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Segeberg Als die Segeberger großes Theater spielten
Lokales Segeberg Als die Segeberger großes Theater spielten
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16:00 26.05.2019
Viele ältere Bad Segeberger erinnern sich heute noch gerne daran: 200 Segeberger Laiendarsteller spielten im aufwändig inzenierten Stück über die Siegesburg am Kalkberg mit. Quelle: Kalkbergarchiv
Bad Segeberg

 In wenigen Tagen beginnen im Bad Segeberger Kalkbergstadion die offiziellen Proben für das neue Stück „Unter Geiern“. Demnächst kämpfen hier Winnetou und der Sohn des Bärenjägers. Doch vor fast genau 60 Jahren, im Juni/Juli 1959, standen hier einmal nicht Indianer und Westmänner im Mittelpunkt, sondern die Schwarze Margret, die böse Hexe, Prinz Tarnobert als braver Held, König Henrikus und andere bekannte Segeberger Sagengestalten. Es war für Bad Segeberg ein Riesenspektakel mit rund 200 Mitwirkenden. Eine ganze Stadt spielte nicht Karl May, sondern die „Siegesburg-Legende“.

Die Kostüme für die Kinder wurden mit viel Liebe zum Detail geschneidert. Quelle: Familienbesitz Tödt

Ältere Bad Segeberger werden sich erinnern, haben vielleicht als Steppke selbst mitgespielt. „Kinder regierten für Stunden in Segebergs Kalkbergstadion“, titelten die Lübecker Nachrichten damals. Die Laienspieler der Sebarger Speeldeel hatten sich für die Erwachsenenrollen zur Verfügung gestellt. Es sei eine glanzvolle Premiere gewesen, als das Sing-, Tanz- und Märchenspiel um die Siegesburg am Kalkberg zur Uraufführung kam. Das Stück wurde damals anlässlich des Segeberger Kindervogelschießen aufgeführt. Egal, wie klein sie damals waren: Das Erlebnis, vor großen Publikum auf der Bühne des Stadions spielen zu dürfen, haben sie nie vergessen. Bis heute.

„Zwerg Nummer sieben“ erinnert sich

„Ich war Zwerg Nummer sieben, mein Bruder Zwerg Nummer acht“, erinnert sich Wolfgang Tödt (65) noch gut an das erste Theatererlebnis seines Lebens. Damals war er gerade fünf Jahre alt und für den kleinen Wolfgang war es eine sehr aufregende Sache.

Adolf Tödt, hier mit einem seiner Enkelkinder, hatte die Idee und schrieb das Buch über die Sage von der Siegesburg. Quelle: Familienbesitz Tödt

Sein Großvater Tischler Adolf Tödt, der kreative Kopf des Ganzen, hielt damals alle Strippen in der Hand. Er hatte die Idee, schrieb das Buch und inszenierte das Stück. Auch die Bühnengestaltung wurde von ihm übernommen. Das sei für Bad Segeberg „ein richtig dickes Ding“ gewesen, erinnert sich heute sein Enkel Wolfgang, Die ganze Familie machte mit, bei Großvater in der Werkstatt wurden die höchst aufwendigen Kulissen gebaut. Die Zeitungen schwärmten nach der Premiere: „Ganz allerliebst waren das Menuett und der Walzer des Hofballetts, die von Tanzlehrer Johannes Studt einstudiert wurden.“ Im Walzertakt seien die Kleinen über die Bretter geglitten.

Alle machten mit, ja es war Ehrensache, hier mitwirken zu dürfen. Tolle dramaturgische Einfälle gab es: König Henrikus regte sich über den Schmied auf, der ein viel zu großes Rad an das schwere Geschütz der Siegesburg montiert hatte. Und der Segeberger Fischer fing immer nur Mini-Fische, während der Stipsdorfer immer ganz Große aus dem See zog. Die Schwarze Margret hatte dafür die Kühe der Bauern in Stipsdorf verhext. Für die Musik zum komischen Stück sorgte die Segeberger Orchestervereinigung, die Segeberger Fanfarengruppe und der Spielmannszug des Kindervogelschießenvereins.

Kalkberg-Anwohner wurden „dienstverpflichtet“

Schon im Vorfeld der Premiere wurde das Theaterereignis beworben: Beim Pressetermin las Adolf Tödt einige Szenen aus seinem Stück vor, Lehrer Jenkner gab den Klavierauszug aus dem von ihm komponierten Fledermaustanz zum Besten. Und Lehrerin Regina Knütter berichtete, wie sie mit Heimleiter Bargemann die Regie plante. Ja, das war alles nicht so einfach gewesen, die 200 Mitwirkenden, darunter viele Kinder, zu koordinieren. Ein Gruppenleiter erzählte: „Dei Lütt hüppen achter de Bühne as Flöh.“

Die LN suchen Zeitzeugen

Haben Sie vor 60 Jahren auch im Kalkbergstadion gestanden und mit anderen Kindern die Legende von der Siegesburg aufgeführt? Haben Sie Fotos und vielleicht sogar Filme von diesem Ereignis oder können eine interessante Geschichte davon erzählen? Die Lübecker Nachrichten suchen weitere Zeitzeugen von diesem bisher einmaligen Ereignis. Melden Sie sich gern unter Telefon 04551/965516 oder per E-Mail redaktion.segeberg@ln-luebeck.de. Wir freuen uns.

Stadthistoriker Hans-Werner Baurycza war damals neun Jahre alt, er spielte einen der Soldaten, mit Plastikumhang und einer Lanze aus Holz. „Wir mussten nur auf und abmarschieren. Wir hatten keine tragende Rolle.“ Alle Bad Segeberger, die rund um den Kalkberg wohnten, seien damals quasi „dienstverpflichtet“ gewesen, schmunzelt Baurycza. „Das war für uns Kinder eine tolle Sache.“ Die Kinder kamen schon durch Mund-zu-Mund-Propaganda zum Spiel, ähnlich wie bei den Anfängen der Karl-May-Spiele. Teilweise litten einige der vier Vorstellungen zur Siegesburg-Legende leider unter schlechtem Wetter. Trotzdem kamen Tausende ins Stadion. Eine derartige Theateraufführung im großen Stadion – nur mit Laien besetzt – hat es seitdem nie wieder gegeben. Es blieb ein einmaliges Erlebnis.

Wolfgang Glombik

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