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Segeberg Ein Happy End für Antje Mohr?
Lokales Segeberg Ein Happy End für Antje Mohr?
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21:10 09.03.2013
Als die LN im November bei Antje Mohr waren , guckte sie skeptisch. Womöglich kann sie demnächst zufrieden dreinblicken — dann nämlich, wenn die Tennet den Wertverlust ihrer Immobilie ausgleicht. Quelle: Fotos: Spreer
Alveslohe

Gibt es eine kleine Hoffnung für Antje Mohr? Sie bewohnt ein einsam gelegenes Wohnhaus direkt an der A 7. So weit, so schlecht. Wie berichtet, plant der Netzbetreiber Tennet TSO in unmittelbarer Nähe zum Anwesen von Antje Mohr auch noch eine 380 kV-Leitung zu bauen. Dann wäre das Grundstück endgültig entwertet, es dürfte eine der am schlechtesten gelegenen Immobilien sein. Die Crux für die Frau Mohr: „Nüchtern betrachtet, hat sie kein Anrecht auf einen Wertausgleich.“ Das sagte den LN Alexander Greß, Pressesprecher der Tennet. Er deutet jedoch ein Entgegenkommen der Firma an.

Streng genommen werde Frau Mohr von der Starkstromleitung nicht unmittelbar betroffen sein. Denn die Tennet will keinen der 60 Meter hohen Masten auf Mohrs Grundstück stellen. Und die Leitungen werden auch nicht über ihr Land geführt. In beiden Fällen gäbe es eine (eher geringe) finanzielle Entschädigung. Masten und Leitungen sind allerdings ganz nah an Mohrs Haus vorgesehen — etwa 80 Meter. Und dafür stehe ihr zumindest moralisch sehr wohl eine Entschädigung zu, findet Bürgermeister Peter Kroll: „Wenn ich aus dem Fenster schaue und sehe dort 100 Meter links einen Mast und 50 Meter rechts einen und dazwischen massenhaft Leitungen — nur Strom, nur elektromagnetische Felder: Da kann ich doch nicht leben!“ Und genau davor hat die 64-Jährige Angst. Denn in ihrem Haus wohnen auch zwei Söhne mit Herzrhythmusstörungen. Wie werden sie auf die Strahlen, die von den Masten ausgehen, reagieren?

Ganz kalt lässt dies die Tennet offenbar nicht. Greß: „Wir sehen auch in der Familienkonstellation eine besondere Härte und versuchen eine Lösung zu finden und zu einer gütlichen Einigung zu kommen.

Wir müssen auch mal einen Sonderweg gehen.“ Das Haus sei zwar nicht modern und wegen der nahen Autobahn eh schwer zu vermieten. Aber: „Wir versuchen, der Familie Mohr entgegenzukommen.“ Freilich sei man ein reguliertes Unternehmen und könne nicht mit dem Geldkoffer über Land ziehen. Dennoch sei man bereit, über einen Wertausgleich mit Frau Mohr und der Gemeinde zu reden. Greß: „Es wird aber kein schriftliches Angebot geben. Wir haben denen jetzt das Verkehrswertgutachten ‘rübergeschickt und warten auf einen Gesprächwunsch. Der Ball liegt im Moment in ihrem Feld.“ Soll heißen: Die Initiative sollte von Frau Mohr ausgehen.

Zwar sei die Tennet der Gemeinde bei der Planung der sogenannten Alternativtrasse zur bestehenden Trasse, die durch Henstedt-Ulzburg verläuft, in mancherlei Hinsicht entgegengekommen. Dennoch kritisiert Bürgermeister Kroll, „dass man die Einzelinteressen nicht berücksichtigt und die Betroffenen nicht vernünftig entschädigen will“. Etwa 20 Bürger lebten in direkter Nähe zur geplanten Trasse. Sie alle seien fair zu entschädigen. Denn: „Es kann nicht sein, dass die mit ‘nem Butterbrot und ‘nem Ei abgespeist werden. Und genau das passiert.“

Zwar sieht Kroll — und auch der Büroleitende Beamte des Amtes Kaltenkirchen-Land, Torsten Ridder, dass die bestehende 220 kV-Trasse nicht ausgebaut werden kann, weil sie inzwischen dicht besiedelt ist. Beide haben jedoch Bauchschmerzen, dass die neue Trasse, sobald sie fertig ist, eine Bestandstrasse sein wird. Kroll: „Und die darf man später ausbauen.“ Eine Horrorvorstellung für ihn. Derzeit lehnt die Gemeindevertretung die geplante Trasse einhellig ab. Zunächst warte man den Planfeststellungsbeschluss ab. Und der werde dann juristisch geprüft. Außerdem sei noch immer nicht sicher, dass die Tennet nicht in Alveslohe oder in direkter Nähe ein Umspannwerk bauen werde — ein zehn bis 15 Hektar großes Bauwerk, gegen das massiv gekämpft wird.

Wie Tennet-Sprecher Greß sagte, rechne sein Unternehmen damit, dass die Unterlagen, die derzeit bei der Planfeststellungsbehörde in Kiel lägen, im zweiten Quartal 2013 ausgelegt würden. „Wir planen immer noch, mit dem Bau 2014/2015 zu beginnen.“ Die Errichtung sei bis 2017 geplant.

Alveslohe will mehr Lärmschutz an der A 7
Die Gemeinde Alveslohe und auch Antje Mohr kämpfen derzeit an zwei Fronten: gegen die 380 kV-Leitung und gegen den Ausbau der Autobahn A 7.

Den Ausbau heißen zumindest Bürgermeister Peter Kroll und der Verwaltungschef des Amtes Kaltenkirchen-Land, Torsten Ridder, grundsätzlich gut. Allerdings fordern sie — wie auch Antje Mohr — mehr Lärmschutz. Die A 7 soll von jetzt vier Spuren auf sechs verbreitert werden. Das bringt mehr Verkehr und mehr Lärm mit sich.

Die Gemeinde fordert von der Deges (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH — sie plant den Ausbau, den später eine private Firma realisieren und unterhalten soll) „einen Vollschutz“ in ihrem Bereich. Die Lärmschutzwälle und -mauern seien „lückenlos mit maximaler Höhe (bzw. zwölf Meter) zu errichten, und es ist offenporiger Asphalt zu benutzen“. So steht es in der Stellungnahme der Kommune für den Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Kiel. Derzeit ist der Lärmschutz vier bis sieben Meter hoch geplant. Freilich ist dies nur ein frommer Wunsch der Alvesloher, Druckmittel hat die Kommune de facto nicht. Ridder: „Unser Rechtsanwalt hat vom Rechtsstreit abgeraten, weil es keine Klagebefugnis der Gemeinde gebe.“ Im Klartext: Gemeinden können keinen Lärmschutz reklamieren — nur Privatpersonen.

Kroll: „Uns ging es vor allem um den Lärmschutz im Pinnautal. Das haben die (die Deges) schlicht abgeblockt.“ Da dort so gut wie keine Menschen lebten, also keine Personen unmittelbar betroffen seien, wurde argumentiert, dass vom Lärmschutz dort lediglich ein Naherholungsgebiet profitieren würde. Ridder: „Laut Aussage unseres Anwaltes gibt es aber kein Recht auf Naturschutz.“ Allerdings, ergänzt Kroll: Bei Ostwind dringe der Lärm von der A 7 in den Ort. Wer auf der Terrasse sitze, höre dann nur noch die Autobahn. Doch die Deges lehne die zwei Millionen Euro teure Investition ab.

Richtig „gekniffen“ ist nach dem Urteil von Ridder und Kroll einmal mehr Antje Mohr, über die die LN mehrfach berichteten. Ihr Grundstück an der Kadener Allee liegt etwa 150 Meter von der A 7 entfernt. Es ist irre laut dort: 70 000 Autos rauschen täglich vorbei. Künftig sollen es über 90 000 sein. Durch die Verbreiterung rückt ihr die Autobahn noch näher. Problem: Weil direkt entlang der Autobahn eine kleine Straße verläuft, kann dort kein Lärmschutzwall gebaut werden, sondern nur eine kurze Wand. Noch schlimmer: Bei Frau Mohr vor der Tür — sie wohnt mit ihrer Familie dort ganz allein — ist die Lärmschutzwand nur zwei bis drei Meter hoch geplant. Auf der anderen Straßenseite ist dagegen ein Wall von sechs Metern Höhe vorgesehen. Dies wird demzufolge eine mächtige Reflektion der Geräusche hin zu den Mohrs nach sich ziehen. Bisher, so Kroll, habe die Gemeinde dort die Verlängerung der Wand auf 200 Meter gefordert: „vergebens“. Antje Mohr bleibe vermutlich nur der Rechtsweg.

Die Crux mit den Planern ist nach Ridders und Krolls Einschätzung: „Die Deges macht, was sie machen muss.“ Und zwar genau so viel (oder so wenig), dass sie vermutlich keine Klage vor Gericht verlieren werde.

Christian Spreer Christian Spreer

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