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Segeberg Falsche Polizisten: Fall eingestellt
Lokales Segeberg Falsche Polizisten: Fall eingestellt
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21:56 23.08.2018
Die Ermittlungen im Fall der falschen Polizisten im Kreis Segeberg wurden eingestellt. (Symbolbild) Quelle: Picture-Alliance / Felix Herhage
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Segeberg

Die beiden waren laut Anklage im September 2016 im Kreis Segeberg auf der Autobahn 7 in Richtung Hamburg unterwegs. Auf der Höhe der Gemeinde Wiemersdorf haben sie einen sogenannten „LED-Frontblitzer“ mit Blaulicht an der Windschutzscheibe des Fahrzeugs installiert und in Betrieb genommen.

Und das ohne Befugnis: „Damit haben sie gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern den Eindruck eines Polizeieinsatzes erweckt“, hieß es von der Staatsanwaltschaft, „um sich dadurch freie Fahrt zu verschaffen“. Anschließend sollen sie einem „gemeinsamen Tatplan entsprechend“ ein Auto überholt haben. Der Beifahrer in dem Blaulichtwagen soll durch Blickkontakt und einer entsprechenden Armbewegung den Zeugen dazu veranlasst haben, von der rechten Fahrspur auf den Standstreifen zu wechseln. Die falschen Polizisten wechselten ebenfalls auf den Standstreifen, und bremsten ab, sodass auch das vermeintlich zu überprüfende Auto dahinter abbremsen musste.

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Die erste Verhandlung zu dem Fall hatte bereits vor einem Jahr stattgefunden. Damals hatte der Mann laut Gericht ausgesagt, dass sich der Fall „so ähnlich“ zugetragen habe. Im Ergebnis ist das Verfahren ohne Urteil unter Auflagen – nach zehn Minuten – eingestellt worden: Der Fahrer sollte eine Strafe von 1000 Euro, der Beifahrer 600 Euro zahlen.

Dem ist der 25-Jährige, der den Wagen steuerte, jedoch nicht abschließend nachgekommen. 250 Euro fehlen noch. Einen Großteil der Summe hatte er beglichen, die Zahlungen im April jedoch eingestellt.

Aus diesem Grund musste er gestern erneut vor dem Amtsgericht Neumünster erscheinen. Das tat er dann auch, gekleidet in feinem Anzug. „Ich bin nicht mehr bei der Bundeswehr, deshalb fehlt mir das regelmäßige Einkommen“, nannte der Angeklagte als Grund. „250 Euro ist auch viel Geld zu dem, was noch so anfällt.“ Nach eigenen Angaben ist er inzwischen selbstständig. 2017 war er noch Matrose gewesen. „Es schien damals realistisch, dass er die 1000 Euro bezahlen kann“, sagte Richter Dr. Jan Suhr. Er hielt dem jungen Mann aber zugute, dass er erneut vor Gericht erschienen war.

Das Problem: „Das gezahlte Geld ist weg, wenn Sie jetzt verurteilt werden. 750 Euro sind nicht wenig. Streng gesehen könnte man sagen, Pech gehabt“, sagte Suhr. Der Angeklagte gelobte Besserung und versprach, den ausstehenden Betrag in den kommenden Wochen zu begleichen. „Diese letzte Chance sollen Sie bekommen“, so der Richter. Er gab für die fehlende Rate Zeit bis Ende September.

Kommt der Mann seiner Verpflichtung bis dahin nach, wird das Verfahren offiziell eingestellt. „Nochmal werden wir das Verfahren nicht einstellen, so viel kann ich Ihnen sagen“, mahnte Suhr. Die Verhandlung dauerte gestern ebenfalls nur wenige Minuten.

ibu