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Segeberg Falsche Polizisten: Prozessauftakt um 185 000-Euro-Coup
Lokales Segeberg Falsche Polizisten: Prozessauftakt um 185 000-Euro-Coup
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18:39 17.01.2019
Prozessauftakt um Betrug mit dem Polizeitrick im Kieler Landgericht : Die Angeklagten (links mit ihren Verteidigern) sollen einem 88-jährigen Senioren aus Norderstedt einen Koffer mit 185 000 Euro Bargeld abgenommen haben. Quelle: Thomas Geyer
Kiel/Norderstedt

Mit Telefonanrufen auf Handy und Festnetz sowie einer E-Mail vom „Bundeskriminalamt“ setzten falsche Polizeibeamte einen 88-jährigen Norderstedter tagelang unter Druck. Bis er glaubte, sein Vermögen sei in akuter Gefahr. Der Senior hob seine Ersparnisse von der Bank ab und übergab sie einem angeblichen Polizeibeamten – 185 000 Euro in bar. Jetzt müssen sich drei mutmaßliche Empfänger des Geldes wegen Betrugs vor dem Kieler Landgericht verantworten.

Die Drahtzieher des Polizeitricks saßen laut Anklage wie so oft in solchen Fällen in einem türkischen Callcenter. Von dort klappern unbekannte Anrufer in akzentfreiem Deutsch Tausende von Telefonnummern potenzieller Opfer im ganzen Bundesgebiet ab. Aus der Mode gekommene Vornamen weisen ihnen den Weg zu älteren, möglicherweise wohlhabenden Personen.

Der Norderstedter Paul Clausen (Name geändert) gehörte zur Zielgruppe. Ihm redete ein „Oberkommissar Schwarzenbach“ ein, seine Kripo-Kollegen hätten ein Notizbuch von unbekannten Straftätern gefunden, das seine persönlichen Daten enthalte. Clausen glaubte an einen echten Polizeianruf, weil er auf dem Telefondisplay die Nummer eines Norderstedter Reviers zu erkennen glaubte. Doch die Nummer war mittels einer sogenannten Spoofing-Software manipuliert.

Am Freitag, 13. Oktober 2017, hatten die Betrüger den 88-Jährigen da, wo sie ihn haben wollten: Völlig verunsichert durch falsche Behauptungen über korrupte Bankangestellte ging der Zeuge um 9.30 Uhr zu einer Filiale der Hamburger Sparkasse und ließ sich 185 000 Euro auszahlen. In einem Koffer übergab der Geschädigte das Bargeld laut Vorwurf der Anklage dem jüngsten Angeklagten (26). Der Deutsche soll für seinen Einsatz als Geldabholer 1200 Euro bekommen haben.

Die beiden aus dem Kosovo stammenden Mitangeklagten (32, 33) sollen die Geldübergabe in Hamburg abgesichert haben. Anschließend transportierte das Trio aus Langenhagen (Niedersachsen) den Geldkoffer in den Raum Hannover, so der Vorwurf. Bis auf 10 000 Euro soll die Summe von einem unbekannten Komplizen in die Türkei transferiert worden sein.

Nach vorläufiger Einschätzung der Strafkammer lässt sich der ursprüngliche Vorwurf des gewerbsmäßigen Betrugs im Rahmen einer Bande gegen die drei Angeklagten nicht aufrecht erhalten. Der Verdacht eines weiteren Betrugsversuchs erhärtete sich offenbar nicht. Die Strafverteidiger halten für ihre teilweise geständigen Mandanten Bewährungsstrafen für angemessen.

Die Vorstellung des Staatsanwalts liegt dagegen bei vier Jahren Haft – nach den Worten von Strafverteidiger Dierk Schoenian (Hannover) ein „abwegiges“ Strafmaß für Handlanger, deren Hintermänner in der Türkei säßen. „Telefonieren ist leicht“, widerspricht der Staatsanwalt. Die aktiven Tatbeiträge der Angeklagten hält er für gewichtig.

Die beiden Männer aus dem Kosovo wollen sich als Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes kennengelernt haben. Der 26-jährige Deutsche wuchs vaterlos auf, besuchte als Legastheniker die Förderschule und holte den Schulabschluss in der Haft nach. Sein 32-jähriger Mitangeklagter ist nach Einschätzung seines Verteidigers nur wegen Beihilfe zu belangen. Er soll mit gerade mal 600 Euro von dem 185 000-Euro-Coup profitiert haben.

Für den Prozess hat die 1. Große Strafkammer zwei weitere Sitzungstage terminiert, Ende Januar könnte das Urteil verkündet werden.

Thomas Geyer

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