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Segeberg Einzelkämpfer ohne Illusionen
Lokales Segeberg Einzelkämpfer ohne Illusionen
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10:10 21.05.2013
Seit er Landesvorsitzender der Piratenpartei ist, hat Sven Stückelschreiber (35) kaum noch Zeit — nicht einmal für den Wahlkampf in eigener Sache. Quelle: Spreer
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Sülfeld

Ein einsamer Pirat tritt in Sülfeld an. Sven Stückelschweiger buhlt als Einzelbewerber um die Stimmen bei der Kommunalwahl. Er wird aber nicht in die Gemeindevertretung einziehen, das ist ziemlich sicher. „Ich müsste direkt in meinem Wahlkreis gewählt werden“, da die Piraten in Sülfeld keine Liste zustande gebracht haben. Unter anderem tritt er gegen den amtierenden Bürgermeister an. Er macht sich keine Illusionen. Aber er zeigt Flagge.

Stückelschweiger ist bei den Piraten eine große „Nummer“: Er ist ihr Landesvorsitzender. Seit Oktober 2011 erst ist er in der Partei, im Juni 2012 wurde er bereits Landeschef. Ein Ehrenamt, nicht mal eine Aufwandsentschädigung gibt es („das ist auch okay so“), dafür ist der Job echt zeitraubend, das hätte er nicht gedacht. Und zwar so sehr, dass der 35-jährige selbstständige Programmierer nicht einmal Wahlkampf in eigener Sache in Sülfeld machen kann. „Ich hatte mir eigentlich einen Schlachtplan überlegt.“ Doch er hat kein Plakat, keinen Flyer verteilt. „Vielleicht mache ich noch einen Handzettel . . . Die Arbeit, die Familie, der Landesvorsitz — da bleibt keine Zeit für den Wahlkampf. Vor allem die Landespartei frisst Ressourcen.“

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Drei Tage in der Woche arbeitet er fest bei einem seiner Kunden, die anderen beiden ist er freiberuflich tätig. Wenn die Parteiarbeit dies zulässt. Oft tue sie es nicht. SeineWahlzeit endet im Juni. Will er weitermachen? Stückelschweiger überlegt einen Moment, sagt dann: „Das ist hart an der Grenze . . .“ Er ist etwas hin- und hergerissen zwischen dem Anspruch, Politik dürfe nicht korrumpieren; ist daher gegen eine bezahlte Vorstandsarbeit. Andererseits empfindet er den zeitlichen Aufwand, den man erbringen müsse, fast als zu hoch.

Stückelschweiger, Vater zweier kleiner Jungen, würde den Parteivorsitz abgeben, sollte er Gemeindevertreter werden (oder Abgeordneter im Kreistag — auch dafür kandidiert er; auf Platz fünf).

Dann hätte die Kommunalpolitik Vorrang. „Vielleicht rutsche ich ja direkt in den Kreistag“, sagt er lächelnd.

„Mir gefielen einige Dinge in Sülfeld nicht“ — so sei er überhaupt zur Politik gestoßen. Vor allem vermisst er Transparenz — „ein echtes Piratenthema“. Warum sollen die Bürger nicht konkret erfahren, worüber in der Gemeindevertretung gesprochen wird — einschließlich der Einsichtnahme in die Vorlagen? Daran hapere es im Ort. Wer zweimal frustriert so eine Veranstaltung besucht hat, der komme kaum wieder, meint er. Das findet er schade. „Ich glaube, dass können wir uns auch nicht leisten.“ Seine Forderung: Die Sitzungsunterlagen müssten sogar vorher offengelegt werden — „sonst kann man sich ja gar nicht beteiligen“. Transparenz und politische Teilhabe gehören für Sven Stückelschweiger nun mal untrennbar zusammen.

Junge Leute leben und arbeiten eher in der Stadt als auf dem Dorf. Und wer doch noch auf dem Land lebt, der scheint sich nicht sonderlich für Kommunalpolitik zu interessieren. Obwohl man dort noch am ehesten etwas bewegen kann. Ein Blick auf die Wahllisten macht überdeutlich: Die Kandidaten sind im Durchschnitt ganz schön alt. Auf unter 30-Jährige zu stoßen, ist schon ein Glücksfall.
Beispiel Itzstedt: Das Durchschnittsalter der 28 Direktkandidaten aller vier Gruppierungen beträgt 54 Jahre. Der Älteste ist 76 Jahre alt. Anerkennswert, dass er sich engagieren will. Der Jüngste ist 35, der Zweitjüngste bereits 40. Beispiel Nahe: Da ist der jüngste aller CDU-Kandidaten schon 53, der älteste bereits 70. Während die SPD-Kandidaten vergleichsweise jung sind (zwischen 34 und 61 Jahren), ist die WDN mit 38- bis 64-Jährigen wieder recht „erfahren“. Ganz auffallend ragt Oering hervor. Sowohl bei der CDU als auch bei der WGO tritt je ein Student an, 25 der eine, 24 der andere.
Itzstedt ist der einzige Ort, in dem sich das klassische Drei-Parteien-System aus CDU, SPD und FDP erhalten hat. Hinzu gesellen sich die UBI — so viel Auswahl gibt es in den anderen Gemeinden nicht.
In Itzstedt wird es übrigens mit Sicherheit einen Bürgermeisterwechsel geben. Denn Freerk Fischer will zwar in die Gemeindevertretung einziehen, aber nicht mehr Dorfoberhaupt sein.
Während die CDU in allen Kommunen antritt, ist die SPD nur noch in Nahe, Kayhude und Sülfeld auf dem Wahlzettel zu finden. In Seth tritt sie nicht mehr an. Dort wird es echt spannend, wo ihre Klientel ihr Kreuzchen machen wird — bei den Kandidaten der CDU und bei denen der FWS. Das kann die Kernfrage beantworten, wer Bürgermeister wird, die Amtsinhaberin Maren Storjohann oder ihr Rivale Arno Nolte.
Eine Besonderheit gibt es in Sülfeld: Dort tritt der einzige Einzelbewerber im ganzen Amtsbereich an: Sven Stückelschweiger, der Landesvorsitzende der Piratenpartei.
Junge Kandidaten machen sich im Amt Itzstedt rar

Kommunal-
Wahl
am 26. Mai

spr Christian Spreer