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Segeberg Die alte Schule Weitewelt
Lokales Segeberg Die alte Schule Weitewelt
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11:00 14.09.2019
So sah die Alte Schule in den frühen 2000er Jahren aus, als Ingrid Thöne und Jürgen Grenzemann sie bewohnten. Quelle: HFR
Seedorf-Weitewelt

 Wenn ein Schüler im kleinen Seedorf-Weitewelt mal so richtig Unsinn gebaut hatte, dann durfte er auch schon mal am Nachmittag den Garten hinter dem Schulhaus umgraben oder auch für seinen Lehrer Holz hacken. So berichten es frühere Schüler, wenn sie bei Eckehard Heisinger klingeln und bitten, einmal einen Blick in ihre alte Klasse werfen zu dürfen. Der pensionierte Förster von Ahrensbök und seine Frau Franziska leben seit 2015 im Alten Schulhaus, das als solches längst nicht mehr zu erkennen ist.

Ein-Mann-Schule bis 1974

Johannes Jakobsen hieß der langjährige und letzte Lehrer der Schule in Weitewelt. Er wirkte nach der Schließung seiner Ein-Mann-Schule 1974 noch vier Jahre in der Schlamersdorfer Schule, die alle Kinder des Umlands aus den in den 70ern geschlossenen kleineren Einheiten aufnahm. „Der Lehrer wird als streng, aber sehr gerecht und beliebt beschrieben“, erzählt Diplom-Forstingenieur Heisinger, der vor allem bei den Umbauarbeiten der Schule mit Jakobsens früheren Schützlingen ins Gespräch kam. „Dort stand der große Kachelofen, und da habe ich gesessen wie alle anderen Erstklässler auch “, berichtete zum Beispiel eine ehemalige Schülerin aus Weitewelt. Für heutige Verhältnisse ist es unvorstellbar: Meist nicht viel mehr als ein, höchstens zwei Dutzend Schüler aller Jahrgänge in einem, dem einzigen Klassenraum, die gleichzeitig vom einzigen Lehrer unterrichtet wurden. Mit Erfolg offenbar: „Aus allen von uns ist etwas geworden“, berichtete ein anderer Seedorfer dem heutigen-Schul-Bewohner Heisinger.

Schule seit 1747

Lehrer Johannes Jakobsen hatte stets sorgfältig Buch über die Geschichte der Schule geführt, die 1747 begann, und nach dem Tod des Vaters hatte Lehrerssohn Konrad daraus eine zweibändige Chronik herausgegeben. Die aber sei leider vergriffen, sagte den LN Orts-Archivar Manfred Schmidt.

Seedorfer Ortsteil Weitewelt

Gerademal um die 50 Bewohner hat der Seedorfer Ortsteil Weitewelt, zwischen Kembser und Seekamper See und nur wenige Kilometer vom Großen Plöner See gelegen. Wegen all dieser Seen und intakten Wälder ringsherum wird aus einer vermeintlich engen am Ende dann doch eine weite Welt voller Naturschönheit. Ob das tatsächlich der Grund für die Namensgebung ist, weiß niemand. Laut schleswig-holsteinischem Ortsnamenlexikon sei „Weitewelt“ nur ein Scherzname. Entstanden ist das Dörfchen jedenfalls ab 1825 als Lehnstelle des Gutes Hornstorf. Weitere Seedorfer Ortsteile sind heute Berlin, Schlamersdorf, Seekamp, Blomnath, Kembs und Hornsmühlen. ark

Das heutige Gebäude ist nicht aus dem frühen 18. Jahrhundert, es entstand 1890, nachdem die ursprüngliche Schule abgebrannt war. „Älter als die Schule ist die dazugehörige Scheune. Das hat ein Denkmalschützer anhand der unterschiedlichen Backsteine entdeckt“, sagt Heisinger.

Von der Schule zum Kunstraum

Als die Jakobsens 1977 auszogen, schickte sich ein anderer Lehrer gerade an, ebenfalls den Schuldienst zu verlassen: Jürgen Grenzemann, damals 36, hatte in Kiel-Wellingsdorf gerade sein zweites Staatsexamen als Kunsterzieher abgeschlossen, sich aber dafür entschieden, nicht Studienrat zu werden, sondern sich als freischaffender Künstler zu versuchen. Hervorgetreten war er schon bis dahin vor allem durch Druckgrafik, und dafür braucht es viel Raum, zum Bespiel für die tonnenschwere Druckerpresse. Grenzemann kaufte die Alte Schule und richtete dort seine Galerie und Werkstatt ein. Nicht ohne Schwierigkeiten: So stellte sich heraus, dass sich unter dem schönen alten Holzfußboden des Klassenraums ein 80 Zentimeter tiefer Kriechkeller befand, weil die Schule nämlich 1890 auf einem Sockel errichtet worden war. Die Grenzemannsche Drucker- und die gleichfalls tonnenschwere Buchdruckpresse würde dieser Boden niemals tragen. Also mussten ein Laster voller Kies und viele Helfer her, um den Keller zuzuschütten . . .

„So viel wie die Schule ursprünglich kostete, habe ich noch obendrauf hineinstecken müssen“, sagt Grenzemann heute. Dafür bekam für Jahrzehnte ein für seine Kunst ideal geeignetes Gebäude einschließlich eines Fotostudios samt Labor im ersten Stock. Ungezählte Grafiken, Mappenwerke und Bücher wie „Nordwind – Südwind“, „Toscana“, „Eine Musikkonferenz“ oder „Das Buch, das keiner lesen kann“ (mit Wolfram Eicke) entstanden hier. Beliebt bei Kunden und Käufern war über Jahrzehnte auch der „Tag der offenen Tür“ in Weitewelt, wenn Jürgen Grenzemann vor Ort den Unterschied zwischen Radierung und Holzschnitt demonstrierte, während Lebensgefährtin Ingrid Thöne selbstgebackenen Kuchen reichte. Die Türen von Werkstatt und Galerie mussten ausgehängt werden, so groß war jedes Mal der Andrang.

Die alte Schule in Weitewelt hat viele Schüler, Lehrer und Bewohner beherbergt.

Doch seit den späten 2000ern vernichtete die Macht des Digitalen den Markt für Original-Radierungen, auch für herkömmliche Fotografie interessierte sich kaum noch jemand. Hinzu kam, dass Thöne und Grenzemann sich nicht länger mit dem 4000 Quadratmeter großen Garten abmühen mochten.

Nach dem Künstler kam der Förster

Dem Förster-Ehepaar Heisinger kamen diese Verkaufsabsichten gerade recht: „Wir hatten 22 Jahre lang im Forsthaus am Rande des Ortes gelebt, ohne Nachbarn, mitten in der Natur und in aller Stille und suchten nach meiner Pensionierung etwas gleichwertiges“, sagt Eckehard Heisinger. Erneut wurde die Alte Schule von Weitewelt umgebaut: Aus der „Klasse“ - wie Grenzemann stets seine Werkstatt genannt hatte - wurden Wände herausgebrochen. Nun geht der Blick durch große Glasfronten über ungetrübte Landschaft bis hin zu den Trahnbruchwiesen am Kembser See. Ruhiger als in dieser vermeintlich weiten Welt kann man gar nicht wohnen.

Von Lothar Hermann Kullack

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