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Segeberg Geschlossene Restaurants: Gastronomen fordern mehr Hilfen
Lokales Segeberg

Gastronomie in Segeberg und Stormarn fordern mehr Corona-Hilfen

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19:00 21.03.2021
Außer-Haus-Verkauf geht, aber noch keine Außengastronomie: Die Tische und Stühle am Bad Oldesloer Markt sind noch zusammengestellt.
Außer-Haus-Verkauf geht, aber noch keine Außengastronomie: Die Tische und Stühle am Bad Oldesloer Markt sind noch zusammengestellt. Quelle: Sven Wehde
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Bad Segeberg/Bad Oldesloe

Die Stimmung bei den Gastronomen in der Region kippt. Viele wollen die Schließung ihrer Restaurants und Hotels nicht mehr einfach so hinnehmen. Lutz Frank sitzt in seinem Restaurant am Ihlsee in Bad Segeberg an einem der vielen leeren Tische. „Ich leite zwei Whatsapp-Gruppen mit 300 Gastronomen und Hoteliers und ich kann sagen, da kommt jetzt ordentlich Bewegung rein und Frust auf. Wir haben bisher immer mit der Politik in einem guten Dialog gestanden, aber jetzt muss die Politik auch für uns handeln“, sagte der Vizepräsident des Landesverbandes des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga).

Lutz Frank, Dehoga-Vizepräsident und Betreiber des Restaurants am Ihlsee, fordert bessere Hilfen für die Gastronomen. Quelle: Sven Wehde

Fünf Monate Zwangsschließung

Was viele Gastronomen ärgert: Ihre Betriebe sind am 2. November zuerst geschlossen worden. Sie harrten aus und setzten alle ihre Hoffnung auf das Ostergeschäft. Doch während die Gastronomie geschlossen blieb, wurde alles andere wieder geöffnet: Kitas, Schulen, Friseure, Einzelhandel – und jetzt steigt die Corona-Inzidenz wieder. Gerade in den Kreisen Segeberg und Stormarn war sie zuletzt besonders hoch. „Wir sind die Gebeutelten, sind seit fünf Monaten in einer Zwangsschließung. Wir waren die ersten, die geschlossen wurden und sind die letzten, die immer noch geschlossen sind. Und so wie sich die Corona-Werte entwickeln, kann ich mir nicht vorstellen, dass wir zu Ostern öffnen dürfen“, sagt Frank. Der Verband habe daher jetzt eine klare Botschaft an die Politiker. „Wenn wir weiter geschlossen bleiben, lassen wir uns nicht mehr mit der Fixkostenerstattung abspeisen. Da ist keine Krankenkasse und kein Unternehmerlohn drin, außerdem werden auch nur 90 Prozent der Fixkosten erstattet. Damit kann kein Betrieb auf Dauer überleben. Uns droht ein Desaster im Gastgewerbe“, sagt Frank und fordert: „Wir brauchen dann eine ordentliche Umsatzerstattung beziehungsweise eine volle Fixkostenübernahme plus Unternehmerlohn.“

Kritik an zu wenigen Kontrollen

Andere wie der Hotelier Andre Hoffmann, der das Hotel „Residence“ betreibt, haben ohnehin nur wenig Verständnis für die andauernde Schließung. „Klar, in Bars und Diskotheken ist das schwer zu regeln. Aber es gibt ja sehr viel Gastronomie und Restaurants, bei denen Abstand halten, Hygiene, lüften und das Registrieren der Gäste problemlos möglich ist“, sagt Hoffmann. „Ich weiß nicht, was dagegen spricht, diese zu öffnen.“ Trotzdem glaube er nicht, dass er sein Hotel zu Ostern öffnen darf. „Ich habe wirklich Angst davor, was passiert, wenn dieses Jahr wieder alles abgesagt wird. Das werden viele nicht überleben.“ Aus seiner Sicht sind nicht die Öffnungen das Problem, sondern dass viele sich nicht an die Regeln halten. Hoffmann: „Da hat der Staat versagt, weil er nicht in der Lage ist, seine eigenen Anordnungen zu kontrollieren.“

Hoffen auf Konfirmationen

Klaus Strahlendorf vom Restaurant „Zum Kamin“ in Bad Oldesloe versucht, das Beste aus der Situation zu machen und bleibt optimistisch. „Wir kochen mittags und abends und das Außer-Haus-Geschäft läuft eigentlich recht gut. Wir machen immer Aktionen. Heute gibt es zum Beispiel drei verschiedene Scampi-Gerichte. Ich glaube, wenn man das passende Angebot macht, kriegt man die Gäste auch in Corona-Zeiten angelockt“, sagt Strahlendorf.

Und tatsächlich kommen Punkt 12 Uhr mittags die ersten Gäste mit mitgebrachten Töpfen und Gefäßen, um sich ihre Speisen abzuholen. Trotzdem ist natürlich auch Strahlendorf nicht glücklich. „Mir fehlen die großen Gesellschaften, der Getränkeverkauf, die Tresengäste – und das Lustigsein mit meinen Gästen, die ich ja ansonsten seit fast 40 Jahren nahezu jeden Abend sehe“, sagt Strahlendorf. Ostern hat auch er schon abgeschrieben. „Aber wir hoffen auf die Konfirmationszeit. Da haben wir auch schon die ersten Anfragen und Reservierungen.“ Die Landesregierung kritisiert er nicht. „Ich möchte in dieser Zeit auch kein Politiker sein.“

Öffnung wäre sehr kurzfristig

Jürgen Leonhard vom Hotel und Restaurant „Pronstorfer Krug“ sieht das etwas anders. „Wir haben hier gute Hygienekonzepte und wenn ich einkaufen gehe, da tummelt sich alles dicht auf dicht. Ich verstehe nicht, dass die Gastronomie noch zu hat. Die könnte man eigentlich eher aufmachen als die Friseure.“ Aus seiner Sicht ist eine Öffnung zu Ostern nicht nur unwahrscheinlich, sondern auch „kaum noch zu wuppen“. „Das ist so kurzfristig. Vielleicht würde man das Restaurant noch voll kriegen, aber mit Hotelgästen wird es schwierig.“

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Personal fehlt

Doch der Dehoga bereiten nicht nur die fehlenden Gäste Sorgen. „Es gibt eine ganz große Angst, dass die Betriebe nicht mehr genug Mitarbeiter kriegen, wenn die Öffnung kommt“, sagt Lutz Frank. Viele Studierende und Schüler, die als geringfügig Beschäftigte angestellt waren, hätten sich inzwischen andere Nebenjobs gesucht. „Und auch einige Festangestellte, die im November wieder mit Kurzarbeitergeld angefangen haben, haben sich nach neuen Jobs umgeschaut.“ Von daher wäre es sogar ganz gut, wenn man nicht gleich wieder voll aufmache. 50 Prozent würden ja auch schon helfen.

Stellenanzeige im Fenster

Optimist Strahlendorf hat deshalb mit Blick auf die Konfirmationen schon mal vorgeplant. Trotz des Lockdowns hängen in den Fenstern seines Restaurants schon wieder die ersten Stellenanzeigen „Wir brauchen Verstärkung im Service in Vollzeit, Teilzeit oder auf Mini-Job-Basis“ steht da.

Von Sven Wehde