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Segeberg „Ein Stück Land“: Preis für Online-Fleischvermarkter aus Kayhude
Lokales Segeberg „Ein Stück Land“: Preis für Online-Fleischvermarkter aus Kayhude
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13:13 23.09.2019
Erst wenn das ganze Tier verkauft ist, wird es geschlachtet. Hinrich Carstensen (33) vermarktet zusammen mit seiner Freundin Lina Kypke Fleisch aus der Region. Quelle: Heike Hiltrop
Kayhude

Manchmal reicht ein kleiner Anstoß, und eine große Sache kommt ins Rollen: Die Geburtsstunde von „Ein Stück Land“ war ein Vater-Sohn-Gespräch zwischen Galloway-Hobbyzüchter Christoph und Hinrich Carstensen, Weihnachten 2016. Aus „habt ihr nicht Lust, ein Rind von uns in Hamburg zu vermarkten“, ist in kurzer Zeit ein erfolgreicher digitaler Marktplatz geworden, über den der damalige Student Hinrich und seine Freundin Lina Kypke Fleisch vermarkten.

 

Land zeichnet das Startup von Lina-Louisa Kypke aus. Quelle: Hinrich Carstensen

„Wir fanden die Idee gut“, erinnert sich der 33-Jährige. „Aber schnell war klar, dass der Aufwand für ein Rind viel zu groß ist.“ Der angehende Bauingenieur und die frühere Krankenschwester, die angefangen hatte, Jura zu studieren, schauten sich nach weiteren Züchtern und Landwirten um, die Vermarktungsprobleme hatten.

Im August 2017 ging die Internetseite online

„Natürlich gab es diejenigen, die sagten, dass man uns nicht braucht. Aber es kamen auch viel positive Reaktionen.“ Im Januar 2017 gründeten die beiden ihr Start-up „Ein Stück Land“. Im August war die Internetseite online. „Unsere Eltern haben die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, wir waren ja erst ein paar Monate zusammen. Aber wir haben das einfach gemacht.“

Landwirte müssen zur Philosophie passen

Das Konzept sieht vor, dass ein Tier erst dann geschlachtet wird, wenn das Fleisch komplett vermarktet ist. Maximal zwei Tiere pro Woche. Geschlachtet wird dienstags bei einem Schlachter in Kalübbe. „Wir wollen nicht, dass ein Tier drei Stunden auf dem Anhänger steht.“ Nachhaltigkeit wird bis zum Versandkarton durchgezogen. Und Tierwohl werde besonders groß geschrieben. „Die Tiere werden alle draußen gehalten“, betont Carstensen. Mal mit Unterstand oder der Möglichkeit, in den Stall zu gehen. „Du siehst, dass es ihnen gut geht. Wir können unseren Kunden den kompletten Lebenslauf aufzeigen.“ Und sie kennen jeden Landwirt. „Sie müssen zu unserer Philosophie passen. Wir können ihnen vertrauen.“

Hofladen kam sechs Monate nach dem Onlinestart

Montags können Fleischpakete online bestellt werden. Und damit kein Kunde leer ausgeht, liegt die angebotene Menge etwas unter der tatsächlichen. Alles darüber kommt in die „Speisekammer“. Der Hofladen in Naherfurth (Kayhude) öffnete nur ein halbes Jahr nach dem Online-Start. Weil die beiden donnerstags zum Packen und freitags am Zustelltag sowieso vor Ort sind, „und weil immer mehr Leute aus der Umgebung vorbeigekommen sind, die was kaufen wollten“, erzählt Carstensen.

2018 kam „Die Höhle der Löwen“. „Die haben uns gefragt, ob wir mitmachen wollen. Das war eine gute Chance, unsere Idee zu präsentieren.“ Ein Angebot haben Lina Kypke und ihr Freund dann aber abgelehnt.

Start-up „Ein Stück Land“

Bewusster Umgang mit Fleisch

„Das klingt jetzt ein bisschen blöd, aber wir sind nicht aus wirtschaftlichem Interesse gestartet. Wir wollten nicht mit ansehen, dass die Leute Probleme mit der Direktvermarktung haben und zu den großen Schlachthöfen gehen. Außerdem sterben immer mehr bäuerliche Betriebe. Wir wollen sie unterstützen. Aber natürlich müssen wir auch davon leben können.“ Die beiden Jungunternehmer wollen zum Umdenken anregen: „Die Leute sollen Fleisch bewusst essen. Wir wollen nicht jeden bekehren, aber wenn jeder ein bisschen etwas ändert, dann ist schon viel gewonnen.“

Wachsen nicht um jeden Preis

Lina Kypke (28) hat das Studium auf Eis gelegt, Freund Hinrich arbeitet nur noch auf Abruf für Offshore-Windanlagen. „Ein Stück Land“ ist zum Fulltime-Job geworden. Zwei Mitarbeiter sind stundenweise dazugekommen. Das kleine Unternehmen wächst, aber nicht um jeden Preis, eher wie ein Puzzle, von dem man nicht weiß, wie viele Teile es eigentlich hat.

Land zeichnet das Startup von Lina-Louisa Kypke aus. Sie vermarkten Fleisch aus bäuerlicher Landwirtschaft unter anderem Bunte Bentheimer. Quelle: HFR/Carstensen

Neben Galloway-Fleisch sind weitere Rinder-Arten dazu gekommen. Seit einiger Zeit vermarktet das Duo auch Schweine. Bunte Bentheimer. Jüngst ist ein kleiner Geflügelbetrieb mit aufgenommen worden. Und als das Café nebenan im alten Hofgebäude kürzlich geschlossen hat, kam die nächste Idee: ein Restaurant. „Das Esszimmer“ soll im November eröffnet werden.

Da kommt die Auszeichnung mit Platz eins beim Preis „Best of Digital.SH“, mit dem die Landesregierung digitale Innovationen in Schleswig-Holstein fördern will, wie gerufen. Er ist mit 20000 Euro dotiert. Hinrich Carstensen: „Das stecken wir in neue Tools für unserer Internetseite und ins Restaurant.“

Schleswig-Holsteins Digitalisierungspreis

Die Landesregierung hat gleich mehrere Projekte im Land mit dem Preis „Best of Digitales.SH“ ausgezeichnet. Insgesamt wurde ein Preisgeld von 70 000 Euro vergeben. Digitalisierungsminister Jan Philipp Albrecht und Staatssekretärin Kristina Herbst (zuständig für ländliche Räume) überreichten die Auszeichnung vor Kurzem in Kiel.

Der Preiswird seit 2018 einmal im Jahr in zwei Kategorien verliehen. In beiden Kategorien ist der jeweils erste Platz mit 20 000 dotiert. Insgesamt waren 20 Bewerbungen im Rennen. Der Online-Marktplatz von „EinStückLand“ gewann in der Kategorie Digitalisierung in der Logistik vor der „meteolytix“ GmbH (10 000 Euro) und der „Chefs Culinar“ GmbH & Co. KG, beide kommen aus Kiel. Im Bereich Digitalisierung im ländlichen Raum gewann die „Sourceboat“ GmbH & Co. KG aus Löwenstedt mit einer Bürger-App für Straßenbeleuchtung vor der „CoWorkLand“-Genossenschaft und der drittplatzierten „RegionalDigital“ GbR aus Kiel.

Von Heike Hiltrop

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