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Segeberg Die Geschichte vom kleinen Strahlemann
Lokales Segeberg Die Geschichte vom kleinen Strahlemann
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17:00 29.12.2019
Ein gutes Team: Kalle und seine Mutter Katrin Neuenfeldt.
Ein gutes Team: Kalle und seine Mutter Katrin Neuenfeldt. Quelle: Sven Wehde
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Wahlstedt

Mit neugierigen Augen tapst der kleine Kalle durch seinen Kindergarten. Er schaut in den Flur, in die Küche oder versucht die Tür zum Besprechungsraum zu öffnen. Was da wohl hinter ist? Er geht ein wenig unsicher, anders als andere Kinder in seinem Alter. Der Zweieinhalbjährige hat eine Behinderung. Was genau er hat, können die Ärzte noch nicht sagen. Kalle kann seine Mutter Katrin Neuenfeldt nicht mit Worten begrüßen. Doch er lächelt, als sie sich zu ihm hinab beugt, er streicht ihr über das Haar und gibt ihr einen Kuss auf die Wange.

Als Baby war noch alles normal

Katrin Neuenfeldt wusste nicht, dass ihr Kind eine Behinderung hat. Bis Kalle ein halbes Jahr alt war, verlief alles normal, auch bei den U-Untersuchungen beim Kinderarzt fiel nichts auf. Doch eines Tages im Januar 2018 saß er plötzlich einfach nur da. Er rollte mit den Augen, war wach und doch abwesend. Zwei bis drei Mal am Tag kam das jetzt vor. Danach musste er immer schlafen. „Es war, als säße er unter eine Käseglocke“,erinnert sich seine Mutter. Sie ist Krankenschwester und fühlte sich gleich an Krampfanfälle erinnert. In der Klinik wurde schließlich auch Epilepsie diagnostiziert. Doch das war nicht alles. Kalle blieb in seiner Entwicklung zurück. Niemand musste Neuenfeldt darauf aufmerksam machen. „Ich habe es gleich gemerkt“, sagt die Mutter. Kalle versteht die Worte nicht, die sie zu ihm sagt. Nur wenige Worte kennt er. „Nein“, „Papa“, „Bär“ oder „Ball“. Er mag alles, was laut ist, blinkt und sich dreht. Während andere Kinder vor dem Fernseher sitzen, sitzt Kalle lieber vor der laufenden Waschmaschine. Eine genetische Untersuchung bringt keine Hinweise auf die Ursache. Jetzt soll der Verdacht auf eine autistische Störung überprüft werden. „Ich hoffe, dass wir bald ein Ergebnis haben, damit wir endlich Gewissheit haben, was unser Sohn hat und wie ihm am besten zu helfen ist“, sagt Neuenfeldt, die zwar alleinerziehend ist, aber viel Unterstützung von Kalles Vater und der Familie bekommt.

Unterstützung von der Lebenshilfe

Trotzdem braucht die Mutter auch professionelle Unterstützung. Die findet sie bei der Lebenshilfe. Heilpädagogin Katja Müllenbach von der integrativen Kindertagesstätte der Lebenshilfe kommt schon, bevor Kalle in den Kindergarten geht, zwei Mal in der Woche zu Neuenfeldt nach Hause, um ihn kennenzulernen und die vielen Fragen der Mutter zu beantworten. Ihr Sohn bekommt außerdem Frühförderung und Krankengymnastik. Eventuell kommt bald noch Logopädie dazu. „Es gibt viele kleine Baustellen“, sagt Neuenfeldt mit einem Lächeln, „ich bin dankbar, dass die Therapien alle hier direkt in der Kindertagesstätte stattfinden.“ Sonst müsste sie mit ihrem Sohn, der nach dem Kindergarten ohnehin erschöpft und müde ist, noch andauernd in verschiedene Praxen fahren.

Kalle macht sein Ding

Im Kindergarten hat Kalle sich schnell eingelebt. „Die Eingewöhnung hat bei ihm gerade mal eine Stunde gedauert. Er zieht sein Ding durch“, sagt die Mutter. Seine Eichhörnchen-Gruppe hilft ihm dabei. Gemeinsam hat die Gruppe bunte Drehscheiben gebaut, weil Kalle diese so gern anschaut. Und die Gruppe hat jetzt ein Aquarium angeschafft. Der Zweieinhalbjährige liebt es, den Fischen zuzuschauen, aber auch alle anderen Kinder haben etwas davon.

Quelle: Sven Wehde

Blicke und Tuscheln

Was Katrin Neuenfeldt stört, sind die Blicke und das Tuscheln fremder Menschen, wenn sie sehen, dass Kalle eine Behinderung hat. „Da habe ich als Mutter immer das Gefühl, ihn beschützen zu müssen“, sagt Neuenfeldt. Sie sei ein offener Mensch. „Man kann mich doch freundlich ansprechen“, sagt sie. Was sowohl die Kitaleitung als auch die Mutter außerdem ärgert, sind die Kämpfe mit der Krankenkasse um Unterstützung. „Warum muss die Mutter beweisen, dass sie eine spezielle Karre für Kind braucht? Warum reicht da nicht die Diagnose?“, fragt Kita-Leiterin Vanessa Lenz. Für die Eltern sei das eine emotionale Belastung. Warum sollten Eltern so ein Hilfsmittel für ihr Kind bestellen, wenn sie es nicht bräuchten?

Ein glückliches Kind

Wie wird es weitergehen? Wo wird Kalle leben, wenn er erwachsen ist? Bei seiner Mutter oder in einer Wohnstätte für Menschen mit Behinderung? „Natürlich stelle ich mir solche Fragen, ich möchte ja das Beste für mein Kind“, sagt Neuenfeldt, „aber ich verdränge sie meist wieder.“ Vorher sind noch so viele andere Fragen zu klären. Wo wird Kalle zur Schule gehen? Was kann er lernen? Bei all dem hilft Katrin Neuenfeldt, dass ihr Sohn glücklich ist. „Er hat jeden Tag gute Laune. Er steht auf und freut sich. Ein kleiner Strahlemann. Das ist das Schönste an ihm.“

So können Sie helfen

Liebe Leserinnen und Leser,„Alle Menschen sollen dabei sein. Bei der Arbeit, beim Wohnen, in der Freizeit und in allen Lebenslagen.“ So lautet das Leitmotiv der Lebenshilfe, die mit ihrer Arbeit dazu beiträgt, dass Menschen mit Behinderungen teilhaben können - in allen Lebenslagen.

Manche Projekte, für die es keine öffentlichen Mittel gibt, kann die Lebenshilfe nur über Spenden finanzieren - Disco, Kegeln oder einfach nur ein Ausflug in die Natur. Dinge, die für Menschen ohne Beeinträchtigungen selbstverständlich sind, bleiben für viele behinderte Menschen ohne die Lebenshilfe oft unerreichbar.

Deshalb kommen die Spenden aus der LN-Aktion „Hilfe im Advent“ in diesem Jahr der Lebenshilfe zugute. Ich bitte Sie, liebe Leserinnen und Leser: Unterstützen Sie „Hilfe im Advent“, spenden Sie für die Lebenshilfe.

Holger Schwartz, LN-Redaktionsleitung Bad Segeberg/Bad Oldesloe

Spendenkonto Segeberg: Lebenshilfe Bad Segeberg; Sparkasse Südholstein, IBAN: DE 30 2305 1030 0511 0464 76, Verwendungszweck: „Spende Hilfe am Advent“

Spendenkonto Stormarn: Lebenshilfe Stormarn e. V.; Sparkasse Holstein, IBAN: DE 91 2135 2240 0090 1753 42; Verwendungszweck: „Spende Hilfe am Advent“

Von Sven Wehde