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Segeberg Die Hashemis ziehen in ein neues Zuhause — Familienanschluss inklusive
Lokales Segeberg Die Hashemis ziehen in ein neues Zuhause — Familienanschluss inklusive
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14:09 19.01.2014
Bad Segeberg

Über ein Jahr lang hat Familie Hashemi am Rande von Sievershütten gelebt. Idyllisch, denkt da vielleicht der ein oder andere. „Aber nur, wenn man zwei Autos hat“, sagt Erfan Hashemi.

Der 31-jährige Afghane kennt den Busfahrplan auswendig. Eine direkte Verbindung nach Bad Segeberg gibt es nicht, zwei Stunden dauert die Fahrt dorthin mit Umsteigen und Wartezeiten. Ein Auto hat die Flüchtlingsfamilie mit zwei kleinen Kindern nicht, Hashemis Führerschein wird in Deutschland nicht anerkannt.

Doch Besserung ist in Sicht: In dieser Woche unterzeichnete Hashemi einen neuen Mietvertrag. Zum 1. Februar ziehen er, seine Ehefrau Sadaf (27) und die beiden Kinder Morsal (4) und Sayed Mohammed (3 Monate) nach Groß Niendorf in die Dachwohnung von Familie Ludwig — ein Zuhause mit Familienanschluss.

Margit Ludwig hat in den Lübecker Nachrichten über die Schwierigkeiten der Flüchtlinge gelesen und kurzerhand die Ferienwohnung angeboten. „Ich bin Familientherapeutin und habe eine soziale Ader“, begründet sie den Schritt. Und Gisela Dell von der Migrationssozialberatung hatte sofort die Hashemis im Kopf.

Sadaf, die so abgelegen auf dem Land eine Risikoschwangerschaft durchgemacht hat. Erfan, der schon so gut Deutsch spricht, dass es kaum zu glauben ist, dass er lediglich einen Anfängerkursus besucht hat, ähnliches gilt für seine Frau. „Die Sprache ist für mich das wichtigste“, betont Erfan Hashemi.

Die Familie ist dankbar für den Tapetenwechsel, sie wollen ‘raus aus Sievershütten, wo sie sich auch nicht willkommen gefühlt haben. Und die Chemie stimmte einfach zwischen den Ludwigs und Hashemis. Das sieht man. Wie selbstverständlich schmust Margit Ludwig mit den beiden kleinen Kindern. Schon jetzt übernimmt die 63-Jährige eine Art Oma-Rolle ein. „Ich werde Oma und Mama mit einem Mal“, sagt sie und freut sich auf neues Leben im Haus.

Für die Hashemis ein Glücksfall. Sie haben die eigene Familie seit der Flucht 2007 aus Afghanistan nicht mehr gesehen. Inzwischen darf Erfan Hashemi auch mit Genehmigung der Ausländerbehörde arbeiten. Von Groß Niendorf aus ist das auch einfacher.

Hier fährt stündlich ein Bus. Und der Zentralort Leezen mit aller notwendigen Infrastruktur ist nur noch wenige Minuten entfernt.

nam