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Segeberg Gefängnisstrafe für Raub an gehbehinderter Seniorin
Lokales Segeberg Gefängnisstrafe für Raub an gehbehinderter Seniorin
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20:10 21.03.2018
Bad Segeberg

vor dem Amtsgericht Bad Segeberg der Beihilfe zum Raub sowie wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu sechs Monaten Jugendhaft verurteilt worden. Sie wurde für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

„Es ist ein absolut asoziales Verhalten, eine Rentnerin zu überfallen, die sichtbar gehbehindert ist“, sagte Richter Martin Jochems. Es war eine vergleichsweise lange Verhandlung. Über drei Stunden hatte sich das Jugendschöffengericht Zeit genommen.

Das war passiert: Jason D. fasst beim Vorbeifahren an der Haltestelle in Kayhude den Entschluss, die Seniorin aus Norderstedt zu überfallen. „Klar, kann man das machen, man muss sich nur trauen“, zitiert Jason D. seinen Fahrer, der ihn demnach weiter angestachelt hat. Sie parken am Alten Heidkrug. Jason D. verwickelt die Dame in ein Gespräch. „Er war sehr nett“, sagt die Geschädigte vor Gericht.

Doch der junge Mann greift schließlich nach der Handtasche, die am Rollator hängt. Vor Schreck greift die Seniorin ebenfalls zu. „Ich kämpfte, soweit ich konnte, aber er war natürlich stärker“, sagt sie. Der Täter springt durch ein Gebüsch, der Wagen rast davon. Beobachtet hat den Vorfall eine Zeugin, die die Verfolgung aufnimmt, die Polizei informiert und später auch ein Foto des Kennzeichens liefert.

An der Autobahnauffahrt Ahrensburg wird das Fluchtauto von mehreren Polizeiwagen gestoppt – die Handschellen klicken. Die Beute: 150 Euro. Der Schaden? „Es war alles unbrauchbar“, sagt die Geschädigte. Denn die Tasche samt Dokumenten und Haustürschlüssel werfen die Täter in ein Waldstück, in einen Teich. Die mutige Seniorin kommt mit dem Schrecken davon: „Ich bin ja froh, dass er mich nicht angegriffen hat.“ Es gehe ihr wieder gut. „Das ist aber pures Glück und zeigt die robuste Psyche“, so der Richter. „ Andere Menschen leiden jahrelang.“

Anders als der geständige Jason D. bestreitet Mirko K. seine Beteiligung. Nach dessen Beschreibungsei D. hektisch angerannt gekommen und er sei dann vor Schreck losgefahren. Das Gericht hält das für wenig glaubhaft. Trotz psychischer Auffälligkeiten habe der Haupttäter keinen Grund, einen Mittäter zu präsentieren, wenn es nicht so gewesen wäre.

Das Gericht verurteilte die jungen Männer nach Jugendstrafrecht. Die Gründe dafür lieferten ihre tragischen Lebensläufe, insbesondere der von Jason D.: Zerrüttete Familie, Pflegeeltern, Obdachlosigkeit, kein Freundeskreis oder berufliche Perspektive machten ihn zum Kriminellen, der aus einer Jugendanstalt in den Gerichtssaal geführt wurde. Er sitzt momentan wegen Diebstahls eine Strafe von einem Jahr und sechs Monaten ab. Diese Zeit erhöht sich nun auf zwei Jahre.

Laut Jugendgerichtshilfe hat er eine gestörte Wahrnehmung, sei provozierend und nicht gruppenfähig. Ohne Einzelbetreuung müssten weitere Straftaten befürchtet werden. Selbst in Haft falle er durch konsequentes Fehlverhalten auf. „Im Ergebnis geht es hier nicht um Rache oder Vergeltung, es geht um den Erziehungsauftrag“, erklärte Jochems das Urteil. Und dennoch: „In unserem System ist nichts anderes vorgesehen, als für einen Raub Haftstrafen zu verhängen – ohne Bewährung.“

Selbst für Verteidiger Ralf Stelling schien der Fall sehr speziell zu sein. „Die Möglichkeiten des Strafvollzugs sind begrenzt. Das heißt schon was.“ Und: „Ich frage mich vor jeder Verhandlung, was ich erreichen will. Auch nach 35 Berufsjahren kann ich das diesmal nicht beantworten. Alles was möglich ist, wird meinem Mandanten nicht gerecht.“ Laut Jugendgerichtshilfe bleibt die Frage offen, wer den jungen Menschen nach der Haft betreut, es bedürfe regelmäßiger psychologischer Betreuung. „Das war keine glückliche Kindheit. Trotzdem müssen Sie sich an Recht und Gesetz halten“, ermahnte der Richter die beiden Verurteilten.

Von Irene Burow

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