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Segeberg Gespinstmotten mit Eichenprozessionsspinner verwechselt
Lokales Segeberg Gespinstmotten mit Eichenprozessionsspinner verwechselt
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12:32 24.05.2019
Keine Angst vor diesen Raupen: Kein Eichenprozessionsspinner, sondern eine Gespinstmotte Quelle: Petra Dreu
Schwissel/Leezen

 Gelbe Raupen, mit dunklen Tupfen haben sich über einige Büsche zwischen der Autobahn 21 und der Dorfstraße in Schwissel hergemacht. Blatt für Blatt vertilgen sie, während ihr auffälliges Nest wächst. „Die Leute sehen ein Gespinst und denken sofort an den Eichenprozessionsspinner“, weiß Carsten Pusch vom Naturschutzbund, Nabu. Ein Schmetterling, dessen Raupe feine Brennhaare besitzt. Die können weit durch die Luft getragen werden und schwerste Allergien beim Menschen auslösen.

Der Eichenprozessionsspinner

Wie der Name des Schmetterlings aus der Gruppe der Zahnspinner schon sagt, ist die Eiche die Wirtspflanze seiner Raupe. Außerdem ziehen die Raupen des Falters nachts, wie an der Perlenschnur aufgefädelt, in einer langen Prozession weiter. Der Eichenprozessionsspinner wird etwa drei Zentimeter groß und bevorzugt trockenen Regionen, darum ist er bisher in Schleswig-Holstein selten. Die gelbschwarze Raupen ist sehr stark mit feinen Brennhaaren überzogen. Hier sitzt das Nesselgift Thaumetopein. Es kann extrem stark juckende rote Pusteln und quaddelartige Schwellungen verursachen. Die Schleimhäute können angegriffen werden und das Einatmen kann starken Husten oder gar einen schweren Asthmaanfall auslösen, sogar zum allergischen Schock (anaphylaktischer Schock) kann es kommen. Über mehrere Jahre können die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners aktiv bleiben und eine Gefahr für Mensch und Tier darstellen. Darum wird er chemisch mit einem selektiven Biozid bekämpft. Natürliche Feinde sind unter anderem die Raupenfliege, die ihre Eier in die Raupe „injiziert“, der Puppenräuber (eine Käferart) und der Kuckuck, der die Raupen trotz ihrer Brennhaare frisst und gegen das Gift immun ist. 

Darum werden sie mit bestimmten Giften bekämpft. Erst gestern überraschte die Meldung aus Geesthacht.

Viele Raupen bauen Gespinste, aber auch Wespen

„Die Leute neigen leider dazu, das zu dramatisieren. Es gibt viele Schmetterlinge und auch Wespen, die Gespinste bauen“, sagt der Fachmann. Im Fall von Schwissel sind Gespinstmotten am Werk. Harmlos und nur bei flüchtiger Betrachtung mit dem Eichenprozessionsspinner zu verwechseln. „Ausgewachsene Gespinstmottenraupen haben eine hellgelbe bis graubraune Färbung mit dunklen Punkten und schwarzem Kopf. Sie tragen keine Brennhaare und sind für Menschen und andere Tiere daher völlig ungefährlich. Im Schutz des Gespinsts fressen die Raupen bis Mitte Juni den Busch völlig kahl. Nach der Verpuppung am Stammfuß der Wirtspflanze schlüpften die Falter Anfang Juli.

  

Ungefährlicher Falter

Neun Arten gebe es in Westeuropa. Mitunter sind sie nur anhand der Anzahl ihrer schwarzen Punkte voneinander zu unterscheiden. Meist könne man die Arten an der Wirtspflanze erkennen, so Pusch weiter. Das wiederum gilt auch für den Eichenprozessionsspinner, der seinen Namen trägt, weil er nachts in einer langen Prozession aller Individuen, wie an einer Perlenschnur, zum nächsten Baum zieht. Und, wie der Name ebenfalls sagt, Eichen befällt – nur in extremen Fällen auch Buchen. Aber da sehen Experten für Schleswig-Holstein kein großes Problem.

Zahnspinner nicht in Schleswig-Holstein verbreitet

Bei der nordwestdeutschen forstwirtschaftlichen Versuchsanstalt in Göttingen, die ein freiwilliges Meldeportal betreibt, auf dem Waldbesitzer Schädlingsbefall melden können, ist nichts darüber bekannt, dass der Zahnspinner Schleswig-Holstein Eichen erstürmt hat. Förster Thomas Jacobi aus Hamdorf ergänzt: „Mit ist kein einziger Fall im Segeberger Forst bekannt. Der Falter taucht eher im Süden auf.“

Mehr zum Thema:

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Heike Hiltrop

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