gesammelt.

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Dr. Thilo Philipp ist zwar schon 57, hat aber noch richtig Lust, als Schulleiter „zu powern“ und die Gemeinschaftsschule voranzubringen. Quelle: Foto: Glombik

In der Tat: Vom Lebenslauf her ist Thilo Philipp ein „unruhiger Geist“, immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Der promovierte Sportpädagoge studierte in Kiel auf Lehramt für Grund- und Hauptschulen in den Fächern Deutsch, Sport und Englisch. Philipp war wissenschaftlicher Mitarbeiter und kommissarischer Leiter des Deutschen Olympischen Instituts in Berlin, gab internationale Seminare.

Die Chance, sich weiterzuentwickeln

„Ich schaue gerne über den Tellerrand, auch bis nach Europa“, kommentiert er seine Erfahrungen. Zurückgekehrt arbeitete er an zwei Grundschulen, bevor er Konrektor an der Grund- und Hauptschule Wankendorf wurde. Von 2011 an leitete Philipp drei Jahre die Grundschule im Schwentinetal, bevor er Chef der Malenter Schule wurde. Für vier Jahre . . . „Ich bin in Malente glücklich, aber wenn man gefragt wird und die Chance hat, sich weiterzuentwickeln, dann bin ich gerne dabei.“ Auch das Finanzielle spiele für Philipp beim Wechsel zu einer größeren Schule (fast 400 Schüler) eine Rolle, gibt er unumwunden zu. Seine Frau ist Schulleiterin in Ascheberg, wo die Familien auch wohnt. Er hat drei Kinder, von denen zwei studieren (ausdrücklich kein Lehramt). Die müssten ja auch unterstützt werden.

Das Schöne an der Schule am Seminarweg sei auch, dass er sich dort nicht mehr mit Bau-Angelegenheiten beschäftigen müsse, sondern „sofort loslegen kann mit der pädagogischen Arbeit“. Diese Vorarbeiten habe schon Vorgängerin Barbara Koop-Lehmann geleistet, die im Januar in Pension ging. Philipp: „Die Schule ist jetzt hervorragend aufgestellt. Es bleibt nur die Neugestaltung des Schulhofs, und das wird ja schon geplant.“

Die Rückkehr zu den Schulartempfehlungen seitens der Grundschule – also ob fürs einzelne Kind ein Wechsel zum Gymnasium oder zur Gemeinschaftsschule passt – begrüßt er ausdrücklich. Die Eltern bräuchten Entscheidungshilfen. Er selbst sei dafür, auch innerhalb der Gemeinschaftsschule in leistungsbezogenen Kursen zu differenzieren. Das sei laut Schulordnung möglich. Er möchte nicht diejenigen vergessen, die mehr leisten können, die die Chance haben, den Weg zum Abitur zu gehen.

Streit, Stress mit den Kollegen seitens der Schulleitung, die an anderen Schulen – wie kürzlich berichtet – offenbar an der Tagesordnung sein können, schließt er für sich aus. „Ich habe eine sehr große Integrationskraft. Ich möchte die unterschiedlichen Interessen im Kollegium fördern und möchte sehen, was mit den Kollegen geht.“

Der Rektor „alter Schule“ mit einsamen Entscheidungen habe ausgedient. Heutzutage gehe es mehr ums Schulmanagement. „Wir müssen ständig den Überblick behalten, um an den Stellschrauben zu drehen.“

Deshalb sei es eigentlich zu viel, was er noch zusätzlich an Stunden unterrichten müsse. Er gebe sehr gerne Philosophie in den Klassen neun und zehn. Unterrichtsbesuche bei den Kolleginnen und Kollegen mache er gerne. „Ich möchte mir ein Bild verschaffen, wie die Kollegen arbeiten.“ Eine positive Atmosphäre sei ihm dabei sehr wichtig. „Wenn der Chef immer nur meckert“, sei das nicht förderlich.

Hat die alte Tafel an der Schule am Seminarweg ausgedient? „Wir brauchen keine digitalen Medien, mit denen wir Kinder nur beschäftigen“, antwortet Philipp. Sinnvoll sei es, wenn die Schule W-Lan vorhalte und die Schüler mit ihrem Smartphone oder Tablet im Internet recherchieren könnten. Aber Klassen nun mit 5000 Euro teuren Smart-Boards auszustatten, stehe „in keinem Verhältnis zu dem pädagogischen Nutzen“, den es bringe.

In welchen Zeiträumen denkt der 57jährige Thilo Philipp nun voraus? „In meinem Alter kann man sowieso beruflich nicht mehr lange planen. In drei Jahren bekomme ich mehr hin als manche in 20 Jahren.

Ich gehe das anders an. Ich schaue mir die Menschen an – und nehme sie mit.“

Von Wolfgang Glombik