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Segeberg Entspannter Jan-Josef Liefers begeistert die Fans
Lokales Segeberg Entspannter Jan-Josef Liefers begeistert die Fans
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12:17 29.03.2017
Autogramm- und Fotowünsche seiner Fans lehnte Jan Josef Liefers nie ab. Quelle: Burkhard Fuchs
Kaltenkirchen/Bad Bramstedt

Die NDR Welle Nord und die AKN (Eisenbahngesellschaft Altona-Kaltenkirchen-Neumünster) hatten Jan Josef Liefers und seine Band Radio Doria zu einer bislang wohl einmaligen Bahnhofs-Show im Norden eingeladen. Dreimal traten die fünf Musiker mit ihrem charismatischen Sänger jeweils auf den Bahnhofsvorplätzen nacheinander in Bad Bramstedt, Kaltenkirchen und Quickborn zu gut einstündigen kostenlosen Konzerten auf, die jeweils von 2000 bis 3000 begeisterten Fans besucht waren.

Dreifach-Konzert von Jan Josef Liefers mit Band Radio Doria auf AKN-Musikzug.

Jeweils dreimal reiste die Band zuvor mit dem AKN-Sonderzug an. Begleitet von 90 Hörern der Welle Nord, die der NDR zu einem persönlichen „meet and greet“-Treffen mit ihrem Star eingeladen hatte, den alle von seiner Rolle des Pathologie-Professors Börne aus dem Münsteraner „Tatort“ kennen.

Das war insbesondere für Bianca Wendler aus Glückstadt ein spannender Moment. Sie hatte sich mit einer emotionalen E-Mail beworben, die Liefers im Zug auf dem Weg zwischen Kaltenkirchen und Quickborn laut vorlas und dabei selbst stark berührt wirkte. Sie hätten ja beide eine ähnliche Vergangenheit, erinnerte die ehemalige Greifswalderin den früheren DDR- Bürger Liefers an die gemeinsamen Wurzeln.

„Mich haben seine Songs mit den deutschen Texten immer so berührt, weil sie mich wie bei ,verlorene Kinder‘ an meine eigene Kindheit und die Tradition der Liedermacher in der DDR erinnerten“, sagte Bianca Wendler, die Tränen in den Augen hatte, als Liefers sie spontan im Zug in den Arm nahm.

Den 52-Jährigen, der am Morgen noch in Kiel gedreht haben soll, schien die sechsstündige Tour-de-Force von AKN und NDR kaum anzustrengen. Locker, sympathisch und ganz offen beantwortete er den mitgereisten Fans ihre brennenden Fragen, die NDR-Reporterin Mandy Schmidt ihm stellte. „Mir macht das unheimlich viel Spaß hier“, sagte er. „Es ist eine verrückte Idee, aber sie gefällt mir.“ Als Verfilmung böte sich für diesen ungewöhnlichen Musikzug natürlich der „Mord im Orient-Express“ an, witzelte der Berliner. Dreimal hintereinander an einem Tag sei er noch nie mit seiner Band aufgetreten. „Das ist heute meine Defloration“, sagte Liefers. „Jetzt spricht er auch noch ausländisch“, wunderte sich ein Fan. Die Stimmung im Zug war fröhlich bis überschwänglich. Es wurde gesungen und gelacht.

Aber Liefers kann auch nachdenklich sein. Wie er sich habe trauen können, als 25-Jähriger wenige Tage vor dem Mauerfall im November 1989 vor Hunderttausenden Menschen auf dem Berliner Alexanderplatz zu reden, fragte ein NDR-Hörer. „Es war wichtig, das zu tun“, antwortete Liefers. „Ich war jung und hatte keine Ahnung. Es war eine sehr emotionale und aufwühlende Zeit“, an die er sich gerne einmal im Jahr erinnere. In Berlin hatte er damals gesagt: „Wir müsse neue Strukturen entwickeln, für einen demokratischen Sozialismus. Das heißt für mich unter anderem auch Aufteilung der Macht zwischen der Mehrheit und den Minderheiten.“

Die Veranstalter der musikalischen Zugfahrt waren ebenso begeistert wie die Fans. „Eine Super- Aktion und eine so entspannte Stimmung im Zug und auf der Bühne“, sagte Andreas Schmidt vom NDR. „Ein voller Erfolg mit einem sehr sympathischen Star.“ AKN- Sprecherin Christiane Lage-Kress bestätigte: „Es ist ein tolles Event mit entspannten Fans. Überall zufriedene Gesichter.“

Das stimmte. Gisela Woehlk aus Norderstedt, die ihn als Schauspieler mochte, aber nun auch als Musiker toll fand, wie sie sagte. „Eine ganz tolle Veranstaltung“, meinten auch Marlies Wrage und Susanne Wolfgram aus Kaltenkirchen. „Auch das Wetter spielt mit.“

Die „Tatort“-Fans müssten jetzt aber nicht fürchten, dass er und Axel Prahl auch noch zu singen anfingen, wie es Weiland Stöver und Brockmöller vormachten. „Wir haben so viele Fans, die wir nicht enttäuschen wollen, indem wir Krug und Breuer nachmachen.“

 Burkhard Fuchs