Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Die neue Zentrale für Polizeieinsätze
Lokales Segeberg Die neue Zentrale für Polizeieinsätze
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:10 30.06.2018
Elmshorn

In dem dreigeschossigen Neubau, der insgesamt 27,4 Millionen Euro gekostet hat, laufen künftig auch alle rund 120 000 jährlichen Notrufe der Polizeidirektion Bad Segeberg auf. Die 110 Mitarbeiter der kreisübergreifenden Leitstelle werden hier mit der modernsten Technik in drei Arbeitsschichten die jährlich insgesamt 250000 einlaufenden Notrufe bearbeiten und alle Einsätze der Rettungskräfte organisieren. Außer dem Polizeinotruf 110 schickt auch die Rettungsdienstkooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH), der der Kreis Segeberg gerade beigetreten ist, ihre Rettungswagen zu den Verkehrsunfällen und Krankenhaus-Patienten. Die Feuerwehr-Notrufe 112 werden aber weiterhin von Norderstedt aus für den Kreis Segeberg koordiniert, wo die Leitstelle demnächst ebenfalls für eine Millionensumme modernisiert werden soll.

„Nach fünf Jahren Planung kann es jetzt endlich losgehen“, freut sich Stephan Bandlow, der die neue Leitstelle-West leitet. Letzte Malerarbeiten werden zurzeit noch in dem Gebäude mit seinen 60 Räumen auf 4126 Quadratmetern Nutzfläche erledigt. Die aufwendige Technik für den Digitalfunk, die Datenbank und das Alarmsystem, die allein 5,4 Millionen Euro kostet, ist bereits angeschlossen, betont Michael von Malottki, der für die Polizeidirektion Segeberg in der Leitstelle verantwortlich ist. Eine Anlaufphase oder gar einen Fehlstart können sich die Behörden nicht leisten. Dafür steht zu viel auf dem Spiel, jede Verzögerung kann lebensgefährlich sein.

Darum ist hier in der modernsten Rettungsleitstelle in Schleswig-Holstein an alles gedacht worden. Die großen, hellen Räume sind lichtdurchflutet. Die Arbeitsplätze mit jeweils fünf kleineren und einem großen Bildschirm sind nach den neuesten ergonomischen Erkenntnissen geplant worden. Die Tische sind höhenverstellbar. Klima und Lüftung sind so eingestellt, dass es zu keiner Erkältung fördernden Zugluft kommen kann. Sensoren regeln die künstliche Beleuchtung je nach Einfall des Sonnenlichts, das die Arbeitstische von oben und von vorn bestrahlt.

„Auch bei uns herrscht ein großer Fachkräftemangel“, sagt Bandlow. Seine Leitstelle konkurriere um die nötige Anzahl an Disponenten mit den anderen sechs Leitstellen im Land. „Da muss der Arbeitsplatz schon attraktiv sein.“

Große Lagen können besser koordiniert werden

Doch die wichtigste Neuerung ist wohl die Möglichkeit des gegenseitigen Austauschs zur Beratung zwischen Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften, wie sie in der alten Leitstelle so nicht gegeben war. Vor allem schwere Lagen, wie zum Beispiel der Gasexplosion vor vier Jahren in Itzehoe oder den Starkregenfällen vor einigen Wochen in Quickborn, als die Leitstelle 350 Anrufe in der Stunde erhielt, können jetzt viel besser und in aller Ruhe bearbeitet und koordiniert werden. Erst im Nachhinein zeige sich oft, dass eine bessere Absprache zwischen den Institutionen Zeit gespart und die Einsätze viel besser koordiniert hätte, erklärt von Malottki.

Dass dies zwischen Polizei und Rettungsdienst im Kreis Segeberg wegen der unterschiedlichen Leitstellen in Elmshorn und Norderstedt zurzeit nicht möglich ist, bedauert der Polizeibeamte ausdrücklich.

Da gehe viel Koordinierungs-Potenzial verloren.

Völlig neu ist in der neuen Leitstelle auch ein eigens dafür hergerichteter Lageraum mit vier Arbeitsplätzen und einer Kameraüberwachung, bei dem die Disponenten jetzt ihre getane Arbeit hinterher in der Videonachsicht beurteilen, gemeinsam besprechen und optimieren können. So komme es vor, dass bestimmte Informationen manchmal zu spät weitergegeben würden, der Informationsfluss verbessert werden könne, erklärt Bandlow. Das soll jetzt mit Hilfe des neuen Schulungsraumes zum Wohle der Sicherheit der Bevölkerung in vier Kreisen geschehen.

Die für solche Großlagen in Frage kommenden 40 Polizeibeamten, die aus den Dienststellen zusätzlich hierher abgezogen würden, wüssten schon jetzt, welche Telefondurchwahl, E-Mail oder Faxnummer sie hätten, erläutert von Malottki und steht stolz in dem nagelneuen großen Besprechungsraum, den es in der alten Leitstelle so bisher nicht gab.

Alte Leitstelle platzt

aus allen Nähten

Die alte Leitstelle, die nur 300 Meter Luftlinie entfernt auf der anderen Straßenseite nahe der A 23 in Elmshorn liegt, entsprach längst nicht mehr den technischen Anforderungen und platzte aus allen Nähten. Auch die Raumluft-Klimatisierung war so schwach, dass die Mitarbeiter dort oft schwitzen oder frieren mussten. Damit ist es im Neubau vorbei. Zur Sicherheit wird aber dort noch nicht alles abgebaut, damit bei einem Ausfall auf die alte Technik zurückgegriffen werden kann.

Finanziert wird der Neubau aus mehreren Töpfen: So tragen die Krankenkassen etwa 60 Prozent der Kosten, indem sie die Rettungsdiensteinsätze in den Kreisen Pinneberg, Steinburg, Dithmarschen und Rendsburg-Eckernförde begleichen. Die anderen 40 Prozent des kommunalen Teils teilen sich zu jeweils 25 Prozent die Kreise Steinburg und Dithmarschen und zur Hälfte der Kreis Pinneberg. Das Land wiederum finanziert den Teil der Polizeidirektion Segeberg, die auch etwa die Hälfte der Räume dafür langfristig anmieten muss.

Von Burkhard Fuchs

Feuerwehr-Motorradfahrer kommen zu Gottesdienst und Ausfahrt zusammen.

30.06.2018

An der Poul-Due-Jensen-Schule in Wahlstedt haben den Mittleren Schulabschluss bestanden: (10a) Ahmad Al Sahli, Luk Böhsiger, Pia Buckmann, Charleen Carstens, Denis ...

30.06.2018

Die ehemalige Rantzau-Kaserne in Boostedt ist eine von nur noch zwei Erstaufnahmeeinrichtungen in Schleswig-Holstein. Zweite ist die zentrale Aufnahmestelle in Neumünster. Noch bis 2024 sollen in Boostedt Flüchtlinge untergebracht sein.

30.06.2018