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Segeberg „Die Stille im Nordpolarmeer ist fantastisch“
Lokales Segeberg „Die Stille im Nordpolarmeer ist fantastisch“
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18:10 24.01.2015
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Norderstedt

Kälteunempfindlich muss man schon sein, wenn man sich auf eine solche Tour durch das Eispolarmeer begibt. Das habe er bei den Eingeborenen in der kanadischen Tundra bereits vor 30 Jahren gelernt, die dort mit minus 40 Grad Celsius zurechtkommen müssen, sagte Arved Fuchs (61). Und Rainer Ullrich (73) ergänzte, er fahre sogar bei Minusgraden mit offenem Auto, was oftmals die Polizei irritiere, die ihn dann anhalte, weil sie glaube, dass er nicht ganz nüchtern sei. Das Gespräch, zu dem die Leiterin des Norderstedter Stadtmuseums, Marlen von Xylander, den Abenteurer Fuchs und den Expeditionsmaler Ullrich eingeladen hatte, war ebenso spannend wie kurzweilig und mit jeder Menge Anekdoten und lustigen Anmerkungen gespickt.

Beide Segelfreunde erzählten von ihrer gemeinsamen Segeltour durch die Nordost-Passage der russischen Beringsee auf dem früheren Haikutter Dagmar Aaen im Jahre 2002, mit der es Fuchs nach drei missglückten Versuchen erstmals gelang, den Nordpol ohne Hilfe von Eisbrechern zu umfahren. Fuchs, der diese Versuche bereits Anfang der 1990er Jahre unternommen hatte, nahm den passionierten Maler Ullrich, mit dem er befreundet ist, auch aus Eigennutz mit, verriet er den 100 Zuhörern im bis auf den letzten Sitzplatz gefüllten Stadtmuseum. Bis dahin habe er seine Expeditionen nach Grönland, in die Arktis und Antarktis immer fotografieren und filmen lassen. Doch diese realistische Abbildung stoße all zu oft an ihre technischen Grenzen, was die Licht- und Wetterverhältnisse sowie die Perspektive angehe. Darum wollte er unbedingt einen Expeditionsmaler dabei haben, der dieses einmalige Naturschauspiel aus nächster Nähe und mit seinen Augen aus der Vogelperspektive betrachtend darstellt, interpretiert und auf die Leinwand bannt, erklärte Fuchs, warum er den gebürtigen Flensburger Ullrich unbedingt als Expeditionsmaler dabei haben wollte.

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Und der erzählte anschaulich, wie ihn Fuchs das erste Mal auf einer Eisscholle absetzte, damit er sich ganz und gar der Malerei von Natur und Segelschiff widmen konnte. Ob er da nicht Angst gehabt habe, fragte ihn sogleich einer aus dem Publikum. „Wir sind ja befreundet“, schmunzelte Ullrich. Doch doch, der Ulli, wie er ihn liebevoll nannte, habe sich schon vorher etwas besorgt erkundigt, wie weit sie denn wegfahren und wie lange sie ihn denn allein zurücklassen würden, verriet Fuchs. „Diese Ruhe auf der Eisscholle habe ich regelrecht genossen“, berichtete Ullrich. „Die Stille im Packeis ist fast physisch zu spüren“, erklärte Fuchs. „Da gibt es keine Störgeräusche.“ Hierzulande sei selbst im Wald oder einsamen Gegenden eine Geräuschkulisse zu hören, die beispielsweise Flugzeuge erzeugen. „Da oben im Nordpolarmeer ist gar nichts. Das schärft die Sinne.“ Nicht umsonst würde man ja sagen, dass der Seefahrer das Land rieche, lange bevor er es sehen könne, sagte der Berufsabenteurer. „Das schafft einen Minimalismus und den Blick aufs Wesentliche.“

Auf diesem zweimonatigen Törn, den sie dann mit ihrer eingespielten Crew 2003 und 2004 wiederholten, kamen ganz spektakuläre Einblicke in die Flora und Fauna der Nordpolargegend heraus, die der Maler Ullrich in geradezu künstlerischer Weise festhielt. Die emotionalen Eindrücke dieser Touren prägten sich ihm so ein, dass er die Eisbären und Naturgewalten auch noch zu Hause aus dem Gedächtnis auf die Leinwand bannen konnte, erklärte Ullrich. Seine Tagebücher, die mit zahlreichen, bunten und fast plastisch wirkenden Skizzen versehen waren, halfen ihm dabei. 50 dieser großflächigen Öl-, Acryl- und Aquarellbilder sind noch bis zum 1. Februar im Stadtmuseum im Friedrichsgaber Weg 290 in Norderstedt zu besichtigen.

Das Museum ist mittwochs bis sonnabends von 15 bis 18 Uhr sowie sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Einritt kostet vier Euro für Erwachsene und zwei Euro für Kinder. Für die Kleinen hat Ulrich auch Malvorlagen von seinen Reisen bereitgelegt.

bf