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Segeberg Erfolg gegen Abzock-Banden: Falsche Polizisten festgenommen
Lokales Segeberg Erfolg gegen Abzock-Banden: Falsche Polizisten festgenommen
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18:40 19.06.2018
Sie versuchen es immer wieder, oft mit Erfolg: Betrüger geben sich am Telefon als Polizisten aus und überreden Senioren, ihr Geld abzugeben. Quelle: Symbolbild dpa
Bad Segeberg

Erst vor zwei Wochen war der Polizei in Bad Bramstedt ein 18-jähriger Pole ins Netz gegangen, der mutmaßlich zu einer Bande von Enkeltrick-Betrügern gehört (die LN berichteten). An diesem Freitag stellten Kriminalbeamte zwei 20 Jahre alte Deutsche, die mit der nicht minder perfiden Polizei-Betrugsmasche versucht haben sollen, an das Vermögen älterer Menschen zu gelangen – beinahe auch mit Erfolg.

Wie Polizeisprecher Arnd Habermann am Dienstag berichtete, hatte sich ein Unbekannter am Donnerstag bei der Seniorin in Henstedt-Ulzburg gemeldet und sich als „Herr Schwarz“ von der örtlichen Polizei ausgegeben. „Er hat der Frau eine erfundene Geschichte über eine osteuropäische Einbrecherbande erzählt, die man festgenommen habe“, sagt Habermann. Bei dieser Bande, so ging die Legende weiter, sei eine Liste gefunden worden, auf der der Name der Frau als mögliches nächstes Einbruchsopfer stand. Der Anrufer habe die Rentnerin dadurch überredet, ihr gesamtes Bargeld abzuheben und zusammen mit ihrem Schmuck einem „Polizeibeamten“ zu übergeben, der sich bei ihr melden würde: eine bei dieser Betrugsmasche übliche Geschichte.

Dreist: „Die Betrüger haben gegenüber der Frau behauptet, dass Angestellte ihrer Bank ebenfalls in die Sache verwickelt seien und daher auch ihre Konten nicht mehr sicher seien“, berichtet Habermann. Dadurch hätten sie direkt Misstrauen geschürt und so zu verhindern versucht, dass sich die 82-Jährige den Bank-Mitarbeitern anvertraut. Denn in der Vergangenheit waren viele solcher Betrugstaten oft vereitelt worden, weil bei der Bank jemand stutzig geworden war.

Einer Mitarbeiterin der Hamburger Sparkasse ist es zu verdanken, dass es auch dieses Mal so kam: Sie wurde ob der großen Summe misstrauisch, warnte die Rentnerin vor einem möglichen Betrug und verständigte zugleich die Polizei. „Zuvor hatte die Seniorin bereits bei zwei anderen Banken große Summen Bargeld abgehoben. Es ist deshalb wirklich dieser Frau zu verdanken, dass der Betrug rechtzeitig erkannt worden ist“, sagt Habermann. Andernfalls hätte die Rentnerin den Betrügern mit ziemlicher Sicherheit Geld und Schmuck im Wert von 40 000 Euro übergeben.

Stattdessen konnten sich Kriminalbeamte auf die Lauer legen. Vor der Übergabe habe sich „Herr Schwarz“ noch mehrfach bei der 82-Jährigen gemeldet, um den Druck auf die Frau aufrechtzuerhalten und sich zu vergewissern, dass sie niemanden informiert hatte. „Schließlich hat er ihr einen falschen Polizeibeamten beschrieben, der das Geld abholen würde“, so Habermann. Die Rentnerin sei währenddessen bereits von der Polizei betreut und begleitet worden.

Kurze Zeit später tauchte der beschriebene „Polizist“ auch an der Tür auf, wo ihn die – echte – Polizei bereits erwartete. Sowohl er als auch ein mutmaßlicher Mittäter, der in der Nähe im Auto auf den Boten wartete, seien festgenommen worden. Beide haben einen festen Wohnsitz in Hamburg und wurden nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wieder entlassen. Sie erwartet jetzt ein Strafverfahren wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betruges.

Die Polizei geht davon aus, dass beide zu einer gut organisierten Betrügerbande gehören. „Durch sie erhoffen wir uns, auch an die Hintermänner zu gelangen“, sagt Arnd Habermann. Erste Hinweise gebe es zwar schon. Die Anrufer säßen jedoch oft im Ausland, häufig in der Türkei. „Da existieren richtige Call-Center“, so der Polizeisprecher. Mittels des sogenannten Spoofings könnten die Betrüger beliebige Nummern im Display der Angerufenen erscheinen lassen und auf diese Weise Ortsgespräche vortäuschen.

Von Oliver Vogt