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Segeberg Ökologisch heizen? Biogas für den Kreis Segeberg zu teuer
Lokales Segeberg

Energie aus Biogas: Kreisverwaltung Segeberg scheitert mit Antrag für Gebäude

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16:00 12.11.2021
Die Gaskosten für kreiseigene Liegenschaften würden sich bei einem Umstieg auf Ökogas vervielfachen.
Die Gaskosten für kreiseigene Liegenschaften würden sich bei einem Umstieg auf Ökogas vervielfachen. Quelle: Jan Woitas/dpa
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Segeberg

Seit mehreren Jahren wird systematisch untersucht, wo der Kreis ökologischer werden kann. Neben massiven Investitionen in nahezu alle 16 kreiseigenen Liegenschaften ist jetzt auch geprüft worden, was die Umstellung auf Ökogas für die Versorgung der Gebäude kosten würde. Denn der Gasliefervertrag läuft im kommenden Jahr aus. Der Zeitpunkt für eine Veränderung wäre also günstig.

Aktuell wird die Wärmeenergie über Fernwärme und konventionelles Erdgas gedeckt. Statt des fossilen Energieträgers würde dann auf Methangas gesetzt. „Biomasse mit Bakterien versetzt“, erklärte Michaela Lexau vom Gebäudemanagement dem Bauausschuss. Energie aus Mais oder Bioabfällen etwa. Der klassische Erdgasanteil beträgt derzeit rund 43 Prozent und verursacht um 800 Tonnen Kohlendioxid im Jahr. Ein Wert, der eingespart werden könnte, wie die Klimaschutzleitstelle berechnet hat.

In nahezu alle Liegenschaften wird massiv investiert

Bedient man sich dem CO2-Rechner des Wissenschaftsmagazins Quarks, wäre das in etwa so viel, als würde man mit einem mittelalten Benziner auf eine Fahrtstrecke von vier Millionen Kilometern verzichten – ungefähr 4700 mal die Distanz zwischen Bad Segeberg und München. Doch mit diesem Ökogas-Vorstoß ist die Kreisverwaltung bei den Kommunalpolitikern abgeblitzt. Der Grund: Klimaschutz ist schön und gut, doch in diesem Fall viel zu teuer. Aktuell zahlt der Kreis 91 000 Euro Gaskosten im Jahr. Würde er auf hundert Prozent Biogas umsteigen, würden die Kosten je nach Ergebnis um 164 000 bis 336 000 Euro steigen.

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„Wir sind immer für Verbesserungen, aber das ist sehr viel investiertes Geld mit vergleichsweise wenig Auswirkungen“, sagte Dieter Riemenschneider (SPD). „Mit dem gleichen Betrag könnten wir an anderer Stelle mehr erreichen.“ Selbst Grüne und Wise-Fraktion zeigten ähnliche Bedenken. „Biogas ist nicht unumstritten, wenn er zu einem großen Teil aus Monokulturen hergestellt wird“, sagte Andre Wisse (FDP). „Wir sehen in Solaranlagen die bessere Investition.“ Auch die CDU teilte die Argumente der Vorredner. „Klimaschutz wird viel Geld kosten“, sagte Dr. Eberhard Krauß (Grüne). „Die Idee ist vom Grundsatz her richtig. Wäre nicht auch Biogas aus der Region möglich?“ Doch bundesweit gebe es nur drei Anbieter, die einen Anteil von hundert Prozent anbieten würden, hieß es. Und die sitzen in Düsseldorf, Heidelberg und München.

Zu den kreiseigenen Liegenschaften zählen der Hauptsitz der Verwaltung in Bad Segeberg mit seinem Gebäudeensemble, das Landratsamt und die Remise, die Landwirtschaftsschule und Kreisfeuerwehrzentrale, die Berufsbildungszentren und Förderzentren, die Jugendakademie, Kreissporthalle und andere Verwaltungsgebäude in der Burgfeldstraße und der Rosenstraße Bad Segeberg.

Von Irene Burow