Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Gericht verhandelt über Einbruch bei Möbel Kraft
Lokales Segeberg Gericht verhandelt über Einbruch bei Möbel Kraft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:05 23.02.2017
Bad Segeberg

Eigentlich hatte das Verfahren gegen die fünf Rumänen „in einem Rutsch“ durchgezogen werden sollen. Zur ersten Verhandlung im September waren aber nur zwei der Angeklagten erschienen.

 

In der Nacht zum 25. Februar 2014 drangen die Diebe in das größtenteils leere Lager an der B 206 ein. Quelle: Foto: Vogt

Ion G. (Name geändert) war nicht dabei. Wegen seines Schwänzens hatte Richterin Roggendorf deshalb Haftbefehl gegen den 26-Jährigen erlassen, der dann einen Tag vor Heiligabend 2016 vollstreckt worden war. Seither saß G. in Neumünster in U-Haft.

Soweit zur Vorgeschichte. Was indes in der Nacht vor drei Jahren genau geschehen war, wollte G. in der gestrigen Verhandlung aber offensichtlich auch nicht aufklären helfen. Stattdessen tischte der in einem rumänischen Dorf aufgewachsene Bauarbeiter, der nach eigenen Angaben Vater von zwei Kindern ist, im Gerichtssaal eine ziemlich löcherige Geschichte auf. Von einem Einbruch wisse er überhaupt nichts, seine Mitangeklagten habe er nur flüchtig aus einer Unterkunft in Hartenholm gekannt. „Die anderen haben mich angerufen, damit ich sie abhole“, übersetzte ein Dolmetscher die Worte des Angeklagten. Von dem später im Wagen gefundenen Einbruchswerkzeug wisse er nichts, und die Mengen von Kupferkabel im Auto hätten seine Bekannten wohl „im Müll gefunden“. Auf die Frage der Richterin, warum er, wenn er der Fahrer gewesen sei, denn nicht am Steuer saß, sondern hinten auf der Ladefläche zwischen Werkzeug und Kabeln, sagte G. dann besser gar nichts.

Für Ion G. und seinen Pflichtverteidiger nur schwer zu entkräften war außerdem der Umstand, dass das Auto des rumänischen Quintetts ziemlich nah am Tatort von der Polizei gestoppt worden war – allerdings nicht wegen des Einbruchs, denn der wurde erst am Morgen danach bekannt. „Der Fahrer ist bei Möbel Kraft zunächst auf die B 206 in Richtung Lübeck eingebogen. Danach hat er auf der Bundesstraße gewendet, was er nicht durfte, und fuhr Richtung Bad Bramstedt“, schilderte eine Polizistin, die den Wagen daraufhin gemeinsam mit ihrem Kollegen stoppte, dem Schöffengericht.

Mit Ausflüchten und halbseidenen Geschichten hatten auch zwei bereits verurteilte Mitangeklagte von G. versucht, eine Strafe abzuwenden. Sie wollten dem Gericht ebenfalls weismachen, dass man die Kabelreste lediglich „gefunden“ habe. Im Gegensatz zu Ion G. räumten die beiden jedoch ein, in diesem Fünfer-Gespann schon seit drei Monaten in Deutschland „zum Schrottsammeln“ unterwegs gewesen zu sein – man sich also nicht nur flüchtig kannte, wie G. gestern behauptete.

„Ihre Geschichte ist nicht nur realitätsfern, sie ist schlicht und einfach erfunden“, stellte Roggendorf abschließend fest. „Ihre Angaben haben uns lediglich verraten, dass Sie eigentlich nicht mit uns sprechen wollten“, mahnte sie den Angeklagten. Dennoch schienen dessen Tränen, die während der Vernehmung zuweilen aus ihm hervorbrachen, die Richterin milde gestimmt zu haben. Wegen Bandendiebstahls verurteilte das Gericht Ion G. zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten auf Bewährung, von denen er zwei bereits durch die Untersuchungshaft verbüßt hat. Damit blieben Roggendorf und ihre Schöffen unter dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß von sieben Monaten.

Zugunsten des Angeklagten legte Roggendorf aus, dass er bislang nicht einschlägig vorbestraft sei. Zudem – so sei jedenfalls zu hoffen – hätten das Verfahren sowie die Inhaftierung kurz vor Weihnachten einen bleibenden pädagogischen Effekt bei ihm ausgelöst. Um zu diesem Ergebnis zu kommen, habe das Gericht gleichwohl „sämtliche Augen zudrücken müssen“.

Das Urteil ist rechtskräftig, der Fall aber noch nicht abgeschlossen. Nach zwei weiteren Mitgliedern der Bande wird noch immer mit Haftbefehl gefahndet.

 Oliver Vogt