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Segeberg Einmalig in Deutschland: Parkinson-Wohnprojekt in Bad Segeberg geplant
Lokales Segeberg Einmalig in Deutschland: Parkinson-Wohnprojekt in Bad Segeberg geplant
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07:00 14.09.2019
Sechseckig, architektonisch ambitioniert und trotzdem für die kranken Mieter bezahlbar: Die neue Wohnanlage mit vier großen Häusern an der Burgfeldstraße. Quelle: GenoTrend
Bad Segeberg

Bad Segebergs Stadtvertreter haben kürzlich grünes Licht gegeben: An der Burgfeldstraße soll eine Wohnanlage für Parkinson-Kranke gebaut werden. Das Millionen-Vorhaben soll im hinteren Bereich der Burgfeldstraße, in der Nachbarschaft zur Kreissporthalle errichtet werden. Die Stadt Bad Segeberg hat ihr Grundstück für das Projekt freigegeben.

Jetzt liegen den LN detaillierte Pläne zu dem Projekt auf dem 7340 Quadratmeter großen Grundstück vor. Es sind dreistöckige, sechseckige Gebäude geplant. Projektentwickler ist die GenoTrend Projektgruppe aus Bad Segeberg. Das Vorhaben an der Burgfeldstraße werde durch ein Netzwerk vorbereitet und getragen, teilt Projektentwickler Bernhard Agte mit. „Nach unserem Informationsstand wird dies deutschlandweit das erste parkinsonspezifische Wohnprojekt sein, das in genossenschaftlicher Form entsteht.“

Bernd Braun setzt auf Musik, singen, tanzen und Theaterspiel als wirksame Therapie. Quelle: LN-Archiv

Anlage mit 40 bis 50 Einheiten

Die Mietpreise sollen erschwinglich sein, schon deshalb soll eine noch zu gründende Genossenschaft als Bauherr auftreten. Entstehen soll danach eine Wohnanlage mit 40 bis 50 Wohneinheiten mit Größen von 55 bis 120 Quadratmetern. Ausdrücklich vorgesehen ist das Wohnen mit mehreren Generationen, mit der Familie. Dabei liege der Fokus darauf, den an Parkinson erkrankten Menschen eine bessere Lebensqualität und Versorgung zu ermöglichen. Die Mitglieder der Genossenschaft sollen Wohnungen bekommen, die ihnen auch bei zunehmender Verschlechterung der Gesundheit weiterhin alle Möglichkeiten bieten.

Bis zu 400 000 Menschen betroffen

Die Erkrankung ist gekennzeichnet durch gestörte Bewegungsfähigkeit, deren Ursache in einer vermehrten Muskelspannung liegt. Sie kann sich über Jahrzehnte fortentwickeln. Etwa 250 000 bis 400 000 Menschen leiden in Deutschland an Morbus Parkinson. Der selbst an Parkinson erkrankte Bernd Braun, Vorsitzender des Fördervereins „Parkinson bewegt“ und Leiter der Selbsthilfegruppe Segeberg, stellte das Wohnprojekt kürzlich den Stadtpolitikern im Rathaus vor. Für ihn sei vor allem das „künstlerisch aktivierenden Verfahren“ der Schlüssel für eine Bewältigung der Krankheit und vor allem für den Erhalt der Stimme.

Das Parkinson-Wohnprojekt soll im hinteren Bereich der Burgfeldstraße entstehen. Quelle: Wolfgang Glombik

  Musizieren, singen, tanzen und Theater spielen werden als künstlerisch aktivierende Tätigkeiten angesehen, die sich auf Parkinson-Patienten positiv auswirken. Weil in dem Neurologischen Zentrum in Bad Segeberg hierbei so gute Erfahrungen gemacht wurden, sollen auch bei diesem genossenschaftlichen Wohnprojekt Therapieflächen für Kunst und Kultur eingerichtet werden.

Auch Bedürftige können hier wohnen

Übrigens soll es nicht am Geldbeutel liegen, ob man dort wohnen darf: Ausdrücklich sollen auch bedürftige Patienten aufgenommen werden. Die Erkrankten sollen so lange wie möglich in der Familie bleiben, aber gleichzeitig auch von einem Pflegedienst mitbetreut werden können.

Mitglieder des Bauausschusses und der Stadtverwaltung studierten vor der positiven Entscheidung am geplanten Bauplatz die Pläne. Quelle: Glombik

„So etwas gibt es meines Wissen bundesweit nicht“, sagt Braun den LN. Das fange schon damit an, dass die Grundrisse der Wohnungen von Spezialisten ausgemessen wurden, ob die Radien stimmen, also ob Rollifahrer hier mit ihrem Rollstuhl optimal klar kommen. Das Wohnprojekt sei schon in der Planungsphase von Professor Dr. Björn Hauptmann, Chefarzt der Fachklinik für Parkinson & Bewegungsstörungen, überprüft worden. Wichtig ist Braun vor allem der Multifunktionsraum, in dem zum Beispiel Kunst-Kurse für Kranke und Gesunde angeboten werden können. Die Stadtvertretung hat zugesagt – jetzt werde am Fahrplan für die Umsetzung gearbeitet.

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Von Wolfgang Glombik

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