Feuer in Bad Segeberg: Feuerwehr verhindert, dass Flammen auf Nachbarhäuser übergreifen
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Segeberg Großalarm: Feuerwehr verhindert, dass Flammen auf Nachbarhäuser übergreifen
Lokales Segeberg

Feuer in Bad Segeberg: Feuerwehr verhindert, dass Flammen auf Nachbarhäuser übergreifen

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19:16 10.09.2020
Großeinsatz in der Hamburger Straße: Um ein Übergreifen der Flammen auf das Lokal „Feuerstein“ zu verhindern wurde auch eine zweite Drehleiter aus Bad Oldesloe alarmiert. Quelle: Wolfgang Glombik
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Bad Segeberg

Donnerstag 13.07 Uhr. Die Sirenen gehen los in Bad Segeberg. Höchste Alarmstufe. In einem Mehrfamilienhaus in der Hamburger Straße ist ein Feuer ausgebrochen. Schon von ihrem Feuerwehrhaus aus sehen die Einsatzkräfte den Qualm.

Die Bad Segeberger Wehr trifft fünf Minuten später am Brandort ein. Der erste ist Wehrführer Mark Zielinski, schon nach drei Minuten. Die Bewohner kommen ihm mit einem kleinen Kind aus dem Treppenhaus entgegen. Sie sind unverletzt geblieben und versichern, dass sich nicht noch weitere Personen im brennenden Haus befinden. Die ersten Kräfte versuchen einen Angriff über das Treppenhaus in die Wohnung im Obergeschoss. Die müssen aber abbrechen und den Rückzug antreten, weil schon Balkenteile des Zwischengeschosses auf die Retter herunterbrechen. Der Dachstuhl steht blitzartig in Flammen.

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Bei dem Feuer in der Hamburger Straße schlugen die Flammen aus dem Dach. Dichter Rauch stieg auf. Quelle: Hiltrop

So muss das Feuer vor allem durch die Fenster und über die Drehleiter bekämpft werden. Es droht auf die benachbarten Häuser überzuspringen. Nebenan steht das berühmte Lokal Feuerstein Anno 1772. Das alte Haus würde wie Zunder brennen. Es kommt zu einer extremen Rauchentwicklung, die dichten Schwaden ziehen weit über die Stadt. Die nahe Fußgängerzone ist zeitweise zugequalmt, bis der Wind sich etwas dreht. Die Warn-App NINA hat die Anwohner dazu aufgerufen, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Zweite Drehleiter wird aus Bad Oldesloe alarmiert

„Beim Durchbrechen des Feuers in den Dachstuhl des alten Hauses war mir klar, dass eine Drehleiter möglicherweise nicht ausreichend sein könnte, um beide Flanken zu den Nachbarhäusern zu schützen“, sagt Zielinski. Hier stehen die alten Häuser sehr eng. Deshalb werden gleich die Feuerwehrleute in Bad Oldesloe mit ihrer Drehleiter alarmiert. Die Wahlstedter Drehleiter kann nicht geholt werden, sie ist zu einem Routine-Check in der Werkstatt. Trotzdem helfen 21 Kameraden aus Wahlstedt mit. Nach 45 Minuten haben die Feuerwehrkräfte den Brand unter Kontrolle.

Ein Glücksfall ist auch, dass die Fahrenkruger Wehr gerade zur einer Ölbekämpfung unterwegs ist, sie kann die Bad Segeberger Kollegen gleich unterstützen. Denn noch während des Einsatzes läuft eine weiterer Alarm auf. Im Klosterkamp gebe es Qualmentwicklung, ein Brandmelder schlägt an. Dorthin können die Fahrenkruger ausrücken.

Das uralte Lokal „Feuerstein“ konnte von der Feuerwehr gerettet werden. Die Besitzerin befürchtet Einschränkungen durch die Rauchentwicklung. Quelle: Glombik

Fast 80 Brandbekämpfer befinden sich inzwischen in der Hamburger Straße. „Ich war heilfroh, dass alle Personen aus dem Haus heraus waren. Als ich hochging kam mir schon der schwarze Rauch entgegen“, zeigt sich Mark Zielinski zum Schluss des Einsatzes erleichtert, während die Kameraden oben im Dachstuhl von den Drehleitern aus die letzten Brandnester beseitigen.

Familie konnte brennendes Haus unversehrt verlassen

Im Obergeschoss lebte eine Familien, im Untergeschoss eine Frau mit Kind, außerdem noch zwei Einzelbewohner. Ein Mieter, der die Löscharbeiten beobachtet, zeigt sich gefasst. Er wohnt zwar unten, weiß aber noch nicht, ob er in seine Wohnung darf, oder ob das Löschwasser seine Wohnung unbewohnbar gemacht hat.

Bei dem Feuer in der Hamburger Straße ist am Donnerstag ein Mehrfamilienhaus schwer beschädigt worden. Die Feuerwehr verhinderte ein Übergreifen auf Nachbargebäude.

Gaffer wollten Handy-Videos drehen

Das Feuer ist vermutlich in der Küche entstanden. Ein Bekannter der Familie spricht von heißem Öl auf dem Herd. Die Polizei möchte sich hier noch nicht festlegen. Jetzt werde erst einmal ermittelt, sagt der Pressesprecher. Die Polizei musste während des Einsatzes bereits Schaulustige vertreiben, die Handy-Videos drehen wollten. Ein Filmer habe Polizisten gar gebeten, zur Seite zu treten, weil er sonst nicht so schön filmen könne. Auch Schüler seien unbefugt an der völlig verqualmten Einsatzstelle vorbei gepilgert, beschwert sich der Wehrführer. Die Hamburger Straße blieb mehrere Stunden zwischen Kreishaus und dem Städtischen Gymnasium voll gesperrt.

Von Heike Hiltrop und Wolfgang Glombik