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Segeberg Happy End für Familie aus Jemen
Lokales Segeberg Happy End für Familie aus Jemen
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13:17 12.02.2019
Familie Mauda ist überglücklich, dass sie als Familie jetzt endlich in Norderstedt wiedervereint sind: Yassin Ali Mauda und seine Frau Thanaa Ahmed mit Sohn Abdulla und den beiden Töchtern Aleen und Alja (Mitte). Quelle: Burkhard Fuchs
Norderstedt

 Das lange Warten nahm dann doch ein glückliches Ende. „Wir konnten zweimal Weihnachten feiern“, sagt ein überglücklicher Yassin Ali Mauda (52) und strahlt über das ganze Gesicht. „Einmal zu dem richtigen Termin. Und dann, als wir endlich unsere beiden geliebten Töchter Aleen und Alja wieder in die Arme schließen konnten“, sagt der Mann aus dem Jemen, der mit seiner Frau Thanaa Ahmed vor genau drei Jahren aus dem Land am Roten Meer, in dem seit Jahren ein brutaler Bürgerkrieg herrscht, nach Norderstedt geflüchtet ist. Dabei musste er die beiden minderjährigen Töchter in einem Flüchtlingslager in Jordanien zurücklassen.

Ein Geschenk zu Weihnachten

Kurz vor Weihnachten erhielten die beiden Mädchen, die inzwischen 16 und 18 Jahre alt sind, endlich die Genehmigung zur Ausreise nach Deutschland. Die Bundesregierung hatte 2016 den Familiennachzug für geflüchtete Menschen zwei Jahre lang ausgesetzt. Was für Familie Mauda, deren ältester Sohn Abdulla (26) in Hamburg Flugzeugtechnik studiert, zu dem die besorgten Eltern Zuflucht suchten, eine monatelange Achterbahnfahrt der Gefühle bedeutete.

Mehr zum Thema: Lesen Sie hier, wie die Situation der Familie Mauda vor einem Jahr aussah.

Beinahe wären sie daran verzweifelt. „Meine Frau konnte vor Sorge und Kummer um die beiden Töchter schon gar nicht mehr schlafen“, erzählt Vater Mauda, der in seiner Heimatstadt Taizz im Süden des Jemens Dekan für Zahnmedizin an der Universität und Leiter der Gesundheitsbehörde war. Nach dem politischen Umsturz wurde er gefoltert. An den Folgen leidet er noch heute. Heutzutage ist er auf den Rollstuhl angewiesen, weil er das Gleichgewicht nicht mehr halten kann.

Eine lange Zeit der Ungewissheit

Vor einem Jahr: Yassin Ali Mauda und seine Frau Thanaa Ahmed sind verzweifelt, weil sie ihre minderjährigen Töchter Aleen und Alja in Jordanien zurücklassen mussten. Quelle: Fuchs

Aber alles Leid sei verflogen durch das große Glück, die Kinder jetzt alle wieder sicher und vereint zu wissen. „Das ist alles vergessen. Jetzt ist alles schön“, sagt Mutter Mauda und lacht so offen und herzlich wie sie vor einem Jahr noch bedrückt und traurig aussah.

Dankbar ist die Familie vor allem einer Mitarbeiterin in der Ausländerbehörde in Bad Segeberg. Dorthin musste das Ehepaar im November, um das Visum für den Aufenthalt für Norderstedt zu verlängern. Dabei fragte die Mitarbeiterin mehrere Male nach dem Schicksal seiner Töchter und wann diese wohl nach Deutschland nachkommen dürften. Bislang wurde diese Anfrage und Bitte immer zurückgewiesen. Mit dem Hinweis, dass es nichts Neues gebe und kein Antrag auf ein Einreise-Visum für die beiden Töchter von der zuständigen deutschen Botschaft in Amman in Jordanien vorläge.

Ein Behördengang nach dem anderen

Doch dieses Mal war es anders. Die Mitarbeiterin der Behörde bestätigte erstmals offiziell, dass dieses Gesuch aus Jordanien tatsächlich in Bad Segeberg registriert sei und ihre Behörde dem Familiennachzug bereits zugestimmt habe. Dafür waren Aleen und Alja Mauda mehrfach in der deutschen Botschaft in Jordanien befragt worden, um ihren Visa-Antrag nach Deutschland zu begründen. Eine Sprecherin des Außenministeriums in Berlin hatte dazu vor einem Jahr mitgeteilt, dass ab August 2018 wieder „Ehegatten oder den minderjährigen ledigen Kindern von subsidiär Schutzberechtigten bzw. den Eltern von minderjährigen subsidiär Schutzberechtigten aus humanitären Gründen eine Aufenthaltserlaubnis erteilt werden könnte“. Nach der Koalitionsvereinbarung dürfe deren Anzahl aber monatlich nicht die Zahl von 1000 überschreiten.

Vorfreude auf das Deutsch-Lernen

Somit gehörte die Familie Mauda nun wohl zu den ersten etwa 5000 geflüchteten Familien, die Angehörige aus den Heimatländern nachholen durften. Gerade noch rechtzeitig, da den Töchtern ihrerseits in Jordanien wiederum drohte, den Aufenthaltsstatus zu verlieren. Für die beiden Töchter komme es jetzt schnell darauf an, die ihr fremde deutsche Sprache zu erlernen, erklären die überglücklichen Eltern. Dafür wird die jüngere Alja jetzt im Berufsbildungszentrum in Norderstedt unterrichtet, während die nicht mehr schulpflichtige ältere Aleen einen Volkshochschulkurs besuchen wird. „Darauf freuen wir uns schon“, sagt Aleen auf Arabisch, was ihr Bruder Abdulla übersetzt.

Integration par excellence

Norderstedt sei ihnen beim ersten Eindruck ziemlich ruhig vorgekommen. Das größere Hamburg habe sie beim ersten Besuch beeindruckt, erzählt Bruder Abdulla. Aber die Familie habe sich hervorragend in Norderstedt integriert, berichtet Klaus Reif, der sich mit seiner Frau Anke in der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe rührend um die Geflüchteten aus dem Jemen kümmert.

So lernt Vater Mauda, trotz der Behinderung durch seine Krankheit jetzt nach Arabisch, Englisch, Russisch und Spanisch nun seine fünfte Sprache. Während seine Frau sich seit Monaten im interkulturellen Chor engagiert. „Die Eltern sind natürlich sehr glücklich, dass die Familie wieder zusammen ist“, hat Klaus Reif festgestellt. „Wir beobachten eine seelische Entspannung, seit die Töchter hier bei ihnen in Norderstedt sind.“ Was jetzt noch fehlte, sei eine größere Wohnung, sagt Vater Mauda. Aber das sei im Moment gar nicht so wichtig für die gerade erst so glücklich wiedervereinte Familie.

Burkhard Fuchs