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Segeberg Gefährlicher Trend: Cannabis breitet sich an Schulen aus
Lokales Segeberg Gefährlicher Trend: Cannabis breitet sich an Schulen aus
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22:12 22.08.2018
Organisieren den Fachtag zu „suchtmittelfreien Räumen an Schulen“: Von links: Jessica Prieß, Romi Seypt und Madita von Repel. Quelle: Foto: Vogt
Bad Segeberg/Rickling

Es sei in der jüngsten Vergangenheit jedenfalls häufiger an die ATS, die Ambulante und Teilstationäre Suchthilfe, herangetragen worden, dass Schülerinnen und Schüler „in irgendeiner Weise mit Cannabis in Verbindung stehen“, sagt ATS-Regionalleiterin Jessica Prieß. Sei es, dass sie selbst Konsumenten sind, sei es, dass sie in ihrem Umfeld Konsum oder Handel der Droge mitbekommen. Zunehmend berichten auch Lehrer von „bekifften“ Schülern im Unterricht. Das fange in der Regel ab der siebten Klassenstufe an.

Anmeldung und Kosten

Der Fachtag „Suchtmittelfreie Räume schaffen – gemeinsam hinschauen, Antworten finden!“ findet am Dienstag, 11. September, von 8.30 bis 16.30 Uhr statt. Dabei sind verschiedene Referenten von Polizei, Jugendamt, Suchthilfe und Suchttherapie. Die Teilnahmegebühr beträgt 30 Euro pro Person. Die Fachtagung ist als Lehrer-Fortbildung anerkannt. Anmeldungen: ☎ 04551/84358, Mail sucht.se@ats-sh.de, www.ats-sh.de

Für die Suchtexperten ist das ein besorgniserregender Trend. Denn die Jugendlichen laufen Gefahr, dass ihr gesamtes Leben von der Droge bestimmt wird und sie dadurch in einen Abwärtsstrudel geraten.

„Gerade an den weiterführenden Schulen, wo die Tage der Schüler mit allerlei Programm vollgepackt ist, höre ich häufig, dass Cannabis genommen wird, ,um mal ein bisschen runterzukommen vom Stress‘“, sagt Sozialarbeiterin Romi Seypt. Wenn es dabei bleibe, der Konsum sich auf das Wochenende beschränkt, sei das vielleicht noch kein Grund, die Dinge zu dramatisieren. Oft bleibe es aber nicht dabei.

Der Konsum von Cannabis, das vor allem als Haschisch oder Marihuana im Umlauf ist, hat bewusstseinsverändernde Eigenschaften. Menschen unter dem Einfluss der Droge ziehen sich in ihr Innenleben zurück und genügen sich dann zumeist selbst. Das Interesse an der Außenwelt nimmt ab. „Jugendliche, die vielleicht vorher noch ständig mit ihrer Sportclique zusammen waren, verbringen mehr Zeit allein oder mit Freunden, die ebenfalls kiffen“, erklärt Romi Seypt. Ebenso sackten die schulischen Leistungen, auch bei sehr guten Schülern, teils rapide ab.

Beim Fachtag, der am Dienstag, 11. September, im Tagungshaus Fichtenhof in Rickling stattfindet, soll mit Experten darüber gesprochen werden, wie dem wachsenen Cannabis-Problem begegnet werden kann.

Ziel sei, herauszufinden, wie „suchtmittelfreie Räume“ in der Schule geschaffen werden können. „Es wäre naiv zu glauben, dass Drogen vollständig aus den Schulen verbannt werden können“, schränkt Jessica Prieß ein. Indem man das Problem aber nicht länger ignoriere, sondern ins Bewusstsein rufe, könnten zumindest deutliche Verbesserungen erreicht werden. Konkrete Maßnahmen könnten von Schule zu Schule unterschiedlich sein. Zum Beispiel könne gemeinschaftlich Sorge getragen werden, den Drogenhandel auf dem Schulhof zu unterbinden. Oder es werden Vereinbarungen mit Schülerinnen und Schülern getroffen, im Rahmen des Unterrichts drogenfrei zu bleiben – schon aus eigenem Interesse.

„Der Schwerpunkt bei unserer Fachtagung liegt natürlich auf dem Thema Schule. Aber es sind nicht nur Lehrkräfte eingeladen, sondern auch alle anderen, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, ob in Jugendzentren, Sportvereinen oder ähnlichen. Niemand ist ausgeladen“, betont Romi Seypt.

Ein weiteres Problem, das die Suchthelfer ausmachen, sei eine weit verbreitete Verharmlosung von Cannabis. „Die Droge ist in keinem Fall so ungefährlich, wie es die Gesellschaft oft vorgibt“, sagt Sozialarbeiterin Madita von Repel. Dazu bedarf es nicht einmal missbräuchlichen Verhaltens. „Schon einzelner Konsum kann psychische Erkrankungen wie Psychosen auslösen“, so von Repel.

Interessant ist, dass im Internet frei verkäufliche, aber nicht minder problematische Cannabis-Ersatzprodukte, sogenannte Legal-Heights, unter den Jugendlichen nach Beobachtungen der ATS überhaupt keine Rolle mehr spielen. Dass – illegale – Original scheint so gut verfügbar zu sein, dass es einer Alternative nicht mehr bedarf.

Oliver Vogt