Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Räuber zu Gefängnisstrafen verurteilt
Lokales Segeberg Räuber zu Gefängnisstrafen verurteilt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:06 27.08.2019
In dem Prozess gegen die Paketräuber, die im Dezember 2017 eine Unternehmerfamilie in Norderstedt überfallen hatten, ist jetzt das dritte Urteil gefällt worden.
In dem Prozess gegen die Paketräuber, die im Dezember 2017 eine Unternehmerfamilie in Norderstedt überfallen hatten, ist jetzt das dritte Urteil gefällt worden. Quelle: dpa
Anzeige
Kiel/Norderstedt

Die Räuber kamen kurz vor Weihnachten als Hermes-Paketboten, drangen ins Privathaus einer Unternehmerfamilie in Norderstedt ein und misshandelten die Frau (50) und die Tochter (18) schwer. Der brutale Überfall der vierköpfigen Tätergruppe, die bis zu eine Million Euro Beute in einem Tresor erhoffte, stand am Montag zum dritten Mal im Mittelpunkt eines Prozesses vor dem Kieler Landgericht.

Fünf Jahre und zehn Monate Freiheitsstrafe wegen schwerer räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung verhängte die 10. Strafkammer gegen den Angeklagten Pavel P. (23), der ein Jahr später als letzter Täter festgenommen worden war. Der Mann aus Moldawien legte ein umfassendes Geständnis ab und verkürzte dadurch die Beweisaufnahme. Er nahm das Urteil an. Es ist rechtskräftig.

Nach dem missglückten Coup vom Dezember 2017 hatte sich der Sohn eines Polizeibeamten in seine Heimat abgesetzt, während die drei Komplizen nach und nach in U-Haft kamen. Ein Jahr später wurde er bei der Einreise in die Ukraine festgenommen und den deutschen Behörden überstellt. Pavel P. machte das Beste daraus und belastete im April als Kronzeuge den Drahtzieher des Überfalls, Milan G. (56).

Auch dank seiner Aussage wurde der „Chef“, der die Tat vom 20. Dezember 2017 eingefädelt hatte, zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Urteil gegen den Drahtzieher aus Serbien, der selbst nicht vor Ort war, ist rechtskräftig – im Gegensatz zum Urteil des ersten Prozesses, der Haftstrafen von zweieinhalb und fünfeinhalb Jahren gegen zwei falsche Paketboten vorsah.

Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein. Erst vor wenigen Wochen hob der Bundesgerichtshof das Urteil als zu milde auf und verwies die Sache zur erneuten Verhandlung zurück nach Kiel. Die Folge für die Opfer ist, dass sie mit dem Trauma nicht abschließen können: Möglicherweise müssen sie auch in einem vierten Prozess alle Details wieder aufrufen und erneut schildern.

„Paket!“ hatte einer der Räuber gegen 18.30 Uhr vor ihrer Haustür gerufen. Die Frau (50) öffnete arglos, wurde zu Boden geworfen, gefesselt und geknebelt. Sie erlitt einen Halswirbelbruch und schwebte in akuter Lebensgefahr, war nach einer Operation drei Monate arbeitsunfähig. Bis heute leide sie unter Angstzuständen und Bluthochdruck, hieß es. „Ihren Hals kann sie immer noch nicht richtig bewegen“, sagte gestern der Staatsanwalt.

Die 18-jährige Tochter im Obergeschoss des Hauses bemerkte den Überfall, schloss sich in ihr Zimmer ein und alarmierte die Polizei. Die Täter traten die Tür ein, fesselten und knebelten auch sie. Pavel P. drückte ihr einen Elektroschocker in die Seite. „Ich hatte Mitleid mit dem Mädchen und habe den Auslöser nicht bestätigt“, sagte er gestern.

Während Pavel P. und sein Komplize T. im ganzen Haus fieberhaft den Tresor suchten, war die Polizei schon unterwegs. T. und der im Fluchtwagen wartende Fahrer F. wurden sofort festgenommen. Für den Chef und Pawel P. brachte die Flucht nur einen Aufschub.

Von Thomas Geyer

Segeberg Bauen in der Metropolregion Hamburg - Sommerfest im neuen Wohngebiet Kaltenkirchen
26.08.2019