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Segeberg Extinction Rebellion gründet sich in Bad Segeberg
Lokales Segeberg Extinction Rebellion gründet sich in Bad Segeberg
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17:02 11.10.2019
In Bad Segeberg entsteht derzeit eine Ortsgruppe von Extinction Rebellion (XR, "Aufstand gegen das Aussterben"). Quelle: Irene Burow
Bad Segeberg

Den Kreis mit dem Kreuz gibt es jetzt auch in Segeberg. Es ist das Zeichen für die rebellische Schwester der Klimabewegung Fridays for Future: Extinction Rebellion (XR).

Die Gruppe hatte auf der Klimademo vor Kurzem auf Bad Segebergs Marktplatz zum Mitsingen eingeladen. Quelle: Irene Burow

„Hallo, deine Zukunft sieht scheiße aus.“ So wird man auf der bundesweiten Homepage von XR begrüßt. So direkt wollen jetzt auch Segeberger für mehr Klimaschutz werben. Momentan gründet sich ein Ableger in der Kreisstadt. Auch in Norderstedt ist eine Ortsgruppe im Aufbau. Es sind die ersten ländlichen Ableger in Schleswig-Holstein. Müssen sich Segeberger jetzt auf Straßenblockaden einstellen?

Die selbst ernannten Rebellen haben im Frühjahr zum Beispiel Londons Brücken blockiert. Sie treffen sich zur „spontanen“ Bürgerversammlung im Park, legen sich vors Rathaus oder in Einkaufszentren. Sie verdoppeln als Fußgänger Ampelphasen für Autofahrer und verteilen in der Wartezeit Kekse. Und sie fischen dutzende Schokoladen aus Mülltonnen – um auf Konsum, Verschwendung und den Umgang mit der Umwelt aufmerksam zu machen.

Auffallen im Alltagsgeschehen

Sie scheuen sich nicht, das Alltagsgeschehen zu blockieren, um für ihre Sache zu werben. An diesem Montag war es die Siegessäule in Berlin. Die ganze Woche über haben sie auch andernorts den Berufsverkehr der Hauptstadt lahmgelegt. Mit dabei: Extinction Rebellion aus Norderstedt und Bad Segeberg.

„Der Protest konzentriert sich vor allem auf die Hauptstädte“, erklärt Teilnehmerin Dominique Swoboda. „Klar sind wir auch in Berlin dabei.“ Was genau sie dort weiter vorhaben, obliege der Geheimhaltung. Ihr Protest soll nicht radikal sein. Ungehörig zwar, aber vor allem kreativ. Den Klima- und Umweltschutz vor der Haustür wollen sie dennoch nicht aus den Augen verlieren.

Der Kreis hat erst kürzlich eine Risikoanalyse für die Region veröffentlicht. Versiegelte Flächen sind demnach ein Problem. Der Rat: weniger Beton und mehr Grün. In der Stadt herrscht Einigkeit über einen Klimanotstand. Trotzdem soll der neue Bad Segeberger Marktplatz mit dem Fällen von Bäumen beginnen. „Es ist wichtig, dass die Kirschbäume bleiben“, sagt Swoboda. Immerhin: Die Entscheidung der Stadtvertretung ist auf November vertagt.Kürzlich habe XR schwarze Trauerfahnen in die Bäume gehängt, um darauf aufmerksam zu machen. Sie seien schließlich von der Stadt wieder entfernt worden.

Ortsgruppe besteht vor allem aus Erwachsenen

„Das Problem rückt zwar ins Bewusstsein. Doch das ewige Demonstrieren hilft nicht wirklich“, begründet sie den Schritt hin zu der Gruppe, in Segeberg ein Konglomerat aus Fridays for Future, Parents for Future und XR. Es müssten neue Methoden her: Im Juni gab es erste Überlegungen, inzwischen hat man sich vernetzt. „Es nimmt gerade Fahrt auf“, sagt Swoboda

Wir – das sind vor allem Erwachsene. „Wir haben den Wunsch, den Kindern die Bürde zu nehmen. Eigentlich sind wir diejenigen, die ihnen den Protest abnehmen sollten“, betont Swoboda.

XR Norderstedt hatte zuletzt starken Zulauf

Die Norderstedter „Rebellen“ sehen sich als Stadtteilgruppe von XR Hamburg. „Unsere Gruppe hat sich mit drei Rebellinnen und Rebellen Ende April gegründet und ist in letzter Zeit beschleunigt auf mittlerweile 36 Personen angewachsen“, sagt Teilnehmer Manuel Petzold. „Zuletzt haben von uns organisierte Vorträge und ein Workshop im Hamburger Norden unser Wachstum beschleunigt. Aber sicherlich auch die verstärkte Medien-Berichterstattung. Von den Aktionen in Berlin erhoffen wir uns weiteren Schub.“

Die Mitglieder nehmen an „Swarmings“, am Ausschwärmen, teil. „Angemeldete und von der Polizei begleitete kurzzeitige Straßenblockaden“, erklärt er. Sie schließen sich Demonstrationen anderer Bewegungen an oder engagieren sich in Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen.

FDP-Stadtfraktion befürchtet Proteste

Bad Segebergs FDP befürchtet, dass es auch hier zu Blockaden kommen wird, zum Beispiel bei der Umgestaltung der Kurhausstraße oder beim weiteren Ausbau der A20. „Wir brauchen in Bad Segeberg eine gute Klimaschutzpolitik und keine Hysterie“, kommentiert die Fraktionsvorsitzende Anna-Patricia Thomsen.

Ob Hype, Hysterie oder Handeln: „Die Ortsgruppen verpflichten sich dem Wertekatalog von Extinction Rebellion“, sagt Dominique Swoboda. Und der werde vom Gedanken der friedlichen Revolution getragen. „Das ist das Gebot der Stunde.“

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Von Irene Burow

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