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Segeberg Dörpsmobil-Idee in Tangstedt und Kayhude begraben
Lokales Segeberg Dörpsmobil-Idee in Tangstedt und Kayhude begraben
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16:29 05.11.2019
Noch fehlen der Anschluss und das Bewusstsein. Aber Evelyn und Eberhard Krauß aus Kayhude sowie Ralf Stuchlik (rechts) aus Tangstedt kämpfen weiter für ein Dörpsmobil in ihren Gemeinden. Foto: Fuchs Quelle: Burkhard Fuchs
Kayhude/Tangstedt

Es war alles schon fix und fertig ausgedacht: Der Kaufpreis für das Elektrofahrzeug, der Ort an der B432/B75, wo es stehen, und die Gebühr, die es kosten sollte. Doch die Initiatoren von den Grünen aus Tangstedt und Kayhude, die ein vom Land gefördertes „Dörpsmobil“ für jene Bürger in ihren Gemeinden anschaffen wollten, die vor allem im Alter mobil bleiben wollen, wurden enttäuscht. „Die Zeit scheint dafür noch nicht reif zu sein“, sagt Ralf Stuchlik, Gemeindevertreter der Grünen in Tangstedt. „Wir lassen das Projekt jetzt zunächst einmal ruhen und suchen aber nach Alternativen“, sagt der Mitinitiator Eberhard Krauß, Vize-Bürgermeister von Kayhude.

Vor zwei Monaten hatten beide in das Gemeindezentrum von Kayhude eingeladen und sich dort vor gut 20 interessierten Zuhörern von Projektleiter Timo Wiemann das „Dörpsmobil“-Projekt vorstellen lassen. Vor drei Jahren im Dorf Klixbüll in Nordfriesland begonnen, haben sich landesweit inzwischen rund 25 Vereine und Gemeinden zusammengeschlossen, um ihren Bürgern zu einem günstigen Preis ein ständig aufgeladenes Elektromobil für private Fahrten, zum Einkaufen oder für den Arztbesuch anzubieten. Im Kreis Segeberg beziehungsweise Stormarn wäre das angedachte „Carsharing“ zwischen Kayhude und Tangstedt das erste dieser Art gewesen.

Nur eine Rückmeldung

Doch die Resonanz blieb dann doch hinter den Erwartungen zurück, wundern sich die Initiatoren Krauß und Stuchlik. 500 Handzettel mit detaillierter Projektbeschreibung habe er in Kayhude in die Briefkästen verteilen lassen, berichtet Vizebürgermeister Krauß. „Leider gab es nur einen Rücklauf.“ Ähnlich verhalten blieben die Rückmeldungen in Tangstedt, erzählt Stuchlik. Als er dem Seniorenbeirat im Ort das Konzept vorstellte, hätten die zwar wohlwollend genickt. Aber sie bräuchten auch noch einen Fahrer als Chauffeur, ließen sie ihn wissen. Was Seniorenbeiratsvorsitzender Jürgen Zweifel bestätigt. Wer noch selbst fahren könnte, würde lieber sein eigenes Fahrzeug nehmen. Wenn das nicht mehr ginge, könnte er auch kein öffentlich gefördertes E-Mobil mehr alleine fahren, erklärt Zweifel die Crux. Und dann auch noch das Problem des richtigen Standortes: „Was nützt mir ein Dörpsmobil in Wilstedt, wenn ich im Ortsteil Wiemerskamp wohne?“

Abgehängt vom öffentlichen Nahverkehr

Dabei seien die Menschen in Tangstedt vom öffentlichen Nahverkehr geradezu abgehängt, verweist Zweifel auf den Kern des Problems. „Zwischen 8.30 und 15 Uhr fährt kein Bus mehr in Richtung Duvenstedt.“

Aber offensichtlich scheint die Not der Menschen in Tangstedt und Kayhude noch nicht groß genug zu sein, was ihre Mobilität angeht. Eine ältere Dame aus seinem Ort, die sehr interessiert am Dörpsmobil war und ihren Enkel bereits als ihren persönlichen Fahrer ins Spiel brachte, habe sich nun dem Fahrdienst eines kirchlichen Trägers angeschlossen, berichtet Krauß.

Am kalkulierten Preis ihres Dörpsmobil-Angebotes jedenfalls dürfte die geringe Resonanz nicht gelegen haben. Sechs Euro im Monat sollte die Vereinsmitgliedschaft kosten sowie 36 Cent je gefahrenen Kilometer oder zwei Euro die Stunde plus 20 Cent pro Kilometer, rechnet Krauß vor. „Das wäre doch nicht nur für alte Leute, die keinen Führerschein oder kein Auto mehr haben, interessant“, glaubt Ehefrau Evelyn Krauß. „Auch für junge Mütter mit Kindern ist das doch ideal.“ Und für Jugendliche, die am Wochenende nach dem Ausgehen sicher wieder nach Hause kommen wollen, wäre es als „Disco-Bus“ denkbar.

Busfahrten für Senioren mit dem Tafelbus

Aber die Mobilitätsmacher von Norderstedts Umlandgemeinden lassen sich von diesem Rückschlag nicht entmutigen. Krauß, der jahrelang die Transportfahrten von Lebensmitteln der Kaltenkirchener Tafel in das Gemeindehaus im Nachbarort Nahe organisierte, will dieses Busangebot nun für weitere öffentliche Zwecke nutzen. Die Gemeinde Nahe verfüge über diesen Bus, der außer für die Tafel am Montag ja auch anderweitig genutzt werden könnte. Acht Fahrer, die sich bei den wöchentlichen Tafelfahrten abwechselten, gebe es auch, die womöglich auch für Seniorenfahrten zur Verfügung stehen könnten, denkt Krauß schon weiter. Er werde jetzt mit dieser Idee die Verantwortlichen im Nachbarort zu überzeugen versuchen.

Stuchlik könnte Ähnliches mit dem Vereinsbus des WSV Tangstedt versuchen, sofern der noch Kapazitäten frei hätte. Beide Dörpsmobil-Enthusiasten sind fest davon überzeugt, dass dieses landesweit wachsende Angebot richtig und wichtig auch und gerade in den kleineren Orten im Kreis Segeberg wäre. Es war nur etwas zu früh für Kayhude und Tangstedt. „Es fehlt offenbar noch das Bewusstsein dafür“, zeigt Krauß Verständnis.

Von Burkhard Fuchs

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