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Segeberg Ein erfolgreiches Konzept: Bei „Hempels“ gibt‘s auch Sofas
Lokales Segeberg Ein erfolgreiches Konzept: Bei „Hempels“ gibt‘s auch Sofas
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21:51 16.02.2015
Andrè Klinger (l.) und Martin Sandhof sind die Initiatoren des Gebrauchtwarenhauses „Hempels“ in Norderstedt.
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Norderstedt

Eigentlich sollte diese Entscheidung nur für ein saubereres Straßenbild sorgen. Doch nun entpuppt sich die 2011 in Norderstedt getroffene Regelung, den Sperrmüll nur noch auf Abruf abzuholen und nicht mehr an einem Tag überall auf die Straße zu werfen, als erfolgreiches Geschäftsmodell. So hat die Stadt als Umschlagsbörse für Haushaltsauflösungen aller Art das Gebrauchtwarenhaus „Hempels“ gegründet, das nun im Januar einen Rekordumsatz von 70000 Euro erwirtschaftet hat.

„Das ist eine echte Erfolgsgeschichte“, freut sich Betriebsleiter André Klinger. Täglich strömten im Durchschnitt 250 Kunden aus Norderstedt und dem Kreis Segeberg in den mit 1700 Quadratmeter geräumigen Second-Hand-Laden, um nach günstigen Klamotten, Möbeln, Geschirr, Teppichen, CDs und Elektrogeräten Ausschau zu halten. 50000 verschiedene Artikel umfasst das Sortiment inzwischen, von Kleinteilen für 50 Cent bis hin zu antiken Uhren, das täglich 70 Bürger mit ihren ausrangierten Haushaltsdingen wieder auffrischen.

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„Viele Kunden sind inzwischen regelmäßig bei uns“, sagt Klinger. Was die einen nicht mehr gebrauchen könnten, habe plötzlich für andere wieder einen persönlichen Wert. Manche entdeckten in vielen Dingen einen neuen Retro- Charme oder fühlten sich nostalgisch an frühere Zeiten erinnert, wenn sie sich hier für ein altes Stück entscheiden. „Alle Sachen können hier angepasst und ausprobiert werden“, sagt Klinger. „Das ist anders als beim Kauf im Internet. Wer zu uns kommt, sucht nicht das Schnäppchen, sondern eher das Schätzchen.“ Mit dieser positiven Entwicklung habe vorher niemand rechnen können.

Diese Strategie der Wiederverwertung von ausrangierten Möbeln und Haushaltsdingen senke auch die Müllmenge in der Stadt und stabilisiere damit langfristig die Abfallgebühren, die ohnehin seit einem Jahrzehnt in Norderstedt nicht angehoben wurden, sagt Betriebsamtsleiter Martin Sandhof. Jede Tonne weniger, die die Stadt über den Wege-Zweckverband Segeberg entsorgen müsse, spare zurzeit 150 Euro.

Immerhin 12000 Tonnen Restmüll aus Norderstedt würden jedes Jahr im Ofen am Volksparkstadion in Hamburg verbrannt. Sandhof: „Wir müssen weg von der Wegwerfgesellschaft.“

Bei „Hempels“ arbeiten heute 18 städtische Mitarbeiter, die dort weit mehr als den Mindestlohn erhielten, betont Sandhof. Darunter seien auch einige Menschen mit körperlichen und geistigen Handicaps, denen die Stadt eine sinnvolle Arbeit, eine Perspektive und einen sicheren Arbeitsplatz geben wollte. Sie holen die Sachen zum Teil bei den Bürgern ab, sortieren und bewerten sie und zeichnen sie aus. Das führt zu erheblichen Regiekosten, die bei einem Jahresumsatz von 680000 Euro im vorigen Jahr noch nicht kostendeckend waren, gibt Sandhof zu. Doch mit dem auf 70000 Euro gesteigerten Januar-Ergebnis würde aufs Jahr hochgerechnet kein Minus mehr übrigbleiben. Zumal die etwa 200 Tonnen eingesparten Müllmengen da noch hinzugerechnet werden müssten. Sandhof: „An ,Hempels‘ verdienen keine privaten Firmen. Nutznießer dieses Modells sind ausschließlich die Stadt Norderstedt, unsere Kunden sowie die Umwelt und die Gebührenzahler.“

Um auch diejenigen noch besser zu erreichen, die länger arbeiten müssten, verlängert „Hempels“ in der Stormarnstraße 34-36 nahe dem Stadtpark im März seine Öffnungszeiten um eine Stunde bis 18 Uhr.

Es ist dann montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr und sonnabends von 10 bis 15 Uhr geöffnet.

„An ,Hempels‘ verdienen keine privaten Firmen.“
Betriebsamtsleiter Martin Sandhof

Burkhard Fuchs