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Segeberg Fan-Fest in Segeberg: Auf den Spuren von Lex Barker und Pierre Brice
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16:56 31.07.2019
Joshy Peters (l.) und Gestalter Erwin Pfister (r.) enthüllen die erste Old Shatterhand-Büste mit dem Konterfei von Lex Barker. Quelle: Heike Hiltrop
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Bad Segeberg

Am Festsaal im Vitalia Seehotel stehen sommerlich leger gekleidete Menschen beieinander. Es wird gefachsimpelt. Die Themen: Winnetou, Old Shatterhand und Romanautor Karl May. Fast immer geht es um die Kino-Filme aus den 1960er Jahren, in denen Lex Barker und Pierre Brice durch die kroatische Prärie ritten, um das Böse zu bekämpfen.

Drei Tage Wild-West-Welt

Viele wissen, wo „Schott el Dscherid“ liegt, wofür die Initialen W. B. im Film „Unter Geier“ stehen, was Ghasuah ist und wie der Vater von Senitza heißt. Für Walter Schönthal aus Karlsruhe, Michael Kunz aus Siegen und Nicolas Funke aus München ist all das fast Allgemeinwissen. Sie und 120 weitere Anhänger der auf Zelluloid gebannten alten Western-Streifen sind drei Tage lang in die Welt des Vorzeigeindianers, seines Blutsbruders und seines geistigen Vaters eingetaucht.

Winnetou – der deutsche Indianer

Ein paar Besucher schauen sich zwischen alten Filmplakaten, Büchern, Fotos und anderen Devotionalien um. „Karl May ist Deutschlands berühmtester Schriftsteller“, sagt Wolfgang Berndt aus Bad Malente über den Autor, der ihn seit Kindheitstagen fesselt. Die Filme damals seien vergleichbar mit denen über Harry Potter viele Jahre später. Filmischer Höhepunkt beim Fest ist die Dokumentation des Kanadiers Drew Hayden Taylor, der der Indianerliebe der Deutschen nachgeht.

Kindheitserinnerungen

 „Einmal Winnetou, immer Winnetou.“ Auch Sina Wolf aus Niedersachsen empfindet diese Hingabe seit Langem. „Ich war als Kind in Bad Segeberg, als Pierre Brice das erste Mal am Kalkberg gespielt hat.“ Damit habe alles angefangen. Heute sammelt die 40-Jährige Filmplakate, Kino-Aushangfotos und hat noch kein Treffen seit 1990 ausgelassen. „Aber ich bin Lex Barker-Fan.“

Initiator Michael Petzel vom Karl-May-Archiv bittet um Aufmerksamkeit. Nach mehr als 50 Jahren soll die Winnetou-Büste, die Erwin Pfister 1966 mit dem Gesicht von Pierre Brice für Werbezwecke gestaltet hat, den Blutsbruder an die Seite bekommen. Joshy Peters ist dabei. Kernkompetenz. Immerhin hat er neben vier verschiedenen Apachen-Häuptlingen am Kalkberg die alte Schmetterhand gegeben, spielt in diesem Jahr Bärenjäger Baumann. Gemeinsam mit Pfister, der sich nicht als Künstler verstanden sehen will, enthüllt er unter Beifall und Blitzlichtgewitter die Plastik mit dem Konterfei von Lex Barker. Gegerbtes Gesicht, tiefe Furchen und smarte Haartolle: Barker und Peters könnten glatt Brüder sein.

Fans alter Wild-West-Filme

Den doppelten Winnetou gibt es auf der Sammlerbörse bei Modellbauer Wolfram Opherden: „Der graue ist industriell gefertigt nach der Filmvorlage, den braunen habe ich nach dem Roman gefertigt.“

Zwischen Leuten, die ganze Textpassagen aus den alten Filmen der 1960er Jahre mitsprechen können, Film-Fehlersucher und Sammlern ist der Gesprächsstoff unerschöpflich – auch beim großen Karl-May-Abend, bei dem unter anderem Dirigent Ludwig Wicki nebst Gattin und Betsy Böttcher, die Tochter des Komponisten der legendären Filmmusik, Martin Böttcher, anwesend sind.

Eine Stadt spielt Karl-May

Bad Segebergs Innenstadt wird am kommenden Sonnabend, 3. August, wieder zum Wilden Westen: Mitmach- und Gutscheinaktionen in den zahlreich beteiligten Geschäften, Kinderschminken, Glücksrad-Drehen und vor allem die Autogrammstunde des Karl-May-Ensembles (ab 11 Uhr) sind vorbereitet. Von 10 Uhr an heißt es auch in diesem Jahr wieder „Eine Stadt spielt Karl May“. Bei einem Bummel durch die Stadt kann man den Darstellern der Inszenierung „Unter Geiern – Der Sohn des Bärenjägers“ einmal ganz nah sein. Und von 11 Uhr an erklingt Westernmusik mit Jenny and Friends (Bühne vor der Volksbank). Alle Karl-May-Darsteller trifft man an fünf Stationen an der Hamburger Straße. Mit dabei sind auch die diesjährigen Stars Alexander Klaws (Winnetou), Larissa Marolt (Tiffany O’Toole) und Raúl Richter (Martin Baumann, der Sohn des Bärenjägers).

„Ich brauche gar keine Erinnerungen, alles ist immer präsent“, fasst Dunja Rajter zusammen. Nach einer besonderen Anekdote aus ihrer Karl-May-Drehzeit vor mehr als 50 Jahren gefragt, schmunzelt die Schauspielerin: „Es gibt nichts, was ich nicht schon erzählt habe, aber lachen muss ich immer wieder über die Gesichter von Lex Barker, Pierre Brice, Terence Hill und Mario Adorf. Jeder hat in seiner Muttersprache gesprochen. Das war wie Babylonsprache. Alle haben einander hoch konzentriert auf die Münder gestarrt, um ihren Einsatz nicht zu verpassen. Aber es wurde später sehr gut synchronisiert.“

Heike Hiltrop

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