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Segeberg Wohin mit Bad Segebergs Obdachlosen?
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10:23 24.10.2019
Schimmelbefall, Krätze: Suchtberater trauen sich kaum noch in das Obdachlosenheim, Oldesloer Straße 79, hinein. Es muss dringend abgerissen werden. Quelle: Wolfgang Glombik
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Bad Segeberg

Schon von vier Jahren war klar, dass die städtische Obdachlosenunterkunft Oldesloer Straße 79 in Bad Segeberg wegen Baufälligkeit abgerissen werden muss. Doch passiert ist bislang nichts. Einigen Menschen ohne Dach über dem Kopf scheint es in der zentral gelegenen Notunterkunft zu gefallen. Dabei hat sich die Wohn-Situation dort eher noch verschlimmert.

Schimmelbefall und Krätze

Die Stadtverwaltung fordert, dass die Unterbringung von Obdachlosen dort „zwingend“ eingestellt werden müsse, „da sich das Gebäude in einem baulich katastrophalen Zustand befindet“. Ein Instandsetzung sei nicht wirtschaftlich. Auch die Suchtberater trauten sich gar nicht mehr zu ihren Klienten. Das Angebot „der aufsuchenden Sozialarbeit“ musste 2018 „aufgrund der Verschlechterung der baulichen Substanz des Hauses (starker Schimmelbefall) und des Befalls von Bewohnern mit Krätze und Kleiderläusen aus Gründen des Mitarbeiterschutzes eingestellt werden“, heißt es im Bericht der Ambulanten- und Teilstationäre Suchthilfe (ATS) an die Stadt.

Nicht mehr zu sanieren: Das Obdachlosenheim, Oldesloer Straße 79, soll abgerissen werden. Quelle: Glombik

Modul-Haus eigentlich nur ein Provisorium

Die Verwaltung möchte jetzt das Okay der Stadtpolitiker, die Unterkunft am Bienenhof 1 a längerfristig für die Unterbringung von Asylsuchenden und von Obdachlosigkeit betroffenen Menschen vorzuhalten. Alternativen gebe es nicht, heißt es. Die Stadt habe sich vergeblich um Ersatz bemüht. Das sogenannte „Modul-Gebäude“ war ursprünglich in der Südstadt nur als Provisorium für die vielen Flüchtlinge gedacht, die 2015 nach Bad Segeberg kamen. Den Bürgern der Südstadt war damals versprochen worden, dass das Modul-Haus dort nur kurzfristig stehen würde. Es sollte später andernorts neu aufgebaut werden.

Das in zweiter Reihe gelegene Heim für Asylbewerber, Am Bienenhof 1a, soll jetzt Obdachlosenunterkunft werden. Darüber müssen die Stadtpolitiker entscheiden. Quelle: Glombik

Doch Provisorien halten meist am längsten. Im Mai 2017 hatte die Stadtvertretung trotz Bedenken einiger Politiker beschlossen, das Holzgebäude mit etwa 30 Plätzen weitere zwei Jahre zur Unterbringung von Asylsuchenden zu erhalten. Abbau und Aufbau an anderer Stelle würden zudem etwa 80 000 Euro kosten.

Weniger Flüchtlinge kommen in die Stadt

Die Flüchtlingszahlen sinken und sinken: 2016 gab es noch 188 Asylbewerber, die nach Bad Segeberg kamen. 2017 waren es insgesamt noch 70 Personen, 2018 nur noch 50 Menschen. Für dieses Jahr erwartet die Stadt Zuweisungen von 36 Personen, sie rechnet mit einer jährlichen Aufnahmequote von zukünftig 35 bis 40 Personen.

Doch vor allem durch Familien-Nachzugund den Umstand, dass auch anerkannte Asylbewerber auf dem freien Markt kaum billigen Wohnraum finden, bleibt die Wohnungsnot groß. Wer erst eine von der Stadt angemietete Wohnung bezogen hat, bleibt dort auch meist längere Zeit.

Die Stadt rechnet nur noch mit einer jährlichen Aufnahmequote von 35 bis 40 Personen. Und doch bleibt der Wohnungsmangel ein großes Problem: Die von der Stadt meist bei der Wankendorfer Baugenossenschaft angemieteten 71 Wohnungen seien alle belegt, und eine ursprünglich eingeplante Ersatzunterkunft Am Wasserwerk sei durch einen Brandschaden unbewohnbar. Indes befürchtet die Stadt für den kommenden Winter eine Verschärfung der Situation bei Obdachlosen.

Eine Sanierung wäre unwirtschaftlich

Bauamtsleiterin Antje Langethal erklärt auf LN-Nachfrage, dass es „keinen Sinn macht“, das Haus in der Oldesloer Straße zu sanieren. Das sei „absolut unwirtschaftlich“. Sie plant nach dem Abriss, die jetzt noch enge Zufahrt für Busse auf den Parkplatz für die Karl-May-Spiele zu erweitern. Ein anderes Gebäude zu erwerben, sei für die Stadt nicht möglich, auch wenn 300 000 Euro dafür zur Verfügung stünden.

Antje Langethal: Eine Sanierung der Oldesloer Straße 79 macht keinen Sinn. Quelle: Wolfgang Glombik

Am Montag, 28. Oktober, von 18.30 Uhr an im Bürgersaal wird über das Thema zuerst im Sozialausschuss beraten. Bauausschussvorsitzender Wolfgang Tödt (BBS) ist klar: „Diese Hütte muss umgestoßen werden, darüber sind sich alle einig.“ Ob als Ersatz jetzt das Modul-Haus als Obdachlosenheim in der Südstadt geeignet sei, da ist Tödt skeptisch. Zumal man den Anliegern in der Südstadt im Sommer 2017 etwas anderes versprochen hatte. Damals beklagten sich 13 Bürger schon in einem Brandbrief, dass sie den Versprechungen der Verwaltung, die Unterbringung von Flüchtlingen sei hier nur für kurze Zeit, keinen Glauben schenkten. Der Hinweis der Stadt, man könne das Gebäude ja auch als Obdachlosenunterkunft nutzen, sei „brutal“, hieß es damals von den Anliegern.

Von Wolfgang Glombik

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