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Segeberg „Deshalb bin ich Querulant“
Lokales Segeberg „Deshalb bin ich Querulant“
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20:10 11.05.2018
Reimar Wittenberg mit Frau Hannelore (l.) sowie Anneliese Lietz. Quelle: Foto: Ibu
Klein Rönnau

Morgen feiern die Mitglieder Jubiläum.

Wittenbergs Telefon klingelt täglich, und genauso oft ist er unterwegs, um zu helfen. Ihm zur Seite stehen unter anderem seine Frau Hannelore (79) und Anneliese Lietz (63) aus Schieren; der Vorstand besteht aus zwölf Personen. „Ämter oder Ärzte sollten auch helfen. Es ärgert mich, wenn Hilfesuchende abgewimmelt werden“, sagt er. „Deshalb bin ich Querulant.“ 180 Fälle pro Jahr haben sich in den vergangenen 20 Jahren angehäuft. Es sind ältere Damen, denen ein kleiner Betrag fehlt, um eine Rente zu bekommen. Ein Azubi, der gemobbt wird, und eine Wohnung braucht. Eine Mutter mit behinderten Kindern, die ohne Betreuung in Hamburg arbeiten soll. Oder ein Rollifahrer, der einen Lift benötigt.

Misshandlung und Schulden sind genauso Themen wie Pflegegrade oder unstimmige Rechnungen. Der Verein begleitet Menschen vor Gericht, zum Arzt oder Jobcenter. „Ich hab schon manches Elend gesehen“, so Wittenberg, der früher Gerichtsvollzieher war. „Ich hab’ nicht mehr viele Haare, aber die stehen mir oft zu Berge.“ Nicht nur wegen kniffliger Schreiben. Auch die Klienten bringen vielfältige Problemlagen mit – zerrüttete Familien oder chaotische Wohnverhältnisse. Immer wieder sortiert er Dokumente, Belege und Bescheide, sucht finanzielle Nachweise. „Viele kommen mit dem Papierkram nicht zurecht.“ Stellungnahmen, Widersprüche, Anträge – oft sei das zu kompliziert. „Wir begegnen Menschen, die überfordert sind. Sie brechen in Tränen aus und geraten in Panik.“ Der Verein lässt sich Vollmachten ausstellen und darf im Namen der Klienten unterschreiben. Und so soll es schon passiert sein, dass einer gesagt hat: „Ohne Wittenberg sage ich nichts!“

„Aus meiner Sicht hätte er das Bundesverdienstkreuz verdient, aber die Gemeinde hat das abgelehnt“, sagt Anneliese Lietz. „Manchmal geht das mit Behörden ewig hin und her, dann werde ich auch direkt“, gibt er zu. „Ich bin gewiss ein Querulant. Aber ich kann Ungerechtigkeit nicht ab.“ Auch wenn sich die Vorstandsspitze schon im hohen Alter bewegt, aufgeben wollen sie nicht; Nachwuchs wird bereits eingearbeitet.

Der Verein ist vor allem im südlichen Kreis Segeberg tätig, die Arbeit spricht sich auch ohne Werbung herum. Dachverband ist der Paritätische Wohlfahrtsverband Schleswig-Holstein. Das Jubiläum wird morgen im Haus Rönnau gefeiert.

ibu

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