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Segeberg Die Forelle: Vom Raubfisch zum Vegetarier
Lokales Segeberg Die Forelle: Vom Raubfisch zum Vegetarier
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22:19 26.07.2013
Volker Christophersen betreibt in Bornhöved eine Fischzucht, hier zeigt er eine ausgewachsene Forelle.1000 hält er immer vor. Quelle: Fotos: Materne
Bornhöved

Großflächige Netze schweben über den Teichen am Bornhöveder See, in denen sich Zehntausende nur fingergroße Regenbogenforellen befinden. „Die Kinderstube“, stellt Fischzüchter Volker Christophersen vor. Die Forellen sind erst wenige Monate zuvor geschlüpft, sie sind das Kapital des Fischwirts. Zwei Jahre dauert es, bis sie 400 bis 500 Gramm wiegen und schlachtreif sind. Für Vögel allerdings geben die Minifische gerade jetzt einen guten Snack ab. Mit den Netzen habe er das Problem aber im Griff, sagt Christophersen, einer der wenigen Forellenzüchter in Schleswig-Holstein.

Die Fischertradition der Christophersens reicht Jahrhunderte zurück. „Ich bin die zehnte Generation“, sagt der 45-Jährige. Sein Onkel bewirtschaftet den Bornhöveder See. Doch Vater Jürgen begann mit der Fischzucht. Die Besonderheit: Werden Fische normalerweise an Bachläufen gezüchtet, nutzt Christophersen die Bornhöveder Quellen. „1958 hat mein Vater hier den ersten Teich ausgehoben.“ Heute sind es 48 direkt am See und im Ort nochmal sechs. Die Fischzucht habe sich der Vater selbst beigebracht, mit den Forellen ging es aber erst in den 60ern los. „So lange werden die noch nicht gezüchtet“, erläutert Christophersen. Im Gegensatz zum Karpfen, der sich von Plankton ernährt, ist die Forelle ein Raubfisch. Sie brauche tierische Eiweiße im Futter. Erst in den 60ern sei es gelungen, pflanzliches Eiweiß für die Fische als Energieträger nutzbar zu machen. „Heute ist die Forelle schon fast zum Vegetarier geworden“, sagt Christophersen. Der Fischmehlanteil im Futter sei inzwischen auf 25 Prozent gesunken — von ursprünglich über 60 Prozent.

45 Tage, bis die Fische schlüpfen

Mit einer Schaufel verteilt der Fischwirt das Futter in den Becken der „Kinderstube“. Eine Pumpe wälzt das Wasser im Becken um und imitiert Strömung. In einer Ecke stehen drei Brutwannen. Hier sind im März — wegen der Kälte vier Wochen später als üblich — 50 000 Fischeier befruchtet und ausgebrütet worden. „Das ist die eigentliche Zucht und das mache ich am liebsten“, sagt der 45-Jährige.

Dazu würden den Muttertieren unter Betäubung die Eier aus dem Bauch gedrückt, den Männchen das Sperma entnommen, alles verrührt und das ganze eine Weile stehen gelassen. Schließlich kommen die befruchteten Eier in siebartigen Kästen in mit Wasser gefüllte Brutwannen. „Dann dauert es 45 Tage, bis die Fische schlüpfen“, erklärt Christophersen. Zwei weitere Wochen leben die Tiere von einem Dottersack, erst wenn sie eigenständig fressen und schwimmen können, kommen die dann etwa drei Millimeter großen Fische in den Teich.

Inzwischen sind die Tiere ein paar Zentimeter gewachsen und wurden bereits auf zwei Teiche aufgeteilt. Der Sauerstoffgehalt im Wasser bestimmt, wie viele Fische in einem Teich überleben können. „Das Wasser aus den Quellen ist schön kühl und rein“, sagt Christophersen. Verschmutzungen, die an Bächen üblich sind, gebe es hier nicht. Dafür aber sei das Wasser sauerstoffarm. Deshalb pumpt der Fischwirt Umgebungsluft in die Teiche.

Die Auslastung aber bleibt vergleichsweise gering. Das Biolandsiegel etwa erlaube 15 Kilo Fisch auf einen Kubikmeter, das wären etwa 30 ausgewachsene Forellen. Bei Christophersen schwimmen 400 ausgewachsene Fische auf gut 100 Kubikmetern. Warum er dann keinen „Biofisch“ verkauft? „Die Leute, die hier kaufen, wissen, dass die Fische natürlich aufwachsen.“ Das Siegel koste Geld, das Spezialfutter sei teurer. „Es würde nicht viel ändern, aber ich müsste das Kilo Fisch um 30 bis 40 Cent teurer machen“, begründet Christophersen. Mit 7,80 Euro das Kilo liege er im preislichen Mittelfeld. Als kleiner Produzent sei er aber auch nicht auf den Preiskampf mit den Discountern angewiesen. Was er produziere verkaufe er direkt, das seien etwa zehn Tonnen Fisch im Jahr: Forellen als Speise- und Besatzfische, dazu ein paar Zierfische und Karpfen. 90 Prozent des Umsatzes kämen aber aus der Forellenzucht.

Skandinavisches Modell zu stressig

In der Intensivzucht, etwa in Dänemark, sind die Zahlen andere, so Christophersen. In großen Betonbecken werden dort Forellen gezüchtet, 50 Kilo Fisch und mehr pro Kubikmeter. Die Schlachtreife werde dort in einem Jahr erreicht. „Um so intensiver die Zucht, umso mehr Energie braucht man aber auch“, betont Volker Christophersen. Er habe sich so eine Anlage mal angeschaut. „Wenn da der Strom ausfällt, muss das System binnen fünf Minuten wieder laufen. Sonst fangen die Fische an zu sterben.“ Und das ist für den Bornhöveder eine schreckliche Vorstellung. Zudem ist das skandinavische Modell ihm viel zu stressig.

Die intensivste Zuchtzeit bei ihm sei, wenn die Tiere im Brüter sind. Und da habe Christophersen schon Ausfälle wegen einer Stromstörung erlebt. „Im Teich ist das aber nicht so schlimm, wenn die Pumpe ausfällt.“ So könne er abends beruhigt ins Bett gehen mit dem Wissen, dass die Tiere auch am nächsten Tag noch leben — mit oder ohne Strom.

Zehn Tonnen Fisch pro Jahr

59Tonnen Regenbogenforelle wurden 2012 in Schleswig-Holstein gezüchtet, so steht es in der Aquakulturstatistik 2012 des Statistikbundesamtes. Außerdem 70 Tonnen Karpfen.

Die Struktur der Fischzuchtbetriebe in Schleswig-Holstein ist von kleinen Betrieben geprägt. Neun Betriebe züchten Regenbogenforellen, 28 produzieren Karpfen. Im Kreis Segeberg ist Volker Christophersen der einzige hauptberufliche Forellenzüchter mit einer Jahresproduktion von zehn Tonnen Fisch (Forellen und Karpfen). nam

Nadine Materne

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