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Segeberg Eine Flugautobahn für Segebergs Fledermäuse
Lokales Segeberg Eine Flugautobahn für Segebergs Fledermäuse
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20:10 27.04.2018
Der Dunkelkorridor für die Fledermäuse beginnt am BBZ-Parkplatz (1), verläuft dann zwischen BBZ und der Grünfläche (2) weiter in Richtung Kaiser-Lother-Allee (3). Quelle: Fotos: Glombik, Fotolia
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Bad Segeberg

Der Schutzstreifen beginnt beim BBZ-Parkplatz am Nelkenweg, verläuft südlich der Kreissporthalle parallel zur Burgfeldstraße bis zum südlichen Ende der Kaiser-Lothar-Allee. Und weil die Flächen Stadt und Kreis gehören, machen sie gemeinsame Sache. Einige Maßnahmen sind schon konkret, andere müssen bei neuen Bauvorhaben umgesetzt werden.

Sie übertreffen die Einwohnerzahl Bad Segebergs, und nicht nur deshalb bekommen die Fledermäuse eine offizielle Flugstraße: Stadt und Kreis haben sich dazu verpflichtet, am Nelkenbach einen Dunkelkorridor zu schaffen. Auf 500 Metern können die Tiere dann ungestört fliegen.

Am Freitag ist das vertraglich vereinbart worden. „Das ist großartig, denn wir wollen möglichst viel für Fledermäuse erreichen“, sagt der Forschungsleiter am Fledermauszentrum Noctalis, Florian Gloza-Rausch. „Es ist genau der richtige Weg. Die Welt guckt da auf Segeberg, und das können wir positiv nutzen.“ Bisher suchen sich die Tiere ihre Wege selbst. Kreisberufsschule, zunehmender Verkehr auf der Bundesstraße und ein neues Gewerbegebiet machen das nicht unbedingt einfacher. „Für Fledermäuse ein eigenes Gebiet auszuweisen und damit eine Route langfristig zu sichern, ist völlig neu“, sagt er. Mit diesem Dunkelkorridor werde eine alte Flugroute wiederhergestellt. Beobachtungen hätten gezeigt, dass sie zwar nicht stark beflogen werde, aber den Tieren immer noch bekannt ist.

Die Flugstraße soll vor allem eines sein: dunkel. Denn Fledermäuse sind nachtaktiv. Unter anderem werden deshalb Gehölzstreifen angelegt, die Licht schlucken. Los geht es damit an der Grenze zum Bebauungsgebiet Burgfelde. Die Maßnahme will der Kreis bis zum Frühjahr 2019 abschließen. Weiter nördlich errichtet die Stadt einen Knick. Bis zum BBZ werden vom Kreis weitere Gehölze gepflanzt. Auf Freiflächen sollen Gräser und Stauden wachsen. Und schließlich wird die zuvor kritisierte Beleuchtung am BBZ weiter überarbeitet. Lampen sollen versetzt, Lichtkegel abgewendet und das Farbspektrum angepasst werden. Um den Parkplatz sollen ebenso Gehölze in drei Reihen gepflanzt werden. Die Maßnahmen kosten insgesamt etwa 125000 Euro.

„Wir waren uns schnell einig, dass das eine gute Idee ist“, sagt Landrat Jan Peter Schröder. Es sei eine Win-win-win-Situation: gut für die Fledermäuse, vorbildhaft für andere Gemeinden und eine klare Vorgabe für künftige Bauvorhaben. „Angrenzend wird es immer Baubeeinträchtigungen geben, aber nicht signifikant. Mit dieser Vereinbarung ist es möglich, dass Gehölzstrukturen und Lichtbedingungen nicht entscheidend berührt werden“, so Kreisbauamtsleiter Thomas Falck. „Wir sind nicht nur mit dem Artenschutz, sondern auch rechtlich, planerisch und fachlich auf der sicheren Seite“, sagt Antje Langethal, Amtsleiterin Bauen und Umwelt bei der Stadt Bad Segeberg.

Die Flugrouten der Fledermäuse führen von den Sommerlebensräumen zum Winterquartier in den Kalkberghöhlen. „Es ist auch aus wissenschaftlicher Sicht interessant, wie das mit den neuen Maßnahmen funktioniert“, sagt Florian Gloza-Rausch. „Mit Sicherheit lassen sich die Tiere dort künftig sehr gut beobachten. Vielleicht so gut, dass man Exkursionen machen kann.“ Aber zunächst wolle man Erfahrungen sammeln. Denn die Tiere müssten diese Route schließlich auch erst einmal erreichen. Vom BBZ bis zum Kalkberg gibt es mehrere Wege, vor allem entlang von Gärten, aber auch die B 206 ist zu überwinden. Der neue Dunkelkorridor ist 10 bis 23 Meter breit. „Die Tiere können dann so fliegen, wie sie es fledermäusisch für richtig halten“, so Landrat Schröder.

Die Kalkberghöhlen gehören zu den bedeutendsten Winterquartieren für Fledermäuse in Mitteleuropa. Sie sind als Flora-Fauna-Habitat ausgewiesen; zudem sind sie durch eine Naturdenkmalverordnung geschützt. Auch die Tiere selbst stehen unter Naturschutz.

Flugzeiten

Fast das ganze Jahr über sind Fledermäuse in Segeberg unterwegs. Mitte Februar bis Mitte April verlassen Hunderte pro Nacht das Winterquartier. Von Mai bis Juni beginnen die Männchen auszuschwärmen, um Quartiere zu suchen. Die Schwärmphase erreicht Ende August bis Ende November ihren Höhepunkt; es ist der Einwanderungsprozess der Winterschläfer. Dabei werden Jungtiere von den Erfahrenen zum Kalkberg begleitet. Mehr als 25000 Tiere hängen schließlich im Winterschlaf von den Höhlendecken.

 Irene Burow