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Segeberg Dieser Trainer prägte Generationen
Lokales Segeberg Dieser Trainer prägte Generationen
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19:10 05.05.2018
Gerhard Frank war selbst ein vielseitiger Sportler – ob als Turmspringer, Leichtathlet oder Turner.
Gerhard Frank war selbst ein vielseitiger Sportler – ob als Turmspringer, Leichtathlet oder Turner.
Wahlstedt

Gerhard Frank hat Generationen von Kindern das Schwimmen beigebracht, hat ihnen die ersten Turnübungen gezeigt oder Jugendliche für die Leichtathletik motiviert. Er hat sie auf Reisen mitgenommen. Die „80“ glaubt ihm ohnehin niemand. Der ehemalige Sportlehrer ist rank und schlank, schwimmt täglich noch seine Bahnen, eine Stunde lang. Allerdings ist mit dem Tennis seit Kurzem Schluss: Eine böse Verletzung offenbarte eine „Turnerschulter“. Die Sehne ist im Lauf der Jahrzehnte so dünn gescheuert, dass nur eine Operation helfen würde. Da verzichtet Frank eher aufs Tennis.

Mit diesem Mann verbinden ungezählte Wahlstedter die schönsten Jahre ihres Lebens, nämlich ihre Kindheit und Jugend. Sportlehrer Gerhard Frank wird am Montag 80 Jahre alt.

Wilfried Intert, der spätere Leiter der Schwimmsparte im SV Wahlstedt, hatte Frank 1965 aus Neumünster nach Wahlstedt geholt. Von Beginn an war er nicht allein Vereinstrainer, sondern gab auch Sportstunden an der früheren Grund- und Hauptschule. Auf dem zweiten Bildungsweg wurde er dann „voller“ Lehrer und prägte mit seinem späteren Kollegen Klaus Pahnke-Martsch den Sport an der Astrid-Lindgren-Schule, zuletzt eine reine Grundschule. Drei Turn-Landesmeistertitel holte die Schule, an der Frank von 1965 bis 2003 unterrichtete. „Das Besondere daran war, dass dies Klassenwettbewerbe waren. Auch die schwächeren Turner mussten mitmachen und wurden von den stärkeren ermuntert. Meister waren dann alle gemeinsam, auch die Schwächeren.“

Heute wird kaum noch geturnt, jedenfalls nicht im Verein. Das schiebt Frank nicht allein auf die „Wischgesellschaft“ (so nennt er den Umgang der jungen Generation mit dem Smartphone), sondern auch auf den Ganztagsunterricht: „Da hat am Nachmittag eben niemand mehr Bock auf Vereinssport – die Jugendlichen nicht und kaum noch ein Lehrer.“

Dass es zu seiner Zeit anders war, belegen erfolgreiche Wahlstedter Leichtathleten wie Egon Woyda und Michael Jaacks, Schwimmer wie Rainer Jucknies, Winnie Walkows oder Eckhard Schmidt oder auch Turnerinnen wie Manuela Kar, Sabine Gripp oder Evelin Stolten, die Frank allesamt zu überregionalen Meisterschaften führte.

Es waren längst nicht allein die Höchstleistungen, die zählten. Frank schmunzelt noch heute darüber, wie er und Schwimmmeister Walter Walkows mal den Hubboden des Beckens nutzten. Der konnte bis zu einer verbleibenden Wassertiefe von zehn Zentimetern hochgefahren werden. Schwimmmeister und Sportlehrer taten das und schütteten zugleich eine Menge Tischtennisbälle ins Wasser. Denen durften dann die Kleinkinder „hinterherschwimmen“, um die leichten Bälle ein Stückchen weiter zu pusten. Und siehe da: Den Kleinen machte das so viel Spaß, dass sie in der nächsten Stunde schon richtig schwammen, selbst als der Wasserspiegel unvermittelt wieder tiefer gestellt wurde.

Die Eltern zogen mit. „Sport-Familien“ wie die Iwanschitz‘ oder Bornholdts (Tochter Manon startete 1968 bei den Spielen von Mexiko) übernahmen Aufgaben im Verein. Dieses erfolgreiche Engagement blieb Sportförderern nicht verborgen. Zum ersten großen Turnkampf in Wahlstedt gegen den SV Adelby erschienen in den späten 60ern die Wahlstedter Industriellen Henkel, Pelz und Rothfos. „Gibt es irgendeinen Wunsch, Herr Frank?“ fragte am Ende Cuno Rothfos (Arko), der von den Wettkämpfen ebenso begeistert war wie seine Kollegen. „Wir haben keinen Olympia-Barren und nur einen klapprigen Schwebebalken“, entgegnete Frank. Die Männer der Industrie: „Bestellen Sie, Herr Frank!“

Ein langes, erfolgreiches Sportler- und Trainerleben . . . und hier war nicht einmal genügend Raum, um von Franks Teilnahme als 62-Jähriger an der WM 2000 im Kunstspringen zu erzählen („Da hatte ich aber keine Chance und wurde Letzter“)oder von den Lehramtskandidaten, die er in den Fächern Technik, Heimat- und Sachkunde, Technik und Sport durchbrachte. Oder von den vielen Ehrenämter im Sport oder, oder . . .

Morgen wird Gerhard Frank Rückschau halten auf dieses lange Sportlerleben und dabei vor allem eines nicht vergessen: „Ohne den Rückhalt meiner Frau Ursula hätte ich das alles nie geschafft.“ Blumen streute 1967 bei ihrer Hochzeit übrigens der kleine Butscher Frank Intert – heute selbst Förderer des Sports in Wahlstedt und Präsident des Landestennisverbandes.

 Von Lothar Hermann Kullack