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Segeberg Erstes kommunales Brauhaus im Norden entsteht in Norderstedt
Lokales Segeberg Erstes kommunales Brauhaus im Norden entsteht in Norderstedt
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10:48 19.05.2015
Zu Weihnachten waren die ersten 1150 Liter des „65er Harksheider“ gebraut worden.
Zu Weihnachten waren die ersten 1150 Liter des „65er Harksheider“ gebraut worden. Quelle: Fuchs
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Norderstedt

400.000 Euro lässt sich die Stadt Norderstedt dieses Investment in den Durst kosten, 150.000 Euro davon allein für die nagelneue Brauanlage aus Österreich. Die Idee für dieses erste und bislang einzige kommunale Brauhaus in Norddeutschland hatte Rajas Thiele, der als Geschäftsführer der Mehrzwecksäle (MeNo) GmbH für den Betrieb der TriBühne, die Theaterveranstaltungen und die beiden städtischen Lokale „Bargespräch“ und „Das kleine Restaurant“ (zusammen „Meilenstein“ genannt) verantwortlich ist.

Im Herbst vorigen Jahres ließ sich der frühere Gastronom Thiele bei der Hamburger Ratsherren-Brauerei zum Bier-Sommelier ausbilden und 1150 Liter Bier nach eigenem Rezept brauen. Die ersten 600 Liter dieses nach dem größten Stadtteil Norderstedts und seinem Geburtsjahr „65er Harksheider“ genannten Gerstensaftes waren zu Weihnachten innerhalb von 19 Tagen verbraucht, erzählt Thiele. „Dass das ein solcher Renner wird, hätte ich nie gedacht.“ Zum Craft-Beer-Day im März gingen dann die restlichen 550 Liter weg von dieser Kreation des ersten Norderstedter Bieres.

„Ich habe es immer schon bedauert, dass so eine große Stadt wie Norderstedt kein eigenes Bier hat“, sagt Thiele. Nun stand die Renovierung der beiden städtischen Lokale ohnehin an, die die Stadt seit 2008 wieder in eigener Regie führt. Zuvor waren sie mit mäßigem Erfolg verpachtet gewesen. „Aber ein Theaterbetrieb wie die TriBühne braucht eine Restauration“, so Thiele. „Viele unserer 3000 Stammkunden möchten gerne vor oder nach der Vorstellung etwas essen und trinken.“ Zudem müsse dieser innerstädtische Bereich an der Rathausallee abends belebt sein.

Darum ging Thiele mit seinem Konzept in den Aufsichtsrat der MeNo GmbH. Die meisten seien sofort Feuer und Flamme gewesen, freut sich Thiele. Jetzt müsse er sich sputen, um den Zeitplan einzuhalten, berichtet der erste „Bierbeauftragte“ der Stadt Norderstedt. Bereits im Juni solle die Brauanlage mit den Kesseln auf der Kegelbahn eingebaut und installiert werden. Spätestens Mitte September will er mit dem Brauen beginnen. Denn es dauere etwa sechs Wochen, bis ein Bier fertig ist, erzählt Brauexperte Thiele. Einen Tag brauche er für das Brauen, anschließend müsse das Gebräu eine Woche gären und dann noch einmal vier bis fünf Wochen lagern. Geplant sei, bis zu 26000 Liter im Jahr des Norderstedter Bieres, benannt nach den vier Stadtteilen, im eigenen Brauhauskeller herzustellen, so Thiele. Die Anlage könnte aber noch auf das Doppelte erweitert werden, wenn zweimal die Woche jeweils 500 Liter Bier gebraut würden.

Die Gäste im Lokal und im Restaurant, deren Räume völlig neu gestaltet, umgebaut und eingerichtet werden, könnten sich zunächst auf zwei eigene Biersorten (Harksheider und Friedrichsgaber) frisch vom Fass freuen. Später sollen zwei weitere hinzukommen. Diese Eigenmarken sollen auch außer Haus verkauft werden, erklärt Thiele das Konzept. „Bier ist ein regionales Produkt. Wir wollen mit diesem selbst gebrauten Bier auch für die Stadt Norderstedt werben“, sagt Thiele. Während es heute in Schleswig-Holstein nur in wenigen Orten (so in Flensburg, Marne, Rickling, Lübeck) kleine Biermarken gebe, „hat in Bayern fast jedes Dorf noch sein eigenes Bier“, sagt Thiele. Diese Tradition möchte er auch im Norden etablieren.

„Ich habe es immer schon bedauert, dass so eine große Stadt wie Norderstedt kein eigenes Bier hat.“
Bier-Sommelier Rajas Thiele

Burkhard Fuchs