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Segeberg Ein Fahrrad nicht nur für den Großeinkauf
Lokales Segeberg Ein Fahrrad nicht nur für den Großeinkauf
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21:56 28.07.2016
Der Erste Stadtrat Thomas Bosse ließ sich von der SPD-Landtagsabgeordneten Katrin Fedrowitz in einem der Lastenräder durch die Gegend kutschieren. Quelle: Fotos: Fuchs
Norderstedt

Dies sei ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu einer klimafreundlichen Verkehrs-Mobilität, sagte Stadtrat Thomas Bosse. Zeitgleich mit der Stadt Konstanz am Bodensee hat die Stadt Norderstedt jetzt das größte Leihsystem für Transport-Fahrräder eingeführt.

Bundesforschungsprojekt: Norderstedt führt für zunächst zwei Jahre gemeinsam mit Konstanz größtes Leihsystem für Transporträder ein.

Gefördert wird das 470 000-Euro-Projekt vom Bundesverkehrsministerium, wissenschaftlich begleitet wird es für zwei Jahre von einem Forschungsinstitut. So können die Norderstedter Bürger nun an den bereits vorhandenen 14 Nextbike-Stationen in der Stadt, wo es bislang 75 normale Fahrräder auszuleihen gab, nun auch 24 hochwertige, zwei- bis dreirädrige Fahrräder ausleihen, in denen sie ihre Kinder, Getränkekisten oder den großen Wochenend-Einkauf bequem transportieren können.

Initiiert hat dieses Projekt der Konstanzer Umweltpsychologe Marco Walter vom „e-fect Institut“. Er überzeugte die beiden Städte mitzumachen und stellte einen Forschungsantrag beim Verkehrsministerium, das nun 80 Prozent der Kosten trägt. Beide Orte verfügen über jeweils 24 Lastfahrräder, die pro Stück etwa 2500 Euro kosten und die sie nach der zweijährigen Projektphase behalten dürfen. Währendessen solle wissenschaftlich untersucht werden, ob das Angebot solcher Transporträder die Menschen wirklich dazu bewegen kann, beim Einkaufen oder Transportieren von Dingen vom Auto auf ein solches Transportrad umzusteigen, beschreibt Initiator Walter den Forschungsauftrag.

Einen ersten Versuchsballon dazu hat es auf dem autofreien Straßenfest im vorigen September in Norderstedt gegeben, berichtet Projektleiter Walter. Die Besucher konnten diese Räder mit den fest installierten Seifenkisten-Gepäckräumen vor dem Lenker kostenlos ausprobieren. Zudem seien 150 Norderstedter danach befragt worden, was ihnen dabei wichtig sei. „Den meisten waren die Qualität und Bequemlichkeit wichtiger als der Preis“, fasst Walter eines der Ergebnisse zusammen. Und so verfügen die Transporträder „made in Holland“ über eine stabile Konstruktion und eine Acht-Gang-Nabenschaltung. Ausgeliehen werden können die Lasträder an den 14 Nextbike-Stationen, die vom Herold-Center bis zum Zob in Norderstedt-Mitte im ganzen Stadtgebiet verteilt sind. Die erste halbe Stunde ist frei, jede weitere koste einen Euro, höchstens neun Euro je 24 Stunden, beschreibt Vertriebsleiter Marco Weigert das System. Das gebe es inzwischen in 100 Städten in 17 Ländern und für das man sich einmal im Internet (www.nextbike.de) registrieren lassen muss. „In Norderstedt wird jedes Nextbike-Rad etwa dreimal am Tag ausgeliehen, in Köln sogar zwölfmal am Tag“, erklärt Weigert.

Ziel solle es sein, dass sich noch andere Städte diesem Transportrad-Leihsystem anschließen, kündigt Projektleiter Walter an. Für die Stadt Norderstedt, die sich mit 35000 Euro an den Kosten beteilige, wäre es ein großer Erfolg, wenn die Supermärkte sich dieser Aktion anschlössen und ihrerseits Lasträder ihren Kunden zum Abtransport der Einkäufe zur Verfügung stellten, sagte Stadtrat Bosse. „Ich kann nur sagen, es macht großen Spaß, darin transportiert zu werden.“

 Burkhard Fuchs