Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg „Fehmare“-Debakel: Noch immer kein Schlussstrich
Lokales Segeberg „Fehmare“-Debakel: Noch immer kein Schlussstrich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:32 27.01.2016
Sven Diedrichsen. Quelle: hil*
Schleswig

War es Vorsatz, grob fahrlässig oder wurde der runiöse Pachtvertrag des SpaßbadesFehmare“ von Prokurist Björn Pasternak und Geschäftsführer Sven Diedrichsen billigend in Kauf genommen oder nichts von alledem? „Warum, warum, warum? Das ist für den bedingten Vorsatz entscheidend“, fasste die Vorsitzende Richterin Hilke Hamann vom Oberlandesgericht (OLG) Schleswig zusammen. Mit drei Worten macht sie deutlich, dass im Rechtsstreit zwischen der Stadtwerke Wahlstedt GmbH (als Nachfolger der Mittelzentrumsholding, MZH) und ihrem Ex-Geschäftsführer sowie dem geschassten Prokuristen das entscheidende Motiv fehlt. Die Untreue jedenfalls, davon zeigten sich die Richter überzeugt, können die Kläger nicht belegen. Und auch die anderen Vorwürfe seien derzeit wenig einleuchtend.

Anfang 2014 wollten die Ermittler das Strafverfahren gegen Wahlstedts ehemaligen Verwaltungschef wegen des Verdachts der Untreue einstellen. Doch dagegen hatte die MZH Beschwerde eingelegt. Die wiederum wies die Generalstaatsanwaltschaft zurück. Es folgte das Zivilverfahren und die Schadensersatzforderung von einer Million Euro. Das Landgericht Kiel kam Anfang 2015 zu dem Ergebnis, dass keine Anzeichen von Verschleierung, Täuschung oder ausgeübtem Druck gegenüber dem Aufsichtsrat erkennbar seien. Die Klage gegen Diedrichsen wurde abgewiesen. Bad Segebergs und Wahlstedts Stadtvertreter stimmten mehrheitlich der Empfehlung der MZH-Juristen zu, in Berufung zu gehen. So gab es gestern ein Wiedersehen vor Gericht. Dieses Mal ohne Sven Diedrichsen, der im Krankenhaus liegt. Der 9. Zivilsenat hörte sich im Berufungsverfahren beide Seiten noch einmal an. In knapp drei Wochen soll die Entscheidung verkündet werden. Ob damit ein Schlussstrich gezogen wird, ist ungewiss, denn es gäbe noch die Möglichkeit der Nichtzulassungsbeschwerde vor dem Bundesgerichtshof. Experten schätzen, dass sich die Kosten der Klagen im Laufe der Jahre auf mehrere Hunderttausend Euro summiert haben dürften. Auch darum sprachen sich bereits Mitte 2015 Wahlstedts SPD und Grüne gegen weitere Verfahren aus.

hil

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!