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Segeberg Fischsterben im Zulauf zum Segeberger See
Lokales Segeberg Fischsterben im Zulauf zum Segeberger See
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17:07 29.01.2019
Zigtausende von jungen Rotaugen und Brassen sind am Wochenende in einem Zulauf zum Großen Segeberger See verendet. Quelle: Glombik
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Bad Segeberg

Es bleibt ein Rätsel: Zigtausende Fische sind in einem Zulauf zum Großen Segeberger See verendet. Auch die Kreiswasserbehörde konnte am Dienstag nach Wasserprobenuntersuchungen keinen Hinweis auf Fehleinleitungen feststellen, teilte eine Sprecherin des Kreises mit. Es seien keine Giftstoffe gefunden worden. Zehntausende von jungen Rotaugen und Brassen sind am Sonntagvormittag tot an die Oberfläche des Gewässers in Bad Segeberg getrieben worden. Die Fische starben offensichtlich nicht im See, sondern in einem Zulauf Höhe Backofenwiese. Dort liegen auch jetzt noch massenhaft tote Fische in der Größe von fünf bis sieben Zentimetern im Bach. Es sei ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Gewässerverunreinigung und eines Tierschutzdelikts eingeleitet worden, sagte eine Polizeisprecherin am Dienstag.

Der Vorsitzende des Segeberger Sportfischervereins, Dieter Struck, geht fest davon aus, dass die Fische in dem Zulauf zum See verendet sind. Der Zulauf wird über ein Regenrückhaltebecken mit Wasser gespeist. „Wir wissen noch nicht, was die Tiere dort aufgenommen haben, woran sie gestorben sind.“ Insgesamt sei die Wasserqualität des Großen Segeberger Sees aber in Ordnung. Das Oberflächenwasser, das in das Regenrückhaltebecken unweit des Sees fließe, komme aus einem großen Einzugsgebiet, teilte Bauamtsleiterin Antje Langethal den LN auf Nachfrage mit. Dazu gehörten auch Bereiche der Innenstadt. Es gebe keinen Hinweis für die Ursache des Fischsterbens.

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Auch die Experten der Bad Segeberger Kläranlage hätten Wasserproben gezogen. Es sei nichts Auffälliges festgestellt worden. Sauerstoffgehalt, Phosphat und andere Parameter seien geprüft worden. Zu einem auffälligen Plastikrohr, das zwischen See und Regenrückhaltebecken in dem Bach endet, konnte Langethal nichts Detailliertes sagen, nur dass es sich hier ebenfalls um ein Einleitungsrohr für Oberflächenwasser handele. Wenn Lösungsmittel oder Salz plötzlich über das Oberflächenwasser in den Zulauf gerieten, sei eine schnelle Verdünnung zu erwarten, zumal es am Wochenende „extrem viel“ geregnet habe, sagt Langethal. Es bleibe nur zu hoffen, dass so etwas nicht noch einmal vorkomme.

Inzwischen ist auch ein Unternehmen, das sich für den Kreis mit den Folgen des Klimawandels beschäftigt, auf den Fall aufmerksam geworden. Vor Ort erkundigte sich Adrian Pfalzgraf von der Firma GreenAdapt, Gesellschaft für Klimaanpassung, aus Berlin über die Folgen von Starkregen-Ereignisse. Starker, andauernder Regen könne ein Problem für Entwässerungsanlagen darstellen, erklärte Pfalzgraf. Sein Unternehmen solle für den Kreis Segeberg Risikokarten entwickeln, wie sich der Klimawandel auf das Kreisgebiet auswirke.

Währenddessen schauen sich betroffene Spaziergänger am See die toten Fische an. „Uns als Sportfischer macht es sehr traurig, wenn wir so etwas erleben müssen“, erklärt auch Sportfischer-Chef Dieter Struck. Für ihn sei es wichtig, dass der Fall aufgeklärt werde, schon damit so etwas nicht noch einmal passiere. Er befürchte, dass der gesamte Bestand an jungen Fischen in dem Zulauf vernichtet sei. Die Gefahr bestehe, dass die toten Fische jetzt von Raubfischen aufgenommen werden und mögliche Giftstoffe so in die Nahrungskette gelangten. Er selbst habe schon mit dem Kescher versucht, möglichst viele Fische aus dem Gewässer zu entfernen.

Die ausgewachsenen Rotaugen ziehen im Winter ins Tiefe, die jungen Fische bevorzugen seichte Bereiche der Zuläufe. Struck: „Das ist der Grund, warum gerade hier so viele junge Fische verendet sind.“ Grundsätzlich sei die Wasserqualität im Großen Segeberger See sehr gut. Sein Verein nehme auch selbst Messungen vor. „Das ökologische Gleichgewicht im Segeberger See ist super.“ Während es deutschlandweit durch den heißen Sommer in Gewässern Probleme mit Sauerstoffmangel gegeben habe, habe der Segeberger See die Trockenheit gut verkraftet.

Wolfgang Glombik